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9. Juni 2011

Auf der Suche nach der EHEC-Quelle

Wer EHEC suchet, der findet? | shutterstock: Eric Gevaert

Wer EHEC suchet, der findet? | shutterstock: Eric Gevaert

 

Deutschland fahndet nach den EHEC-Bakterien. Gurken, Tomaten, Salat standen unter Verdacht, dann gerieten die Sprossen aus Bienenbüttel ins Visier der Ermittler. Und jetzt? Könnten Biogasanlagen womöglich der Ursprung allen Übels sein? Beweise gibt’s dafür keine. Und wahrscheinlich scheint es auch eher eine Idee zu sein, die ratloser Panik entspringt.

Schon komisch: Alles was früher als gesund und nachhaltig galt, soll jetzt schlecht sein? So mancher Vegetarier befürchtet längst einen Rachefeldzug der Fleischindustrie – nach Rinderwahn und Schweinepest.

Wie funktioniert die Biogasanlage?

Rindergülle oder Hühnermist, Mais oder Material aus der Biotonne – alles was gärt kommt in die Anlage. Nach dem Sammeln in einer Grube wird die Masse in einem luft-, licht- und wasserdichten Fermenter bei etwa 40 Grad Celsius beheizt.

Hier gärt die Biomasse: Mikroorganismen zersetzen sie zu einem Gasgemisch aus Methan und Kohlendioxid, das sich oberhalb der Biomasse sammelt. Bereinigt von unerwünschten Bestandteilen wie etwa Schwefel, wird es einem Verbrennungsmotor zugeführt. In dem aus Motor und Generator bestehenden Blockheizkraftwerk (BHWK) wird das Gas in Wärme und Strom umgewandelt. Der Strom kann direkt in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Ein Teil der Wärme heizt den Fermenter – der Rest beheizt angrenzende Gebäude. Biogas kann auch aufbereitet und ins Erdgasnetz eingespeist werden. Damit fahren unter anderem auch Autos. Die Biogas-Restmasse kommt als Dünger wieder auf die Felder. Man streitet sich nun darüber, ob das Darmbakterium Escherichia coli in der Vergärphase überleben kann.

Könnten Biogasanlagen EHEC-Bakterien verbreiten?

Biogas-Experten, wie Mathias Klöffel, argumentieren ganz klar: In den Biogasanlagen geschehe nichts anderes als in den Mägen der Kühe, und das was übrig bleibe, werde seit Jahrtausenden als Dünger verwendet.
Noch aufschlussreicher ist sicher die Information, dass Gärreste überhaupt nicht auf Gemüsefeldern ausgebracht werden. Zum einen sei es unmöglich mit den entsprechenden Fahrzeugen in die Felder zu fahren, zum anderen sei es undenkbar, Gülleprodukte über Gurken oder Tomaten auszubringen. Ähnlich argumentiert auch der Fachverband Biogas e.V., der darauf hinweist, dass ganz kurz vor der Ernte ohnehin kein Bauer mehr Dünger ausbringt. Sicher wird sich also auch der Verdachtsmoment gegen die Biogasanlagen als ratlose Panikmache erweisen.

Übrigens: Es gibt schon eine App gegen EHEC …

Während die Wissenschaft noch um Klarheit ringt – soll Steve Jobs laut einer Blog-Satire von Jürgen Knösch die Lösung bringen: eine EHEC-App für iPhone und iPod Touch. Gerät einfach an das Gemüse halten und schon zeigt das Gerät, ob tödliche Darmerreger im Spiel sind oder nicht.
Vielleicht hat die neue App ja schon geholfen. Die Neuansteckungen gehen nach aktuellen Meldungen zum Glück leicht zurück. Auch für die Landwirte ist eine Beruhigung der Lage lebensnotwenig. Tausende sind von dramatischen Umsatzeinbrüchen betroffen, die ihre Existenzen bedrohen. Solange es keine Entwarnung gibt, helfen wir gern mit dem verstärkten Konsum von Bio-Grillfleisch aus.

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