Know-how  

29. Januar 2015

Energie und ihre Exoten: Energiepflanzen in der Biogaserzeugung

Nachwachsende Energie: Auch Chinaschilf eignet sich wegen seines hohen Brennwertes und seiner günstigen Kohlendioxidbilanz als Lieferant von Biomasse | Bild: Flickr / Aikawa Ke

Nachwachsende Energie: Auch Chinaschilf eignet sich wegen seines hohen Brennwertes und seiner günstigen Kohlendioxidbilanz als Lieferant von Biomasse | Bild: Flickr / Aikawa Ke

Biomasse lässt sich prima in Energie umwandeln. In Deutschland könnten nach Schätzungen der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. im Jahr 2050 sogar bis zu 23 Prozent des Bedarfs an Wärme, Strom und Kraftstoff durch heimische Biomasse gedeckt werden. Davon ließe sich rund die Hälfte durch die Nutzung von Energiepflanzen erzeugen.

Denn nicht nur Gülle oder Grünschnitt eignen sich zur Energieerzeugung; dafür werden auch bestimmte Pflanzen gezielt angebaut. In Deutschland wuchsen die Energiepflanzen 2014 zum Beispiel auf 12,5 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Das entspricht einer Fläche von 2,1 Millionen Hektar, etwa der Gesamtgröße Hessens.

Auf einer Fläche so groß wie Hessen wachsen in Deutschland Energiepflanzen | Bild: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR)

Auf einer Fläche so groß wie Hessen wachsen in Deutschland Energiepflanzen | Bild: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR)

Darunter sind zwar hauptsächlich blühende Maisfelder, aber das ist längst nicht alles: Die Natur hält einen bunten Strauß an Energiepflanzen bereit. Die Erhöhung der Energieausbeute pro Flächeneinheit fest im Blick, werden vielversprechende Arten dem Praxistest unterzogen. Dabei geht es immer um die Frage, welche Pflanze am effektivsten fürs Klima ist. Denn jede Pflanze erfordert einen anderen Energieaufwand und liefert unterschiedliche Ergebnisse in Sachen Brennwert und Kohlendioxidbilanz.

Pappeln oder Raps – auf die Treibhausgasbilanz kommt es an

Die etablierten Platzhirsche der Biogasgewinnung sind Raps und Mais, einjährige Ackerkulturen. Doch ihre Bilanz ist nicht gerade optimal: Sie haben einen hohen Nährstoffverbrauch. Durch das energieaufwendige Düngen mit Stickstoff wird klimaschädliches Lachgas frei. Darum sucht die Wissenschaft nach Alternativen. Pappelplantagen beispielsweise erreichen vergleichbare Energieerträge und emittieren 40 bis 99 Prozent weniger Lachgas. Mehrjährige Pflanzen, sogenannte Perennials, sind generell pflegeleichter, stabilisieren mit ihren tiefen Wurzeln den Boden, auf dem sie wachsen, und lassen sich auch unter extremen Bedingungen anbauen, wie etwa auf besonders moorigen oder trockenen Böden. Die Purgiernuss (Jatropha curcas) zum Beispiel wächst selbst auf ausgedörrten Böden gut an und liefert vor Ort eine wichtige Basis für die Landwirtschaft.

Die Purgiernuss (Jatropha curcas) ist in tropischen Ländern eine ideale Pflanze zur Aufforstung aufgegebener Agrarflächen. Ihr Öl treibt Fahrzeuge und Stromgeneratoren an | Bild: Flickr / Scamperdale

Die Purgiernuss (Jatropha curcas) ist in tropischen Ländern eine ideale Pflanze zur Aufforstung aufgegebener Agrarflächen. Ihr Öl treibt Fahrzeuge und Stromgeneratoren an | Bild: Flickr / Scamperdale

Silphie, die Bienenfreundin unter den Energiepflanzen

Eine vielversprechende Energiepflanze ist auch die durchwachsene Silphie. Sie produziert ab dem zweiten Jahr zwischen 13 und 20 Tonnen Biomasse pro Hektar Anbaufläche. Einmal gepflanzt, bleibt sie bis zu 15 Jahre erhalten und ist dabei genügsam: kein jährliches Pflügen, keine Unkrautbekämpfung. Die Blüten der Silphie geben ihre Power übrigens auch an die Bienen ab: von einem Hektar Silphie wurden schon bis zu 150 Kilogramm Honig geerntet. Und weil die Blüten außerdem noch hübsch anzusehen sind, machen sich die Energiepflanzen durchaus auch gut als Exoten im Blumenstrauß.

Die durchwachsene Silphie kann es energetisch mit Energiemais aufnehmen. Aber erst ab dem zweiten Jahr | Bild: Flickr / baerchen57

Die durchwachsene Silphie kann es energetisch mit Energiemais aufnehmen. Aber erst ab dem zweiten Jahr | Bild: Flickr / baerchen57

 

Stichwörter: , , , , , , , , , , , , , , , ,

Kategorisiert in:

Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie