Zukunft Energie  

12. März 2015

Grüne Welle der Ökostromerzeugung: Wellenkraftwerk NEMOS will Wasser- mit Windkraft verbinden

Mehr Power durch die Kopplung von Wind- und Wasserkraft | Bild: NEMOS http://www.nemos.org/presse/

Mehr Power durch die Kopplung von Wind- und Wasserkraft | Bild: NEMOS
http://www.nemos.org/presse/

Wer bei NEMOS an einen Clownfisch denkt, ist schon einmal auf der richtigen Spur oder besser gesagt: im richtigen Element. Genau genommen geht es um die Nutzung des Energiepotenzials von Meereswellen in Offshore-Windparks zur Stromerzeugung – kurz NEMOS. Es ist der Name eines Start-ups, das der deutsche Wirtschaftsingenieur und Segelprofi Jan Peckolt, 33, gründete. Mit seinem zwölfköpfigen Team entwickelte er ein revolutionäres Wellenkraftwerk.

Segelprofi-Know-how

Das Besondere daran ist, das es über eine Seilkonstruktion mit den Offshore-Windrädern eines bestehenden Windparks verbunden werden kann, um den Gesamtenergieertrag zu erhöhen. Denn Wind- und Wasserkraft ergänzen sich optimal. Die Erträge sind bei einer Kraftwerkskopplung rund 20 Prozent höher als bei einem reinen Windpark. Das alles funktioniert nach folgendem Prinzip:


Schwimmende Konstruktion treibt Stromgenerator an

Die Wellenkraftanlage besteht aus 1-5 länglichen, gelben Schwimmkörpern, die jeweils mit drei Seilen am Meeresboden verankert sind. Durch die Wellenbewegung übertragen sie (die Größe ist übrigens je nach Wellenstärke des Gewässers variabel) die mechanische Energie über ein weiteres Seil an einen elektrischen Generator, der die Energie in Ökostrom umwandelt. Der Generator ist am Turm einer Windkraftanlage, die nahe der Schwimmkörper steht, befestigt, um vor Spritzwasser geschützt zu sein. Gut für das empfindliche Material. Und so bleiben auch die Wartungskosten gering. Da beide Kraftwerke die Seekabel und Umspannwerke gemeinsam nutzen, fallen auch die Kosten für den Energietransport gering aus.

Die Seile des Wellenkraftwerks sind so gespannt, dass der Schwimmkörper frei beweglich ist | Bild: NEMOS

Die Seile des Wellenkraftwerks sind so gespannt, dass der Schwimmkörper frei beweglich ist | Bild: NEMOS

Sinnvolle Seiltechnik: Schwimmkörper bewegen sich flexibel

Der Clou am NEMOS-Schwimmkörper: Anders als bei herkömmlichen Wellenkraftwerken, zum Beispiel beim schottischen Wellenkraftwerk Oyster, über das wir bereits auf dem Blog berichtet haben, kann sich der NEMOS-Schwimmkörper durch die lose Seilverbindung nicht nur vertikal bewegen, sondern richtet sich auch horizontal immer parallel zum Wellengang. Ändert sich also die Wellenrichtung, ändert der Körper aktiv seine Ausrichtung. So können 80 Prozent der einkommenden Wellenenergie genutzt werden (bei vergleichbaren Wellenkraftwerken nur unter 50 Prozent). Die durch fünf Schwimmkörper erzeugte Energie kann den Strombedarf von etwa 1.000 Haushalten decken.

Die Wirkungsgrade des Wellenkraftwerks sind aufgrund der freien Beweglichkeit deutlich höher als bei vergleichbaren Systemen | Bild: NEMOS

Die Wirkungsgrade des Wellenkraftwerks sind aufgrund der freien Beweglichkeit deutlich höher als bei vergleichbaren Systemen | Bild: NEMOS

Und sollte es auf hoher See einmal zu stürmig werden, kann das System in ruhigere Wassertiefen mit geringerer Wellenbewegung abgesenkt werden und trotzdem weiterhin auf Nennlast arbeiten – eine wirksame Überlebensstrategie!

Tests der effektiven Ökostromerzeugung erfolgreich gemeistert

NEMOS hat bereits über 200 umfangreiche Tests hinter sich. Zum Beispiel in einem der weltweit größten Wellentanks in Nantes, Frankreich. Dort wurde die Anlage, die im Original auf bis zu 20 Meter lange Schwimmkörper ausgelegt ist, auf 1:5 skaliert. Ein weiterer Test einer originalgetreuen 1:5-Anlage wurde am dänischen Limfjord im Herbst 2014 erfolgreich abgeschlossen.

Zuversichtlich: Der Erfinder Jan Peckolt hat NEMOS im Wellentank erfolgreich getestet | Bild: NEMOS

Zuversichtlich: Der Erfinder Jan Peckolt hat NEMOS im Wellentank erfolgreich getestet | Bild: NEMOS

Schon 2016 will Jan Peckolt mit dem Prototyp starten. Und zwar mit den 20-Meter-langen Schwimmkörpern in der Nordsee. Wir sind gespannt und wünschen viel Erfolg!

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