#Energiewender  

Daniel Anthes rettet im großen Stil Lebensmittel – und damit auch viel Energie. Quelle: Daniel Anthes u. VICUSCH-KA/photocae.com
Daniel Anthes rettet im großen Stil Lebensmittel – und damit auch viel Energie. Quelle: Daniel Anthes u. VICUSCH-KA/photocae.com
8. Juni 2018

Lebensmittel retten: Spart Energie, schützt das Klima und schmeckt

Wir werfen gigantische Berge von Lebensmitteln weg, die wir eigentlich noch essen und trinken könnten. Die Zahlen dazu sind unglaublich: Ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel landet im Müll, schätzt die UN, das sind ca. 1,3 Milliarden Tonnen jährlich. Allein in Deutschland sind es mehr als 18 Millionen Tonnen pro Jahr, sagt der WWF, der Durchschnittsdeutsche wirft ein Drittel bis die Hälfte seiner gekauften Lebensmittel weg. Daniel Anthes macht das Gegenteil: Als Food-Aktivist setzt er sich mit dem gemeinnützigen Verein ShoutOutLoud dafür ein, dass weniger Essen in der Tonne landet.

Wer Lebensmittel rettet, sorgt auch dafür, dass die Energie, die für ihre Herstellung nötig war, nicht völlig umsonst erzeugt wurde. Diese Form des Energiesparens ist fester Bestandteile der Energiewende und Daniel mit seinem Engagement ein echter #Energiewender.

Daniel, kannst Du an einem simplen Beispiel erklären, warum man auch Energie wegwirft, wenn Lebensmittel im Müll landen?

Nehmen wir das Beispiel Brot. Da fängt der Energieverbrauch an, wenn der Rohstoff Getreide angepflanzt, gepflegt und geerntet wird. Dann wird das Getreide zu Mehl verarbeitet und das Mehl zu Brot, das in die Geschäfte transportiert werden muss. Auch für diese Schritte braucht man Energie. Im Geschäft wird das Brot evtl. maschinell geschnitten und kommt beim Verkauf in eine Tüte, für deren Produktion auch Energie verbraucht wurde. Und das waren jetzt noch nicht alle Schritte in der Wertschöpfungskette.

Im Vergleich zu Fleisch hat Brot aber noch eine ganz gute Energiebilanz, oder?

Klar, weil bei der Produktion von Fleisch u. a. erst einmal das Futter für die Tiere angebaut, geerntet und hergestellt werden muss. Von dem Futter muss ein Rind dann Unmengen fressen, bis es geschlachtet und sein Fleisch weiterverarbeitet wird. Das alles – und noch weitere Aspekte in der Fleischproduktion – kostet viel Energie und sorgt für einen hohen CO2-Ausstoß.

Tierische Lebensmittel wie Fleisch oder Butter sind echte Klimakiller. Wenn 1 kg Butter hergestellt wird, werden dabei ca. 23 kg CO2ausgestoßen. Auf 1 kg Rindfleisch kommen 13 bis 15 kg CO2. Zum Vergleich: Bei 1 kg frischem Gemüse sind es im Schnitt 150 g CO2.

Die Verschwendung von Lebensmitteln ist demnach auch richtig schlecht fürs Klima …

Die CO2-Emission, die dadurchzu Stande kommt, also die Energie, die wir quasi für nichts verbrauchen und verfeuern, beläuft sich auf ca. 3,3 Milliarden Tonnen. Die Lebensmittelverschwendung ist damit der drittgrößte CO2-Verursacher weltweit, nach den Staaten China und USA.

Wie bringt Ihr mit dem Verein ShoutOutLoud Leute dazu, anders mit Lebensmitteln umzugehen?

Wir versuchen das auf spielerische und lockere Art und Weise. Zum Beispiel mit „Waste Watcher Parties“ (Schnibbelparties), Food-Festivals und neuerdings mit unserem Food-Truck. Da geht‘s erst mal um ein leckeres Essen, über das wir mit den Leuten ins Gespräch kommen: „Hey, die Sachen, die Dir grade offensichtlich sehr gut geschmeckt haben, sind Sachen, die eigentlich in der Tonne gelandet wären.“ Wenn sich jemand näher dafür interessiert, quatschen wir darüber, was falsch läuft in unserem Lebensmittelsystem und was unser Umgang mit Essen und Trinken für die globale Eben bedeutet. Wir stoßen mit unseren Events Denkprozesse an und zeigen Alternativen auf. Wir vermitteln: Es ist überhaupt nicht schwer, anders mit Lebensmitteln umzugehen und es bedeutet auch keinen Komfortverlust, sondern bringt Spaß und Genuss!

Welche Tipps kannst Du jedem Einzelnen geben, der weniger Lebensmittel verschwenden und damit Energie und CO2einsparen möchte?

Das fängt damit an, wie man einkauft. Geh nicht hungrig einkaufen gehen, dann kaufst Du mehr, als Du brauchst. Und falle auch nicht auf Rabattaktionen und extragroße Packungen rein. Davon wirft man tendenziell sowieso die Hälfte weg. Weiter geht es mit der richtigen Lagerung von Lebensmitteln, damit sie länger halten. Einfach mal die verschiedenen Kältezonen im Kühlschrank nutzen. Tomaten und Bananen sollte man getrennt lagern, weil sie Reifegase abgeben, die auch die anderen Obst- und Gemüsesorten schneller reifen und ggf. schlecht werden lassen. Noch ein Tipp ist, einfach mal Apps zu nutzen wie Too good to gooder ResQ Club, mit denen man abends beim Sushi-Imbiss um die Ecke oder bei einem leckeren Restaurant Gerichte zu einem Bruchteil des normalen Preises abholen kann. Dann werden die dort nicht weggeworfen. Die Lösungen für das Problem der Lebensmittelverschwendung sind auf jeden Fall schon da, wir müssen sie nur noch umsetzen.

Eure Events finden in und um Frankfurt am Main statt. Wie kann man sich weiter informieren und Spaß mit dem Thema Lebensmittelrettung haben, wenn das zu weit weg ist?

Ganz einfach: Das Buch „Resteküche“ kaufen, das ich gemeinsam mit Katharina Schulenburg im Crowdfunding-Verfahren auf die Beine gestellt habe. Ist die perfekte Mischung aus Kochbuch und Sachbuch. Es zeigt, warum Lebensmittelverschwendung so fatal ist, der Schwerpunkt liegt aber auf ganz einfachen Lösungen, Tipps und Tricks für den Haushalt und Kochrezepten. Im Vordergrund steht der Spaß am Essen. Das Buch erscheint im September im oekom-Verlag.

Was kann jeder von uns – außer Lebensmittel zu retten – noch tun, um im Alltag ein Energiewender zu sein?

Auf Ökostrom und -gas umsteigen. Und vor allem das Konto zu einer Nachhaltigkeitsbank umziehen, zum Beispiel zur Triodos Bank, GLS Bank oder Umweltbank.

Hand aufs Herz, trotz Deines Engagements, hast Du auch einen Klimakiller in Deinem Alltag?

Mein größtes Laster bringt mein Beruf mit sich: Ich fliege nach wie vor noch zu viel – zwar nur Kurzstrecken innerhalb Europas, allerdings ist hier jeder Flug im Hinblick auf Nachhaltigkeit großer Mist. Aber es ist auf Dauer einfach schwer umsetzbar, immer an die 10 Stunden mit dem Zug zu Terminen zu fahren.

Mit wem würdest Du Dich gerne mal über die Energiewende unterhalten?

Mit Elon Musk. Weil er einfach DER derzeitige Visionäre im Bereich der Energiewende ist. Weil er entgegen althergebrachter Industrie- oder Businesstraditionen für ein neues Denken sorgt und einfach mal macht.

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie