#Energiewender  

Dorf-Präsentation einer Solaranlage | Bild: J. K. Prüßing
Dorf-Präsentation einer Solaranlage | Bild: J. K. Prüßing
2. November 2016

#Energiewender in Tansania – Weltwärts für den Klimaschutz

Die Energiewende: Alle wollen sie, alle warten auf sie. Aber wer macht sie? In unserer Rubrik #Energiewender stellen wir alltagstaugliche Helden nachhaltiger Energienutzung und klimafreundlichen Lebens vor, die aktiv ihr Puzzleteil zur Energiewende beitragen. Heute berichtet Jan Kristen Prüßing, der momentan seine Masterarbeit in Physik an der Universität Münster schreibt, über seine Mitarbeit in einem Solarprojekt in Tansania. Das Projekt ist Teil des weltwärts-Programms, einem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst für junge Menschen, initiiert durch das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Jan Kristen Prüßing | Bild: privat

Jan Kristen Prüßing | Bild: privat

123energie: Herr Prüßing, wieso haben Sie sich ausgerechnet für ein Solarprojekt in Tansania entschieden?
J.K. Prüßing: Ein Jahr im Ausland zu leben hatte ich lange geplant. Ich wollte neue Erfahrungen sammeln und meinen Horizont erweitern. Gleichzeitig wollte ich mein Bild, das ich von Ländern wie Tansania hatte, auf die Probe stellen. Aus technischem Interesse bin ich dann auf das Solarprojekt gestoßen.

123energie: Aus welchen Ressourcen wird in Tansania Energie gewonnen?
J.K. Prüßing: Strom wird zu großen Teilen aus Wasserkraft gewonnen. In Zeiten zunehmender Dürre wird aber auch verstärkt auf eigene fossile Energieträger wie Steinkohle und Erdgas gesetzt. Geheizt und gekocht wird größtenteils mit Holzkohle.

123energie: Wir Deutschen verbrauchen unheimlich viel Energie im Alltag. Wie gehen die Menschen in Tansania mit Energie um?
J.K. Prüßing: Wenn der Strom nicht gerade unterbrochen ist, wird dieser recht hemmungslos genutzt. Lampen und Fernseher laufen die ganze Nacht durch und die Klimaanlage steht auf höchster Stufe. Anders ist das bei offensichtlich begrenzten Ressourcen. Mit Holzkohle wird beispielsweise sehr sparsam umgegangen, der Reis wird nur einmal kurz aufgekocht, dann weiter quellen gelassen, während die restliche Hitze für das Waschwasser oder ähnliches verwendet wird.

Erläuterung des Solarsystems in einem Dorf | Bild: J. K. Prüßing

Erläuterung des Solarsystems in einem Dorf | Bild: J. K. Prüßing

123energie: Um was ging es genau in dem Solarprojekt?
J.K. Prüßing: Ich habe in der Bank Tujijenge Microfinance gearbeitet und an der Entwicklung eines Solarloans, also eines Mikrokredits speziell für Solaranlagen unterschiedlicher Größe, mitgearbeitet.

123energie: Wie sah Ihr Arbeitsalltag aus?
J.K. Prüßing: Um unser Kreditangebot, speziell das Konzept der Solarenergie, den Leuten näher bekannt zu machen, haben
wir Solar Village Presentations durchgeführt. Gemeinsam mit einem tansanischen Mitarbeiter der Bank und einem ausgebildeten Solartechniker sind wir auf Dörfer und zu Schulen in der Umgebung gefahren und haben demonstriert, wie Solarenergie funktioniert und welche Vorteile eine Solaranlage haben kann.

123energie: Welche Erfolge konnten Sie mit dem Projekt erzielen?
J.K. Prüßing: Von unserem Projekt hatten schnell viele Leute gehört und die Idee, aus Sonne Strom zu machen, kam sehr gut an. Wir haben etwa 15 bis 20 Präsentationen durchgeführt und konnten mehrere Systeme verkaufen, bzw. über einen Mikrokredit finanzieren lassen. Beliebt waren vor allem kleine 2,5 Watt-Solarpanele, mit denen eine Solarlampe und ein Handy geladen werden konnten. Den Anschaffungspreis von etwa 20 €konnten die Leute meist sehr schnell wieder einsparen, weil sie weniger Lampenöl kaufen und niemanden mehr für das Aufladen ihres Handys bezahlen mussten.

123energie: Was haben Sie durch Ihren Freiwilligendienst für sich und Ihre Zukunft gelernt?
J.K. Prüßing: Wahnsinnig viel. Ich habe eine neue Art, Probleme anzugehen, hatte tiefe Einblicke in eine mir zuerst fremde Kultur, habe gelernt, wie man Projekte auch unter schwierigen Bedingungen planen und durchführen kann und weiß jetzt unseren Wohlstand etwas mehr zu schätzen aber auch, an welchen Stellen man ihn hinterfragen kann.

Solarzellen auf einer Hütte | Bild: J. K. Prüßing

Solarzellen auf einer Hütte | Bild: J. K. Prüßing

123energie: Hat Ihr Auslandsjahr die Wahl Ihres Studiengangs beeinflusst?
J.K. Prüßing: Ja. Physik war vorher bereits in der engeren Wahl, aber die
Auseinandersetzung mit einer praktischen Anwendung des Themas Energie hat mich auf jeden Fall in meiner Entscheidung bestärkt.

123energie: Beschäftigen Sie sich weiterhin mit dem Thema erneuerbare Energien?
J.K. Prüßing: Ja. In dem Auslandsjahr habe ich mich so intensiv mit diesem und angrenzenden Themen wie Ernährung, Bewusstsein für Energieverschwendung und CO2-Ausstoß beschäftigt, dass das bis heute anhält.

123energie: In Deutschland ist die Energiewende ein wichtiges Thema. Warum glauben Sie, dass es auch in einem Land wie Tansania wichtig ist, die Menschen von erneuerbaren Energien zu überzeugen?
J.K. Prüßing: Während man in Deutschland eine CO2-neutrale Energieversorgung eher als Luxus ansieht, der mit hohen EEG-Umlagen und Windrädern direkt vor der Haustür verbunden ist, begreifen es viele Menschen in Tansania als Chance, ihren Energiebedarf mit neuster Technologie zu decken, unabhängiger von schwankenden Preisen für Öl zu werden und mit einem Solarmodul ihr eigener Herr in Sachen Stromversorgung zu sein. Tansania hat eine große Chance, wenn die Regierung bei ihrer immer noch im Aufbau befindenden energetischen Infrastruktur voll auf erneuerbare Energie setzt und in 20 Jahren milde lächelnd mit kostenlosem Sonnenstrom auf Länder wie Deutschland schaut, die mit steigenden Energiepreisen knapper werdender Ressourcen zu kämpfen haben.

123energie: Hand aufs Herz: Was gehört privat zu Ihren größten Klimakillern?
J.K. Prüßing: Reisen mit dem Flugzeug.

123energie: Was kann jeder Einzelne von uns tun, um im Alltag ein #Energiewender zu sein?
J.K. Prüßing: Sich darüber klar werden, wo man überall Energie einsparen kann. Sich überlegen, wie man selbst Teile seiner Energieversorgung etwas autarker gestalten kann. Zum Beispiel durch eine Solarzelle auf dem Dach oder einer Beteiligung am kommunalen Windrad.

PS: Neugierig geworden? Die Bewerbung für ein weltwärts-Jahr für Klimaschutz in Tansania ist unter www.dtpev.de noch bis 27. Dezember 2016 möglich. 

Großes Interesse an der Solaranlage | Bild: J. K. Prüßing

Großes Interesse an der Solaranlage | Bild: J. K. Prüßing

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie