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Dampf der Thermalquellen für die Energiegewinnung I photocase.de en.joy.it
Dampf der Thermalquellen für die Energiegewinnung I photocase.de en.joy.it
18. Oktober 2017

Energie aus Thermalquellen: Japan setzt Trends

Energie aus WasserkraftSolarzellen oder Windrädern – das sind die Möglichkeiten, die den meisten einfallen, wenn es darum geht, aus erneuerbaren Ressourcen Energie zu gewinnen. Japan setzt noch einen drauf und will mithilfe seiner Thermalquellen Strom in die Haushalte bekommen. Wie das funktioniert, erklären wir in diesem Blogartikel.

Thermalquellen brodeln überall

Die geographische Lage der 6.852 Inseln, aus denen Japan besteht, trägt zur Entstehung der vielen Thermalquellen bei. Der Staat liegt auf dem Pazifischen Feuerring, einem Vulkangürtel, der den Pazifischen Ozean von drei Seiten umgibt. Die Lage auf dem Feuerring sorgt nicht nur für unschöne Erdbeben oder Vulkanausbrüche, sondern eben auch dafür, dass durch die vulkanische Aktivität Wasser unterirdisch erhitzt wird. Aus der Erde tritt das Wasser dann warm bis brodelnd. Heißer Dampf steigt auf, der Schlüssel zur Energiegewinnung.

Aus Thermalquellen-Dampf wird Energie

Damit aus dem Dampf der Thermalquellen Strom werden kann, haben die Japaner ein System namens yukemuri hatsuden („Stromerzeugung durch Dampf“) entwickelt. Eine klassische Dampfturbine wird dabei von der Wärme der Dämpfe angetrieben. Da diese alleine für die Stromerzeugung nicht ausreicht, ist allerdings noch eine zweite Turbine in Betrieb, auf deren Schaufeln mit hoher Geschwindigkeit heißes Wasser aus einer Düse gespritzt wird. Das yukemurihatsuden-System läuft zuverlässig und bei jedem Wetter. Ein weiterer Vorteil ist, dass das heiße Wasser aus der Turbine nach der Verwendung sogar noch zum Heizen genutzt werden kann. In Beppu, einem der bekanntesten Thermalbäder in Japan, wurde die Anlage zur Energiegewinnung aus Thermalquellen installiert und erfolgreich getestet. Beim Test haben die Dampf- und Heißwasserturbine genügend Strom erzeugt, um etwa 300 Häuser komplett mit Elektrizität zu versorgen. Das zeigt, wieviel Potential in der Technik steckt – für die zukünftige Städteplanung Japans, aber auch für andere Länder mit Thermalquellen.

Schattenseiten der Thermalquellen? 

Natürlich gibt es auch immer Kritiker. Die beschriebene Anlage kostet zum einen viel Geld und zum anderen liegen Thermalquellen teils in Naturschutzgebieten. Vor allem aber den Betreibern von Thermalbädern wird bei dem Gedanken, jemand könnte ihnen für die Energiegewinnung Thermalwasser abgraben, Angst und bange. Dabei ist so ein Fall noch nie vorgekommen.

Energiemix der Zukunft

Seit der Katastrophe von Fukushima 2011 lotet Japan immer neue Möglichkeiten aus, wie man abseits von Atomkraftwerken Energie erzeugen kann. Neben der Stromgewinnung an Thermalquellen setzen die Japaner auch auf Solar- und Windenergie, Erdwärme und Methangas. Das ist Teil des japanischen Umweltbewusstseins, der mit dem Begriff mottainai beschrieben wird. Übersetzt heißt das „zu schade, um es zu verschwenden“.

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie