Globales Denken  

8. Januar 2015

Dänemark erntet Sonne: Smart District Heating

Warum Dänen zu Hause keine Eisberge haben: Smart District Heating | Bild: photocase.de / Inuit

Warum Dänen zu Hause keine Eisberge haben: Smart District Heating | Bild: photocase.de / Inuit

Solarkraftwerke in der Wüste können natürlicherweise enorm viel Sonne tanken, keine Frage. Aber können sie das auch in Dänemark? Und können sie sogar ganze Gemeinden mit Energie versorgen?

Eine wahre Geschichte: Am Rande kleiner und mittlerer dänischer Kommunen sammeln Solarkollektoren auf Wiesen und Feldern Sonnenstrahlen. Aber nicht für Fotovoltaikanlagen, sondern für solarthermische Kraftwerke. Sie sind Teil cleverer, kommunaler Wärmenetze; von Systemen namens „Smart District Heating“. Ihre Zahl liegt inzwischen bei über 400 in ganz Dänemark.

Perfekte Partner: Kraft-Wärme-Kopplung und Solarthermie

Betrieben werden die Nahwärmenetze meist in Kombination mit stromgeführten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. In der Regel arbeiten die Wärmenetze mit einem zweistufigen Speicherkonzept aus einem saisonalen Erdwärmespeicher und einer Wärmepumpe. Dadurch ist es möglich, ganze Gemeinden ganzjährig mit Energie und Wärme zu versorgen. Im Sommer nimmt der Saisonspeicher überschüssige Wärme auf und erhöht damit die Quelltemperatur für die Wärmepumpe, was ihre Arbeitszahl steigert. Aber auch an trüben Tagen kann die Wärmepumpe arbeiten. Die solare Wärme muss die Quellentemperatur auf nur 30 Grad bringen.

Ob die Schafe den Unterschied erkennen? Diese Solarkollektoren sammeln für das solarthermische Kraftwerk, nicht für Fotovoltaik | Bild: Marstal Fjernvarme

Ob die Schafe den Unterschied erkennen? Diese Solarkollektoren sammeln für das solarthermische Kraftwerk, nicht für Fotovoltaik | Bild: Marstal Fjernvarme

Von Haus zu Haus: Solare Wärmenetze in den dänischen Kommunen

Die größte Fernwärmeanlage steht in Marstal an der Südostspitze der Insel Ærø und ist Teil eines europäischen Pilotprojekts. Marstjal Fjernvarme versorgt 1.500 Haushalte mit 55 Prozent Wärmeenergie aus Solaranlagen, die restlichen 45 Prozent stammen von Biomasse-Anlagen, die Hackschnitzel von regionalen Weiden verwerten. Eine Wärmepumpe leitet die Energie zu den Energiespeichern und einer Turbine weiter. Im sogenannten ORC (Organic Rankine Cycle) wird die Energie aus den Abgasen der Biomasse-Kessel in elektrische Energie umgewandelt.

Auch im Winter muss niemand in Marstal frieren: ein 75.000 Kubikmeter großes Erdbecken speichert die Wärme | Bild: Marstal Fjernvarme

Auch im Winter muss niemand in Marstal frieren: ein 75.000 Kubikmeter großes Erdbecken speichert die Wärme | Bild: Marstal Fjernvarme

Deutschland will auch: Förderung für Nahwärmenetze

Auch Deutschland hat die Vorzüge der Nahwärme für sich entdeckt. Die Anschaffung einer Solarthermie-Anlage und der Aufbau von Nahwärmenetzen wird in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen gefördert: beispielsweise durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle oder über die KfW Mittelstandsbank. Diverse Pilotprojekte quartiersbezogener Nahwärmelösungen gibt es auch schon hier, wie beispielsweise das kommunale Nahwärmenetz in Bickenbach im Hunsrück. Hier werden 144 Haushalte mit Kraft-Wärme-Kopplung in Verbindung mit Eigengasproduktion und Fotovoltaik seit Ende 2014 versorgt.

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