Globales Denken  

17. Oktober 2013

Carbon Farming: Biomasse Plantage soll CO2 verringern

„Farming“ mal anders: In Ägypten sollen Plantagen entstehen, die dem CO2 an den Kragen gehen | Bild: Photocase / Patrick Naumann

„Farming“ mal anders: In Ägypten sollen Plantagen entstehen, die dem CO2 an den Kragen gehen | Bild: Photocase / Patrick Naumann

Wir alle kennen das Problem: Der Ausstoß von Treibhausgasen befeuert den Klimawandel, Gletscherschmelzen, der Anstieg des Meeresspiegels und Wetter-Extreme sind nur einige der Folgen. Kohlenstoffdioxid gilt dabei als größter Umweltsünder. Doch die CO2-Emmissionen zu senken, gestaltet sich als Herkulesaufgabe – nicht nur für die Wirtschaft, sondern für unsere gesamte Gesellschaft. Mit Elektromobilität, Energiesparmaßnahmen oder Emissionshandel versucht man dem Ungeheuer CO2 zu Leibe zu rücken, indem Emissionen reduziert werden. Was aber ist mit dem Kohlenstoffdioxid, das sich bereits in luftigen Höhen tummelt?
„Carbon Farming“ heißt übersetzt so viel wie CO2-Landwirtschaft. Mit diesem neuen Modell wollen Forscher der Universität Hohenheim in Stuttgart Kohlendioxid in Pflanzen binden und damit der Atmosphäre entziehen.

Die Pflanze als CO2-Speicher – Jatropha soll es richten

Pflanzen sind von Natur aus prädestiniert für diese Aufgabe: Bäume nehmen über ihre Blätter CO2 auf und speichern es wie in einem Tresor. Allerdings scheint es vor allem in Europa allmählich zu einer Übersättigung der Wälder zu kommen, da der natürliche Speicher bald vollständig belegt ist. Das Ziel der Forscher ist es deshalb, die CO2-Aufnahmefähigkeit wieder zu steigern. Sie wollen Farmen in trockenen Gebieten beispielsweise in Ägypten anlegen. So schont man jene Flächen, die für den Anbau von Nahrungsmitteln benötigt werden. Die Hauptrolle übernimmt die Energiepflanze Jatropha Curcas. Der Vorteil bei dem Gewächs liegt darin, dass es auf trockenen Böden wachsen kann und eine hohe Dürretoleranz aufweist. Dementsprechend überlebt Jatropha auch auf kargen Feldern, die nicht für den Anbau von Nahrungsmitteln geeignet sind. Gleichzeitig kann die Pflanze durch ihre ölhaltigen Früchte als Energiequelle genutzt werden.

Pflanze bewässert sich selbst durch Bioenergie

Ebendiese Kombination aus CO2-Speicher und Biomasse ist entscheidend für das Konzept der Wissenschaftler. Da auch Jatropha trotz ihrer Robustheit ein wenig Bewässerung benötigt, um ertragreich angebaut zu werden, ist es wichtig, die Plantagen in ozeannahen Gebieten zu errichten. Dann beginnt der Kreislauf: Die Pflanze wächst und speichert dabei immer mehr CO2 aus der Luft. Nach einigen Jahren können die ölhaltigen Nüsse geerntet und genug Bioenergie erzeugt werden. Damit kann ein Dampfkessel angetrieben werden, der Wärme zur Entsalzung von Meerwasser bereitstellt. Das entsalzte Wasser dient wiederum der Befeuchtung des Bodens. Durch die Bewässerung steigen die Erträge für Bioenergie und die Pflanzen gedeihen und können kontinuierlich CO2 aufnehmen.

So funktioniert die Jatropha-Anpflanzung | Bild: Journal "Earth System Dynamics" / Universität Hohenheim

So funktioniert die Jatropha-Anpflanzung | Bild: Journal „Earth System Dynamics“ / Universität Hohenheim

Langfristig sollen pro Hektar Jatropha jährlich bis zu 25 Tonnen Kohlendioxid gebunden werden. Im Moment entwickeln die Forscher das Konzept „Carbon Farming“ jedoch noch an Computermodellen. Bevor es zur ersten Umsetzung kommt, müssen noch viele Faktoren, wie eine mögliche Beeinflussung des regionalen Klimas durch die Plantagen, untersucht werden.

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