#Energiewender  

Das Solarplus-Energiehaus auf dem Campus der HTW Berlin | Bild: V. Quaschning
Das Solarplus-Energiehaus auf dem Campus der HTW Berlin | Bild: V. Quaschning
10. August 2016

Der Klimaretter-Ausbilder – Interview mit Prof. Dr. Ing. Volker Quaschning

Die Energiewende. Alle wollen sie. Alle warten auf sie. Aber wer macht sie? In unserer Rubrik #Energiewender, stellen wir Menschen, Visionen & Projekte vor, die die Energiewende voranbringen: Heute Prof. Dr. Volker Quaschning, einem Professor und Sprecher für den Studiengang „Regenerative Energien“ an der HTW Berlin.

Er ist der Überzeugung, dass Deutschland bis 2040 zu 100 % auf Erneuerbare Energien umsteigen kann und fordert, dass der Klimaschutz ins deutsche Grundgesetz aufgenommen wird.

123energie: Herr Prof. Dr. Quaschning: Warum liegt Ihnen das Thema Klimaschutz so am Herzen?
Prof. Quaschning: Der Klimawandel stellt die größte Bedrohung für unsere Kinder und Enkelkinder dar. Bei der letzten Eiszeit, vor rund 20 000 Jahren, war die weltweite Temperatur um etwa 5 Grad Celsius niedriger als heute. Durch die globale Erwärmung könnten die Temperaturen in den nächsten 300 Jahren im schlimmsten Fall um weitere 8 bis 12 Grad Celsius ansteigen. Das zeigt die Dimensionen der Bedrohung.

Prof. Dr. Volker Quaschning | Bild: Silke Reents

Prof. Dr. Volker Quaschning | Bild: Silke Reents

123energie: Auf Ihrer Homepage fordern Sie eine „Energierevolution“. Wie könnte diese aussehen und wer sollte daran beteiligt sein?
Prof. Quaschning: Wollen wir die Folgen der globalen Erwärmung in vertretbaren Grenzen halten, müssen wir bis zum Jahr 2040 eine Energieversorgung ausschließlich auf Basis erneuerbarer Energien aufbauen. Photovoltaik- und Windkraftanlagen werden den Löwenanteil der Energie in Deutschland liefern. Die Energieversorgung wird immer dezentraler und alle Bürger werden bewusst oder unbewusst Bestandteil der neuen Energiewelt sein.

123energie: In einem Video Ihrer Hochschule bewerben Sie Ihren Studiengang Regenerative Energien mit „Werde Klimaretter“. Welche Zielgruppe sprechen Sie mit ihrem Studiengang an?
Prof. Quaschning: Vom Wesen her sind wir ein Ingenieurstudiengang. Neben den technischen Grundlagen lehren wir aber unseren Studierenden auch die nötigen Fachkenntnisse für den erfolgreichen und nachhaltigen Umbau unserer Energieversorgung. Alle, die mit Mathe und Physik nicht auf dem Kriegsfuß stehen und außerdem noch die Welt retten wollen, sind bei uns richtig.

123energie: Welche Kenntnisse und Fähigkeiten erlernen Ihre „Klimaretter“? Was sind mögliche Arbeitsbereiche im späteren Berufsleben?
Prof. Quaschning: Die Energiewelt wird immer komplexer und vernetzter. Künftige Ingenieure müssen nicht nur regenerative Energieanlagen planen können, sondern auch das Zusammenspiel verschiedener erneuerbarer Energien, Speicher, Wärmeanwendungen und Elektrofahrzeuge verstehen und beherrschen. Genauso breit wie das Themenspektrum sind auch die Einsatzbereiche, die von unseren Absolventinnen und Absolventen erfolgreich abgedeckt werden.

Die Universität HTW in Berlin bezieht einen Teil ihrer Energie aus Solarstrom | Bild: V. Quaschning

Die Universität HTW in Berlin bezieht einen Teil ihrer Energie aus Solarstrom | Bild: V. Quaschning

123energie: Eines Ihrer Bücher heißt „Mülltrenner, Müsliesser, Klimaschützer“. Das Buch ist eine humorvolle Bestandsaufnahme der Deutschen und ihrem gespaltenen Verhältnis zum Umweltschutz: Während in einigen Bereichen die Deutschen eine Vorreiterrolle einnehmen, „hört beim Autofahren für viele der Umweltspaß ganz schnell auf“. 
Was hat sich in den letzten sechs Jahren, seit Erscheinen des Buches, in Deutschland verändert?
Prof. Quaschning: In den letzten Jahren hat sich viel zum Positiven verändert. Im genannten Buch habe ich noch die absurden Widersprüche der Kernenergie aufgezeigt. Heute ist der Kernenergieausstieg zumindest in Deutschland eine sichere Sache. Bis dahin müssen wir hoffen, dass nichts Ernsthaftes mehr passiert. LED-Lampen waren vor wenigen Jahren noch unerschwinglich. Heute helfen sie uns ganz selbstverständlich beim Stromsparen und die Preise für Photovoltaikanlagen sind um weit mehr als die Hälfte gesunken. 
Das zeigt, wie schnell wir Veränderungen erreichen können. Leider ist der Einfluss vieler Ewig-Gestrigen in Deutschland noch so groß, dass die nötigen Schritte für eine echte Energiewende und einen erfolgreichen Klimaschutz unnötig verschleppt und verzögert werden.

123energie: Vervollständigen Sie den Satz: „Die Energiewende ist …“
Prof. Quaschning: …eine riesen Chance für uns, für Deutschland und für unsere Kinder.

123energie: Mit wem würden Sie sich gern einmal über die Energiewende unterhalten?
Prof. Quaschning: Angela Merkel. Schließlich ist sie ja die mächtigste Frau der Welt und sollte darum auch eine echte Energiewende, mit der auch der Klimaschutz funktioniert, einleiten können.

123energie: Hand aufs Herz – was gehört privat zu Ihren größten Klimakillern?
Prof. Quaschning: Wir fahren privat einen Schummeldiesel. Der muss leider noch so lange halten, bis es endlich ein familientaugliches Elektroauto mit einer sinnvollen Reichweite zu kaufen gibt. Das laden wir dann mit dem eigenen Solarstrom.

123energie: Nutzen Sie privat Ökostrom?
Prof. Quaschning: Schon seit es Ökostrom gibt. Und die Photovoltaikanlage auf unserem Hausdach liefert pro Jahr doppelt so viel Strom wie wir selbst verbrauchen. Die Heizung ist natürlich auch klimaneutral.

123energie: Was kann jeder Einzelne von uns tun, um im Alltag ein #Energiewender zu sein?
Prof. Quaschning: Die Energiewende und der Klimaschutz können nur gelingen, wenn alle engagiert anpacken. Und alle können richtig viel tun: Stromsparen, ihren Energieversorger nach dem Ökostromengagement fragen, eine eigene Solaranlage bauen, sich an Energiegenossenschaften beteiligen, das Auto öfter mal stehen lassen oder ein Elektroauto kaufen, beim Kauf von Produkten und Lebensmitteln auf Nachhaltigkeit achten, die Nachbarn überzeugen und den eigenen Bundestagsabgeordneten nerven und eine echte Klimaschutzpolitik einfordern. Ein bisschen Arbeit kommt auf die #Energiewender schon zu, aber schließlich geht es ja auch um die Zukunft unserer Kinder.

123energie: Wir bedanken uns ganz herzlich für die Beantwortung unserer Fragen!

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie