Globales Denken  

26. Mai 2011

Elektrisches Tier: Der Zitteraal macht Ökostrom?

Der elektrischer Jäger | Bild: flickr.com, Fotograf: Scott

Der elektrischer Jäger | Bild: flickr.com, Fotograf: Scott

Viele Tiere sind vom Aussterben bedroht. Mancher hat davor keine Angst. Es gibt schließlich schon lange Roboter-Vögel und solche Dinge. Jetzt soll aber auch noch die Energie knapp werden. Und da wird’s selbst manchem Nicht-Öko etwas mulmig. Aber die Natur hält auch dafür Lösungen bereit. Es gibt wie immer nichts, was es nicht gibt. Wie Tiere, die Elektrizität erzeugen.

So der elektrische Aal aus Südamerika. Er hat bereits bewiesen, dass er es kann. In einem etwas eigenwilligen Versuchsaufbau hat er zum Beispiel schon einen Weihnachtsbaum zum Leuchten gebracht:

Denn der Zitteraal, der eigentlich gar kein Aal ist, kann Stromstöße mit über 800 Volt erzeugen. Der größte Teil seines aalähnlichen, zylindrischen Körpers ist mit elektrischen Organen (Elektroplax) besetzt. Bei ihnen handelt es sich um umgebildete Muskeln, die hohe Spannungen freisetzen können. Mit den Stromstößen fängt er einerseits Fische und ernährt sich davon, andererseits nutzt er sie zur Orientierung – und zur Partnersuche: Dabei produzieren die Tiere schwache Stromschläge, die ein potentieller Partner im trüben Wasser des Amazonas fühlen kann. Wie romantisch! Da funkt’s!

Mit aller Stromstärke gegen Feinde

Wenn ihm jemand Böses will, kann der Zitteraal aber auch ungemütlich werden. Wie lange ein Krokodil 500 Volt aushält (der kleine Aal will doch nur spielen!), stellt Bernd Kling in einem Video zur Schau. Und siehe da: Der Alligator bereut seinen Speiseplan.
Schon Alexander von Humboldt hat auf seiner Südamerika-Expedition zu Anfang des 19. Jahrhunderts mit diesem beeindruckenden Tier seine Erfahrungen gemacht:

Unsere Führer brachten Pferde und Maultiere und jagten sie ins Wasser. Ehe fünf Minuten vergingen, waren zwei Pferde ertrunken. Der 1,6 Meter lange Aal drängt sich dem Pferde an den Bauch und gibt ihm einen Schlag.

Für die Pferde waren die Stromstöße selbst zwar nicht tödlich, aber lähmend genug, um sie ertrinken zu lassen. Wie man hört, ist es Humboldt nicht gelungen, die Zitteraale zu fangen. Mal von dieser negativen Energie abgesehen, bleibt die Frage:

Taugt der Zitteraal ernsthaft als Ökostrom-Quelle?

Aus biologischer Sicht kann man positiv erwähnen: Immerhin ist er (bisher) nicht ausgestorben. Unser Fazit als Stromanbieter: Wir sehen im Zitteraal weder eine Konkurrenz noch eine ernsthafte Alternative. Sicher will auch niemand ein riesiges Zitteraal-Aquarium in seinem Garten haben. Zitteraal-Kraftwerke hätten auf den Quadratmeter gerechnet eindeutig eine zu schlechte Energiebilanz. Und dann noch das Problem mit den kurzen Stößen: Nennt uns verwöhnt, aber durchgängig Strom ist schon schöner.

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