Zukunft Energie  

9. Dezember 2013

Grösstes Wellenkraftwerk der Welt – Blauer Ökostrom aus dem Meer

Schluckspecht: Der Wellenfänger „Oyster“ vor der Küste Schottlands erzeugt Ökostrom | Bild: Aquamarine Power

Schluckspecht: Der Wellenfänger „Oyster“ vor der Küste Schottlands erzeugt Ökostrom | Bild: Aquamarine Power

Die Erde heißt nicht umsonst der „blaue Planet“, immerhin ist sie zu zwei Dritteln mit Wasser bedeckt. Welch enormes Energiepotenzial in diesem Element steckt, zeigt zum Beispiel Norwegen sehr deutlich. Das Land deckt mittlerweile 99 Prozent seines Strombedarfs allein durch Wasserkraftwerke ab, die im Übrigen auch den Ökostrom von 123energie erzeugen. Auch Schottland hat beste Voraussetzungen, um aus den Wellen an der Küste umweltfreundlichen Strom zu gewinnen. Und weltweit bestehen bereits 16 Prozent des gesamten Stroms aus der Kraft der Meere. Die Tendenz soll weiter steigen.

Angepumpt: Raus aus dem Wasser, rein in die Steckdosen

Es gibt daher viele neue Ansätze zur Stromerzeugung aus Wasserkraft. So hat sich das schottische Unternehmen Aquamarine Power zum Ziel gesetzt, mit seinem Wellenfänger Oyster (engl. Auster) das größte Wellenkraftwerk der Welt zu erbauen. Die Technik hinter dem neuen Wellenfänger ist nicht bahnbrechend, aber effektiv. Im Gegensatz zu früheren Kraftwerken in Schottland nutzt Oyster nicht die Wellenkraft, die direkt auf die Küstenstreifen wirkt. Es wird rund einen halben Kilometer vor der Küste in einer Tiefe von zehn bis 15 Metern installiert (Nearshore). Aufgrund der geringen Distanz zum Festland kann Energie so ohne große Verluste an Land transportiert werden. Außerdem sind die Wellen an dieser Stelle schon in eine Richtung gelenkt und können effizient genutzt werden. Offshore verlaufen Wellen oft in verschiedene Richtungen.

Wie der Name schon verrät, erinnert das Objekt an eine Auster: Auf dem Meeresboden ist ein überdimensionales Scharnier verankert. Der bewegliche Teil wird von den Wellen vor- und zurückbewegt. Den Schwung, der dabei entsteht, nutzt das kleine Kraftwerk, um Meerwasser durch eine Pipeline an Land zu pumpen. Dort treibt das Wasser dann einen Generator an, der die dadurch entstehende Energie in Strom umwandelt.

Sicher mit Strom versorgt

Getestet wurde Oyster zum ersten Mal 2009 im Nordwesten von Schottland, 2013 ging eine optimierte Version an den Start. Würden 40 bis 50 dieser verbesserten Oyster aneinandergeschlossen, könnte das geplante Kraftwerk mit einer Gesamtleistung von 40 Megawatt ans schottische Netz gehen. Damit lassen sich etwa 30.000 Haushalte rund um die Uhr mit Energie versorgen. Denn im Gegensatz zu Solar- und Windkraftanlagen  stellt Wasserkraft konstant Energie bereit. Aber die Unterwasser-Stromlieferanten haben auch Nachteile. Sie bedeuten einen Eingriff in die Landschaft und damit auch in das Lebensgebiet vieler Meeresbewohner. Wie Fische und andere Tiere auf die Anlagen reagieren, ist noch nicht im Detail erforscht. Auch äußerten sich die Projektplaner noch nicht dazu, wie hoch das Investitionsvolumen sein soll und wer es bereitstellt.

Eines steht aber fest: Wasserkraft stellt nach wie vor einen wichtigen Pfeiler in der Energiewende dar. Dies haben nicht nur die Schotten und Norweger erkannt, auch in der Bretagne und in Spanien werden derzeit ähnliche Projekte getestet.

 

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