Zukunft Energie  

12. Juni 2014

Aus Gras mach Gas: Neue Lösungen zur Energiegewinnung von Wärme und Strom

Gras als Energieträger – definitiv bio |Bild: Photocas, suze

Gras als Energieträger – definitiv bio | Bild: Photocase / suze

Auf dem Weg zu umweltfreundlichen, kostengünstigen und verlässlichen Alternativen zur Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen entstehen immer mehr Biogasanlagen. Ihr Anteil an der Versorgung mit Heiz- und Nutzwärme hat im vergangenen Jahrzehnt rasant zugenommen. 2013 lieferte Biogas 40-mal mehr Wärme als noch vor zehn Jahren und die Nutzung steigt weiter. Doch es gilt auch die Rahmenbedingungen zu beachten. Denn: Mit Biogas lassen sich zwar CO2-neutral Strom und Wärme erzeugen, allerdings sollte diese Methode auch ressourcenschonend sein.

Können Sie sich vorstellen, mit Ihrem Grünschnitt einen Beitrag zu leisten?

Wir haben bereits darüber berichtet, wie aus Stroh in einem Strohheizkraftwerk Energie gewonnen werden kann. Eine weitere Möglichkeit wäre die Nutzung von Gras.

Denn aus diesem lässt sich in Biogasanlagen Fäulnisgas (Methan) erzeugen, welches in einem Blockheizkraftwerk zu Strom und Wärme verbrannt werden kann. Durch entsprechende Aufbereitung kann dieses Gas auch direkt in das Erdgasnetz eingespeist werden und steht so zum Beispiel als Kraftstoff zur Verfügung.

Vorteile von Gras gegenüber alternativer Biomasse

Im Gegensatz zum Betrieb von Biogasanlagen durch Getreide oder Mais ist für Gras keine extra Anpflanzung nötig, da Grünschnitt beispielsweise in öffentlichen Parks oder am Straßenrand anfällt. Somit kommt es auch nicht zum Konkurrieren um Ackerfläche. Ferner werden auch keine potenziellen Lebensmittel verschwendet und gerade in Bezug auf Mais weitere negative Folgen umgangen. Denn: Die Anlagen würden soviel Mais benötigen, dass die Gefahr einer Vermaisung auf unseren Äckern besteht. Nicht zuletzt entlastet die Grasverwendung die Kommunen. Bislang wurde das Gras als Müll betrachtet und verbrannt. Die Beseitigung war mit hohen Kosten verbunden. Nun wird es zu etwas Nützlichem und kann den Kommunen sogar Geld bringen.

Jede Medaille hat zwei Seiten: Es „grünt“ nicht zu jeder Zeit

Bei allen Vorteilen besteht jedoch das Problem, dass Grünschnitt nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt anfällt. Doch auch dafür gibt es eine Lösung – die Grassilage. Getestet wird dies in der nordhessischen Versuchsanlage in Witzenhausen an der Werra. Hier füllt man den Grünschnitt zunächst in einen Bottich mit Wasser und lässt das Ganze eine halbe Stunde einweichen bis eine Maische entsteht. Im Anschluss wird diese durch eine Schneckenpresse geleitet, um die Fasern herauszufiltern. Der verbleibende Saft wird in einen Gärbehälter umgefüllt und vergärt dort etwa zehn Tage lang. Dabei bildet sich Biogas. Im Vergleich zu herkömmlichen Biogasanlagen, welche 30 bis 90 Tage Gärzeit benötigen, geschieht der Vergärungsprozess somit deutlich schneller. Zudem kann der Saft gelagert werden und steht so ganzjährig zur Verfügung.

Höhere Biogasausbeute dank neuer Methode

Die Grassilage löst noch ein weiteres Problem. Der Grünschnitt enthält viel Lignin und dieses bildet kein Biogas. Zudem kapselt Lignin weitere Stoffe ein und stört dadurch den Vergärungsprozess. Filtert man durch die Grassilage die ligninhaltigen Fasern jedoch heraus, lässt sich ein höherer Wirkungsgrad erzielen. Darüber hinaus finden auch die zurückgebliebenen Ligninfasern Verwendung. Sie werden zu Briketts zusammengespresst und dienen so zum Beispiel als Brennstoff.

Noch steckt die Energiegewinnung aus Gras in den Kinderschuhen. Durch Methoden wie dem Grassilieren schafft diese Methode jedoch einen vielversprechenden Ansatz für die Zukunft und könnte schon bald einen Beitrag zur Energiewende leisten.

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