Globales Denken  

18. Juni 2015

Der Sonne am nächsten: Ökostromerzeugung durch Solarmodule im Weltall

Chinesische Wissenschaftler wollen mit einer Solarstation ins All – fernöstliche Utopie oder intelligenter Öko-Aktivismus? | Bild: Photocase / rebekkaw

Chinesische Wissenschaftler wollen mit einer Solarstation ins All – fernöstliche Utopie oder intelligenter Öko-Aktivismus? | Bild: Photocase / rebekkaw

Riesige Sonnensegel kreisen da, wo man der Sonne am nächsten ist, nämlich im Weltall, und sammeln Ökostrom. Mikrowellen senden diesen nach unten auf die Erde, stabilisieren so die Energieversorgung und verringern Smog und CO2-Austoß. Was nach Science-Fiction klingt, würde China gerne wahr machen und tüffelt an einer äußerst außergewöhnlichen Raumstation. Schon viele Jahrzehnte beflügelt die Idee, die Energie der Sonne bereits im All abzufangen, die menschliche Phantasie. Doch so wie die Pläne aus China waren die Bemühungen selten.

Erneuerbare Energie auf chinesisch

Auf 36.000 Kilometern Höhe soll die Raumstation um die Erde kreisen, ausgerüstet mit Solarmodulen, die sich über eine Fläche von fünf bis sechs Quadratkilometern erstreckt – das ist in etwa die doppelte Fläche des Central Parks in New York. Eine solche Solaranlage könnte fast durchgängig Energie einsammeln. Die chinesischen Wissenschaftler vermuten sogar: Sie könnten zehnmal so viel Strom liefern wie die Module auf der Erde. Und das Tolle daran: Die Solarmodule stünden nicht in der Landschaft herum.

Unbekanntes Flugobjekt? Vielleicht ein Solarmodul auf dem Weg ins All | Bild: flickr / gravitat-OFF

Unbekanntes Flugobjekt? Vielleicht ein Solarmodul auf dem Weg ins All | Bild: flickr / gravitat-OFF

Ökostrom gesammelt? Ab damit in die Mikrowelle

Laser oder noch besser: Mikrowellen. Sie können extrem lange Strecken gut überbrücken und würden die Energie dann auf die Erde schicken. Dazu wird der Gleichstrom der Solaranlagen zuerst in Mikrowellen und auf der Erde wieder zurück in Gleichstrom gewandelt. Daraus könnte ein Konverter Wechselstrom machen und der ließe sich dann ins Netz einspeisen. Der erste Haken: All diese Umwandlungsschritte senken den Wirkungsgrad. Ob der Ertrag dann noch den Aufwand rechtfertigt, ist milde gesagt umstritten. Immerhin sprechen wir von einem hundertfach höheren finanziellen Aufwand.

Schwere Geschütze. Wenn Solarstationen reisen…

Und wie kommt eine solare Raumstation ins Weltall? Raketen müssten die Solarmodule hochschießen. Doch die sind auch keine Schwerlasttransporter. Die chinesischen Solarmodule müssten sich also enorm dünn und leicht machen in ihrer beengten Rakete. An eine regelmäßige Wartung der Solarmodule ist wohl auch nicht zu denken.
Auch die Sache mit den Mikrowellen aus dem All ist bei genauerer Betrachtung etwas haarig: Es ist äußerst schwierig, den Strahl exakt zu kalibrieren. Verfehlt er die Empfängeranlage nur um ein Grad, könnte der Strahl auf der Erde ein paar hundert Kilometer vom Zielpunkt entfernt auftreffen. Das Ergebnis könnten leuchtende Städte sein! Aber Achtung: Da wächst kein Gras mehr. Alles in allem sind die Bemühungen der chinesischen Wissenschaft ja löblich. Immerhin muss man groß denken, wenn man Großes – wie die Energiewende – schaffen will. Think big, think Chinese! Ob die Umsetzung realistisch ist, bleibt allerdings fraglich.

Stichwörter: , , , , , , , , , , , , ,

Kategorisiert in:

Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie