Globales Denken  

9. März 2012

Ein Jahr nach Fukushima – Wie weit ist der Atomausstieg?

Wo stehen wir eigentlich – ein Jahr nach Fukushima? | Foto: flickr / jetalone

Wo stehen wir eigentlich – ein Jahr nach Fukushima? | Foto: flickr / jetalone

11. März 2011. Der größte Atomunfall seit Tschernobyl 1986 ereignet sich in Fukushima, Japan. Sofort heißt es in Deutschland: Atomkraft stoppen. Hau-Ruck. Jetzt oder nie. Alle sind plötzlich Atomkraftgegner – sogar die Bundesregierung. Alle wollen die Energiewende, den Umstieg auf Erneuerbare Energien. Der Anti-Atom-Tsunami ist gewaltig. Sieben Kernkraftwerke werden sofort abgeschaltet und eine Ethikkommission einberufen, um zu beraten, wie der Ausstieg gestaltet werden kann.

Energiewende nach dem Prinzip: Trial and Error

Wann wäre die Energiewende gelungen und warum ist sie noch nicht da? Ja, das Netz ist nicht gut ausgebaut. Die Politik steht sich im Weg. Aber die Bürger? Ach, ja. Auch ohne die wird es wohl nicht gelingen. Die Energiewende ist ein Gemeinschaftswerk. Doch: Wer jetzt noch keinen Ökostrom hat, der wird wohl so schnell nicht umsteigen.

Die reine Versorgung durch regenerative Energieträger ist bisher noch Zukunftsmusik. Denn: Was ist, wenn kein Wind weht? Was, wenn keine Sonne scheint? Ein Energiemix mit einem Restbestand konventioneller Energiequellen mit einem hohen und wachsenden Anteil an regenerativen Quellen ist im Moment noch eher die Regel. Aber es geht in die richtige Richtung.

Kein Grund zur Panik?

Dennoch sollte ein Fehler seit Fukushima unterlassen werden: Das Risiko der Atomkraft klein zu reden. Für Störfälle muss es klare Notfallpläne geben. Immerhin hat sich etwas als möglich erwiesen, was zuvor niemand – nicht einmal der Kraftwerksbetreiber Tepco selbst – für möglich hielten. „Als die Arbeiter vor Ort in den Notfallanweisungen nachschauten, waren die Antworten, nach denen sie suchten, einfach nicht da“, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Bulletin of the Atomic Scientists“.

Risiken wurden ignoriert. Auch nachträglich versucht man in Japan Optimismus zu verbreiten. So trinken japanische Staatsmänner demonstrativ Wasser aus radioaktiven Pfützen oder lassen sich vor laufender Kamera Tomaten und Erbeeren aus der Provinz Fukushima schmecken. Verzweifelt versucht die Regierung außerdem, radioaktiv kontaminierte Gemeinden wieder bewohnbar zu machen. Aber Fukushima darf – auch wenn wir seither jeden Tag 1,8 Mikrosekunden weniger Zeit haben, uns daran zu erinnern – nicht in Vergessenheit geraten.

Wenn wir unseren Kindern erklären möchten, was am 11. März 2011 passiert ist, hilft uns vielleicht ein Video, das Johnny Haeusler gefunden hat. Es erklärt den Reaktorunfall mithilfe eines Wesens, das Stuhlgangprobleme hat und eine Windel braucht. Was manchem vielleicht geschmacklos erscheinen mag – aber irgendwie zumindest sehr japanisch wirkt.


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