Globales Denken  

27. Februar 2014

Grösster Windpark Afrikas soll Kenia aus der Energiearmut helfen

Ein Fünkchen Hoffnung für Afrika: erneuerbare Energien | Bild: photocase / SickRick

Ein Fünkchen Hoffnung für Afrika: erneuerbare Energien | Bild: photocase / SickRick

Was für uns selbstverständlich ist, ist in anderen Ländern ein teures Gut: Elektrizität. 1,2 Milliarden Menschen leben weltweit ohne Strom. Beispielsweise in Afrika: Lediglich 23 Prozent der Bevölkerung sind hier an das Stromnetz angebunden. Für jene Familien, die Zugang zu Elektrizität haben, gehören allerdings Stromausfälle zum Alltag. Die mangelnde Stromversorgung wirkt sich nicht nur auf die Lebensqualität aus, sondern bremst auch die wirtschaftliche Entwicklung. Für Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, aber auch für Unternehmer ist das Grund genug einzuschreiten – sie wollen die Entwicklung erneuerbarer Energien in Afrika fördern. Eines der derzeit wichtigsten Projekte in diesem Bereich ist der Bau des größten Windkraftwerks Afrikas in Kenia: das Lake Turkana Wind Power Project.

Lake Turkana Wind Power Project: Ökostrom zu erschwinglichen Preisen

Am Lake Turkana im Norden Kenias weht der Wind stetig und stark. Der große Temperaturunterschied zwischen See und Wüste macht den Standort wie geschaffen für die Windenergie-Produktion. Zwar setzt das Land bereits auf Wasserkraft und Geothermie. Doch durch die extremen Witterungsbedingungen trocknen die Stauseen zusehends aus. Hinzu kommt, dass der Ökostrom aufgrund der aufwändigen Verfahren vergleichsweise teuer ist. Mit dem neuen Windpark soll sich genau dies ändern: 365 Windkraftanlagen werden gebaut, um nicht nur sauberen, sondern auch günstigen Strom zu liefern. Denn im Gegensatz zur Erdwärme, muss Windenergie nicht erst aufwändig aus tiefen vulkanischen Gesteinen ans Tageslicht befördert werden.

Auf einem 162 Quadratkilometer großen Areal um den Lake Turkana in Kenia soll der größte Windpark Afrikas entstehen | Bild: Lake Turkana Wind Power Project

Auf einem 162 Quadratkilometer großen Areal um den Lake Turkana in Kenia soll der größte Windpark Afrikas entstehen | Bild: Lake Turkana Wind Power Project

Die ersten Turbinen sollen bis Ende 2015 den Betrieb aufnehmen. 2016 ist dann die Fertigstellung des Windparks geplant – mit einer Gesamtleistung von 300 Megawatt. Damit wäre das Lake Turkana Wind Power Project doppelt so groß wie die derzeit größte Windfarm des Kontinents in Melloussa, Marokko. Es ist also nicht verwunderlich, dass das Projekt ein Flagschiff der Kenya Vision 2030 ist, einem langfristigen Entwicklungsplan der kenianischen Regierung, der wirtschaftliche, soziale und politische Projekte umfasst.

Wie kommen die Rotoren zum See und der Strom ins Netz?

Bevor die Windräder wie Palmen aus der Wüste sprießen, ist es noch ein beschwerlicher Weg. Denn das Lake Turkana Wind Power Project ist das teuerste private Investitionsprojekt, das es jemals in Kenia gegeben hat. Der erste Meilenstein – die Finanzierung – ist bereits geschafft. Jetzt geht es an den Bau des Parks. Hier warten schon die nächsten Herausforderungen auf das ehrgeizige Projekt. Schließlich werden die Turbinen aus Dänemark geliefert, aber ähnlich der Stromversorgung ist auch die Infrastruktur in Kenia alles andere als ausgereift. Um die tonnenschweren Rotoren zum Standort transportieren zu können, muss also zunächst ein entsprechendes Netzwerk an Zufahrtsstraßen errichtet werden. Und auch der Zugang von der Windfarm zum öffentlichen Stromnetz muss noch angelegt werden. Sind diese Hürden schließlich überwunden, könnte der Park 17 Prozent des Strombedarfs des Landes decken. Damit aber auch alle Haushalte von den erneuerbaren Energien profitieren können, gilt es nicht nur in Kenia, sondern auch in ganz Afrika den Ausbau von Übertragungsleitungen voranzutreiben. Denn egal wie viel Strom erneuerbare Energien, ob Wind-, Wasserkraft oder Geothermie, liefern: Letztlich können doch nur die Menschen versorgt werden, die auch ans Netz angeschlossen sind und das ist derzeit nur knapp ein Viertel der Bevölkerung Afrikas.

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