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7. Juni 2011

Coole Kühlschränke, hitzige Herde: Europäer wollen energieeffiziente Elektrogeräte

Die besten Jahre sind vorbei - von Energieeffizienz keine Spur | Bild: photocase / zach

Die besten Jahre sind vorbei - von Energieeffizienz keine Spur | Bild: photocase / zach

 

Verrückte Zahlenwelt: Da ist die Anzahl an Elektrogeräten in europäischen Haushalten in den vergangenen 20 Jahren quasi explodiert. Der Trend geht offensichtlich zum Dritt-Fernseher und zum 2,5 Meter hohen Kühl-Gefrier-Kombi-Monster. Doch jetzt belegt eine Studie des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK, dass der Energieverbrauch von elektronischen Haushaltsgeräten in den letzten fünf Jahren europaweit um sieben Prozent gesunken ist. Da muss sich doch jemand verrechnet haben, oder? Nein, einfach Eins und Eins zusammenzählen, schon hat man des Rätsels Lösung: Denn bei den Europäern sind moderne, energieeffiziente Geräte absolut angesagt. Und diese Entwicklung wird auch gerne von der Europäischen Union unterstützt.

Energiespar-Europameister: Echte Schotten, diese Spanier!

Wie die „Retail and Technology“-Experten von GfK jetzt in ihrer Studie feststellten, verbrauchen Haushaltsgroßgeräte wie Waschmaschinen, Geschirrspüler, Kühl- und Gefrierschränke noch immer knapp die Hälfte des Stroms, der in einem Haushalt jährlich aufgewendet wird. Doch in den letzten fünf Jahren wurden beachtliche Fortschritte erzielt: Europameister, wie im Fußball so auch beim Energiesparen, sind die Spanier. Hier liegt der Energieverbrauch der Elektrogeräte um stolze 18 Prozent niedriger als noch im Jahr 2005. Diese Entwicklung zeigt, dass staatliche Förderprogramme tatsächlich etwas bewegen können. Denn ähnlich wie in Österreich und Italien, die beim GfK-Ranking Silber und Bronze erhalten, kurbelte der spanische Staat mit Subventionen den Kauf von energieeffizienten Neugeräten kräftig an. Deutschland rangiert hingegen nur im Mittelfeld der europäischen Energiespar-Liga. Immerhin liegt man mit einem Verbrauch von 215 Kilowattstunden pro Jahr und Gerät 13 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt.

Die Eins mit Sternchen: „A+++“

Für die EU sind diese Fortschritte aber erst der Anfang des Kampfs gegen Stromfresser. Durch neue Vorschriften und Informationskampagnen will man nämlich in den nächsten zehn Jahren rund 35 Milliarden Kilowattstunden Strom einsparen: Genug um die Bürger der Städte Berlin, Madrid, Paris, Rom und London ein ganzes Jahr lang mit Strom zu versorgen. Ein ehrgeiziger Plan, bei dessen Umsetzung man vor allem auf eine Idee aus den Neunzigerjahren baut. Das bekannte europäische Energie-Label soll es richten. Mit unterschiedlichen Farben und Buchstaben zeigt die Energiekennzeichnung den Stromverbrauch von Fernsehern, Kühlschränken, Waschmaschinen und anderen Haushaltsgeräten an. Eigentlich ganz einfach: A und Grün verbraucht wenig, G und Rot frisst Unmengen an Energie. Diese Einteilung ist so aber nicht mehr gültig. Da die Hersteller bei ihren Produkten nämlich seit einigen Jahren verstärkt auf Energieeffizienz achten, bekamen knapp 90 Prozent der Neugeräte die Bestnote „A“. Also gibt es jetzt die Eins mit Sternchen oder besser gesagt ein „A+++“ für besonders energieeffiziente Produkte. Einige Verbraucherschützer kritisieren jedoch, dass die häufigen Novellierungen der Verordnungen bei den Verbrauchern nur Verwirrung gestiftet haben. Doch von diesen Einwänden lässt sich die EU nicht schocken. Für November 2011 sind zahlreiche Neuregelungen geplant. Eine vorsichtige Prognose: Wenn Elektrogeräte noch energieeffizienter werden, müssen sich die EU-Kommissare wahrscheinlich bald wieder eine neue Kennzeichnung überlegen. Vielleicht „A++++++“?

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