Zukunft Energie  

11. Januar 2013

Comeback der Urzeitgiganten: Dino-Design bringt Ökostromerzeugung auf Zack

Vorbild Dino? Leise Ökostromerzeugung durch gezackte Windturbinen | Bild: Photocase/vodoo!

Vorbild Dino? Leise Ökostromerzeugung durch gezackte Windturbinen | Bild: Photocase/vodoo!

Die Nutzung von Windkraft zur Stromerzeugung boomt. Im letzten Jahr lag der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in Deutschland bei etwa 23 Prozent – der Wind stellt dabei die wichtigste Ressource für den Ökostrom dar, dicht gefolgt von Biomasse, Sonne und Wasser. Allein in der Bundesrepublik stehen rund 23.000 Windkraftanlagen. Mit bis zu 75 Meter langen Rotorblättern erzeugen diese aber nicht nur jede Menge Energie, sondern auch ordentlich Lärm, vor allem auf dem Festland.

Die Erfindung des Dänen Peder Bay Enevoldsen liefert jetzt vielleicht eine Lösung, um die Lautstärke in den Griff zu bekommen: „DinoTails“ heißt die Neuheit, die bald für eine ruhigere Produktion von grüner Energie sorgen soll. Gemeint sind damit Zackenleisten, die an der hinteren Kante der Rotorblätter angebracht werden. Dadurch lassen sie diese wie den riesigen Schweif eines Stegosaurus’ aussehen. Inspiriert wurde der Erfinder jedoch nicht durch die Steinzeitriesen – der Name „DinoTails“ wurde nachträglich von einem englischen Kollegen Enevoldsens erdacht, nachdem dieser die gigantischen Zackenleisten zum ersten Mal gesehen hatte.

Die neuen „DinoTails“ im Test

Erst mit dem Aufbau von Onshore-Hochleistungsturbinen, deren Rotorspitzen sich mit einer Geschwindigkeit von 350 Kilometern pro Stunde drehen, bestand die Notwendigkeit einer Lärmreduktion. Deshalb wurde die Erfindung erst im Jahr 2012 getestet, auch wenn sie eigentlich schon vor zwölf Jahren gemacht wurde. Das Ergebnis: die Lautstärke lässt sich tatsächlich verringern. Durch die „DinoTails“ wird die Aerodynamik der Windkraftanlagen verbessert. Wenn Luftströmungen von ober- und unterhalb der hinteren Kante der Turbine aufeinandertreffen, entsteht ein Luftwirbel. Dieser Vorgang ist aufgrund des Luftwiderstandes entsprechend lärmintensiv. Die Zacken hingegen unterbrechen diese Luftströmungen und unterbinden somit die Lärmentwicklung.

Der Energieausbeute auf den Zahn gefühlt

Nur durch Zufall wurde bei ersten Versuchen mit den „DinoTails“ festgestellt, dass diese nicht nur im geplanten Sinne funktionieren. Neben der Lärmreduktion machen Sie die Produktion von Ökostrom wesentlich effizienter: um bis zu vier Prozent kann die Gewinnung von Windenergie pro Jahr gesteigert werden. Auf den ersten Blick scheint das nicht sehr viel, hochgerechnet auf die jährliche Windstromproduktion von etwa 48 Milliarden Kilowattstunden jedoch, sieht das schon ganz anders aus. Wenn alle Anlagen mit dem Dino-Design ausgestattet wären, würde die Steigerung um vier Prozent in diesem Fall einen Anstieg um jährlich 1,92 Milliarden Kilowattstunden bedeuten. Bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von etwa 3.400 Kilowattstunden pro Jahr und Haushalt könnten damit jährlich ca. 565.000 zusätzliche Haushalte mit Ökostrom versorgt werden.

Rotorblätter im Stachel-Look: „DinoTails“ im Einsatz bei der Ökostromerzeugung | Bild: Siemens

Rotorblätter im Stachel-Look: „DinoTails“ im Einsatz bei der Ökostromerzeugung | Bild: Siemens

Bestehende Windräder für mehr Ökostrom schnell und einfach aufrüsten

Der Einsatz der „DinoTails“ bietet noch einen weiteren Vorteil: Zur Optimierung der Energiegewinnung müssen keine neuen Windräder installiert werden. Aufgrund der Größe und Schwere der Anlagen – Windräder in Deutschland werden bis zu 200 Meter hoch gebaut und wiegen mehrere 1.000 Tonnen – würden Transport sowie Ab- und Aufbau einen enormen Kosten- und auch Zeitaufwand mit sich bringen. Stattdessen sind die Zackenleisten flexibel einsetzbar und können an bestehende Rotorblätter angebracht werden ohne die Turbine vollständig austauschen zu müssen.

Die „DinoTails“ sind übrigens nicht die erste Erfindung des Dänen: bereits 21 neue Ideen für die Optimierung der Windenergieerzeugung hat dieser entwickelt und patentieren lassen. Auch privat dreht sich bei ihm alles um das Spiel mit der Luft: Den Wind beim Segeln und Surfen zu spüren, lässt ihn über die Windkraft nachdenken – ganz pragmatisch.

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