Zukunft Energie  

21. August 2014

Adé alte Funzel? Umrüstung von Gaslaternen auf Strom

Heiße Diskussionen um die alten Gaslaternen auf Deutschlands Straßen. Hier Gasaufsatzleuchte im Stil der Nachkriegsmoderne | Bild: flickr / judith74

Heiße Diskussionen um die alten Gaslaternen auf Deutschlands Straßen. Hier Gasaufsatzleuchte im Stil der Nachkriegsmoderne | Bild: flickr / judith74

Schinkel- Aufsatz- , Hänge-, Reihen-, Zylinder- oder Modelllaterne. Es gibt sie in allen nur denkbaren Varianten: Die Beleuchtung auf Deutschlands Straßen, Wegen und Plätzen. Insgesamt schmücken circa 10 Millionen Laternen die Bundesrepublik. Entscheidend ist dabei die Differenzierung zwischen Gas- und elektrisch betriebenen Laternen. Erstere ist aktuell in aller Munde, denn ihr Erhalt ist ungewiss. Ob in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Mainz oder Dresden: Viele deutsche Städte wollen sich in den nächsten Jahren nach und nach vom Gaslicht verabschieden und stattdessen auf die strombetriebene Beleuchtung setzen. Gründe gibt es genug, Diskussionen deswegen auch.

Vom Öl zum Gas zum Strom: die Strassenlaterne

Doch zunächst ein Rückblick: Anfang des 19. Jahrhunderts, etwa um 1814, ersetzten moderne Gaslaternen in den Großstädten der Welt die damals außer Mode gekommenen Öllaternen. Die Gaslaterne spendete den Passanten ein helleres, gold-gelbes, warmes Licht. In ihren Anfängen loderte die Gasflamme noch ungeschützt im Wind und musste von einem Laternenanzünder per Hand entfacht werden. Später funktionierte das automatisiert. Nach der Erfindung der Glühbirne säumten Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr Stromlaternen die Straßen. In einigen Städten blieb ein Teil der Gaslaternen allerdings bis heute bestehen. Berlin hat die meisten Gaslaternen der Welt, nämlich 40.000 Stück. In Düsseldorf stehen noch 17.000, in Frankfurt rund 5.500 Stück auf den Straßen.

Elektrifizierung: Es wird ausgetauscht und umgerüstet

Bis Ende des Jahrzehnts soll die Mehrheit der Berliner Gaslaternen umgerüstet und mit Strom betrieben werden. Teilweise bleiben die nostalgischen Laternenmasten bestehen: Dann werden nur die Leuchtmittel samt Technik ausgewechselt. Entweder kommen LED-Leuchten zum Einsatz oder konventionelle strombetriebe Leuchtmittel wie Leuchtstofflampen oder Natriumdampflampen. Teilweise sollen die Gaslaternen aber komplett (inklusive Mast) durch moderne Stromlaternen ersetzt werden. Das sind in Berlin 8.000 Stück. Nur 3.300 Gaslaternen bleiben in ihrer jetzigen Form vollständig erhalten.

In Frankfurt werden etwa 1.400 gasbetriebene Aufsatzlaternen der 20er Jahre und Gas-Reihenlaternen aus den 1950er und 1960er Jahren mit LED-Leuchten ausgestattet. Rund 4.000 Gaslaternen werden in Gänze durch moderne Modelle ersetzt.

In Düsseldorf werden 1.400 Gaslaternen bis 2015 auf den elektrischen Betrieb umgestellt.

Hoher Energieverbrauch der Gaslaternen

Gründe für die große Umrüstaktion und gegen das Gaslicht sind: Eine geringere Lichtausbeute, da das Licht zerstreut abgestrahlt wird, ein hoher Energieverbrauch und ein Vielfaches an Energiekosten während des Betriebes im Vergleich zu Stromlaternen, eine hohe Störanfälligkeit (sechsmal höher als bei strombetriebenen Laternen) und höhere Wartungskosten, da Ersatzteile selten und teuer sind.

Im Vergleich dazu die LED-Leuchten: Sie streuen warmes Licht, das kaum vom Gaslicht zu unterscheiden ist, gewähren gleichzeitig aber eine bessere Ausleuchtung der Straße, was der Verkehrssicherheit dient. Vor allem die wesentlich geringeren Energiekosten zahlen sich langfristig aus. Ein Minuspunkt sind die teuren Kosten in der Anschaffung, wonach zum überwiegenden Teil auf andere Strombeleuchtung ausgewichen werden muss. Diese ist wesentlich günstiger in der Anschaffung, verbreitet jedoch ein weißes, ungemütlicheres Licht.

Auf dem Vormarsch: Moderne LED-Straßenlaterne | Bild: flickr / Theen Moy

Auf dem Vormarsch: Moderne LED-Straßenlaterne | Bild: flickr / Theen Moy

Nostalgisch: Gaslaternen als Kulturgut

In den letzten Jahren haben sich einige Bürgerbewegungen gegründet, die sich stark dafür aussprechen, das historische Gaslicht zu erhalten. Aus nostalgisch-ästhetischen Gründen, zum Erhalt des teilweise 100-jährigen Kulturgutes und der Stadtidentität. Aber auch die Wirtschaftlichkeit der großen Umrüstaktion zweifeln die Gegner an. Immerhin kostet diese beispielsweise in Frankfurt 58 Millionen Euro in einem Zeitraum von zwölf Jahren. Mehrere hundert Straßen müssten aufgegraben, neue Kabel verlegt und Schaltstellen installiert werden, um die Gaslaternen für den Strombetrieb fit zu machen oder mit modernen Laternen auszutauschen.

Der Streit um die Gaslaterne flammt gerade wieder mächtig auf. Meinungen zum Thema und vor allem zum Kompromiss, die alten Laternenmasten beizubehalten und nur das Licht zu ersetzen, nehmen wir hier gerne entgegen.

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