Zukunft Energie  

8. August 2013

Hochspannend: Der Ausbau des deutschen Stromnetzes

Ins Netz gegangen? Regierung will Bürger vom Bau der Stromtrassen überzeugen | Bild: Photocase / schiffner

Ins Netz gegangen? Regierung will Bürger vom Bau der Stromtrassen überzeugen | Bild: Photocase / schiffner

Derzeit wird die Ausweitung des Stromnetzes in Deutschland kontrovers diskutiert. Denn im Zuge der Energiewende kamen die Technologien zur Gewinnung von umweltfreundlichem Strom so stark zum Einsatz, dass zu viel Strom erzeugt wurde, um ihn durch das bestehende Netz zu transportieren. Damit die erneuerbaren Energien trotzdem gefördert und einem möglichen Blackout durch überlastete Leitungen vorgebeugt wird, ist der Ausbau der bestehenden Netze sehr wichtig. Im Juni hat der Bundesrat bereits einem Gesetzesentwurf zugestimmt, der die beschleunigte Erweiterung des Stromnetzes vorsieht. Doch der Beschluss kommt bei einigen Bürgern nicht gut an.

Pro erneuerbare Energien, contra Umweltbelastung

Das schrittweise Abschalten der Atomkraftwerke sowie die vermehrte Nutzung von regenerativen Energien können zu Versorgungsengpässen führen. Denn noch stehen gleichbleibende Mengen an Ökostrom nicht Tag und Nacht zur Verfügung. Daraus entstehende Schwankungen müssen aufgefangen werden. Dieser Gefahr könnte, laut Netzentwicklungsplan, mit dem Bau von vier Stromautobahnen mit einer Gesamtlänge von 3.800 Kilometern vorgebeugt werden. Die Stromtrassen sollen insbesondere den überschüssigen Ökostrom aus den Windanlagen im Norden des Landes in den eher windstillen Süden transportieren. Sie verliefen dann von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ausgehend in Richtung Bayern und Baden-Württemberg. Die Kosten dafür lägen allerdings bei 20 Milliarden Euro. Ausgaben, die sich auf die Netzentgelte auswirken könnten. Auch bedeutet der Ausbau einen Eingriff in die Natur: Die Leitungen verändern das Landschaftsbild, da sie viel Platz beanspruchen und Vögel durch Stromschläge gefährden.

Neue Stromtrassen: ja oder nein?

Für viele Bewohner überwiegen zurzeit die Nachteile des Ausbaus. So haben sich in den letzten Monaten immer mehr Bürgerinitiativen gegründet und gegen das Vorhaben protestiert. Abhilfe kann da vielleicht der neue Vorschlag schaffen, den Umweltminister Altmaier und Wirtschaftsminister Rösler jetzt gemacht haben: Die Bürger sollen die Chance bekommen, sich finanziell am Netzausbau zu  beteiligen und im Gegenzug dazu fünf Prozent Rendite erhalten. Ein lukratives Geschäft – besonders für diejenigen, die direkt betroffen sind. Sie erhälten nämlich den Vorzug bei einer möglichen Beteiligung.

Bis zum 10. Juli 2013 hatten die Betroffenen nun Zeit, Einwände gegen den Gesetzesbeschluss hervorzubringen, die die Regierung in ihrer endgültigen Planung berücksichtigen möchte. Die Entscheidung diesbezüglich wird nach der Bundestagswahl bekannt gegeben.

Meinungen zum Thema Netzausbau nehmen wir gerne hier entgegen!

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie

  • http://www.cyber-junk.de/ Thorsten Zoerner

    Bin mir nicht sicher, warum 5% Rendite ein lukratives Geschäft sein sollen. 9% Eigenkapitalrendite wird den DSOs (VNBs) bei ihren Investitionen in Netze genehmigt, wenn es um die Festlegung der Netzentgelte geht. Zudem bringt gerade die Einspeisung auf der Niederspannung eine Entlastung der HS und MS Leitungen mit sich, die bislang nicht berücksichtigt wurde. (Ja, andere Probleme der NS Einspeisung sind mir bekannt).

    Als Bürger würde mich interessieren, wie sich die dezentrale Einspeisung von PV-Strom eigentlich auf die Netzverluste ausgewirkt hat. Geringere Transportwege im Schnitt = Geringere Verluste.

    • 123energie

      Mit der vorgeschlagenen Dividende könnten sich Privatpersonen mit einer Mindesteinlage von 1.000 Euro an dem Netzausbau beteiligen. Dies ist eine Art, Geld auf lukrative Weise anzulegen im Vergleich zu beispielsweise Tagesgeldkonten oder Sparbüchern, die weniger Rendite abwerfen. Ob sich der Vorschlag durchsetzt, bleibt jedoch noch abzuwarten. Mittlerweile gibt es aus der Wirtschaft Kritik an diesem Vorhaben.

      Einer der Hauptgründe für die Wahl von HS-Leitungen ist, dass bei hohen Spannungen weniger Energie durch Leiterwiderstände verloren geht.

      Die dezentrale Einspeisung von Fotovoltaik-Strom wirkt sich tatsächlich positiv auf mögliche Netzverluste beim Transport aus. Diese können durch dezentrale Versorgungskonzepte minimiert werden, indem ein möglichst großer Teil des lokal erzeugten Stroms vor Ort genutzt wird. Wie weit die Netzverluste reduziert werden können, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise von der Lastsituation. Detaillierte Informationen bietet die VDE-Studie „Dezentrale Energieversorgung 2020“: http://www.vde.com/de/fg/ETG/Pbl/Studien/Documents/MCMS/VDEStudieDezentraleEnergieversorgung2021.pdf.