E-Lifestyle  

3. April 2014

Luftiges Akku laden ohne Kabel – durch Windenergie

Beste Voraussetzung für den vollen Handy-Akku im Freien: Wind! | Bild: Photocase / luh

Beste Voraussetzung für den vollen Handy-Akku im Freien: Wind! | Bild: Photocase / luh

 

Generation Smartphone aufgepasst: Ein leerer Handy-Akku und man ist meilenweit von der nächsten Steckdose entfernt. Das soll künftig der Vergangenheit angehören. Selbst an den stromentferntesten Orten, zum Beispiel bei einem Trip durch die Wüste oder einer Tour durch die tiefen Wälder der Alpen, soll nie wieder ein Anruf, eine wichtige Nachricht oder der neuste Facebook Klatsch verpasst werden. Wie soll das gehen? Mit ungefähr 100 Windrädern auf der Handy-Hülle, die den Akku durch Windenergie ständig mit reinem Ökostrom aufladen.

Mikro-Windräder erzeugen Ökostrom

Natürlich handelt es sich bei diesen Windrädern nicht um riesige On- oder Offshore Windparks, sondern um deren Mikroversion. Smitha Rao und J.- C.Chiao, zwei Wissenschaftler der Universität Texas in Arlington, konstruierten das wohl kleinste Windrad der Welt, das mit einem Durchmesser von nur 1,8 Millimetern an der weitesten Stelle zehnmal auf ein einzelnes Reiskorn passt. Die Theorie ist Folgende: Mehrere hundert Stück dieser Mikro-Windräder würden auf einer speziellen Hülle für das Smartphone installiert werden. So könnte der Akku durch mehrminütiges Durch-die-Luft-wedeln oder an einem windigen Tag auf dem Fensterbrett locker-luftig mit Ökostrom aufgeladen werden. Also einfach wedeln, wenn der Batteriestatus mal wieder bei null Prozent angekommen ist, lautet die Idee der Erfinder.

Das Mikro-Windrad auf einem US-Penny – winzig klein, aber effektiv! | Bild: Universität Arlington

Das Mikro-Windrad auf einem US-Penny – winzig klein, aber effektiv! | Bild: Universität Arlington

 

Robust und widerstandsfähig

Wissenschaftlerin Smitha Rao sorgt für den nötigen Dreh | Bild: Universität Arlington

Wissenschaftlerin Smitha Rao sorgt für den nötigen Dreh | Bild: Universität Arlington

Dadurch müssen die Mini-Windräder natürlich einiges aushalten und dürfen nicht gleich nach der ersten Akkuaufladung versagen. Als Basismaterial wurde deshalb eine Nickel-Legierung gewählt, da diese besonders robust und widerstandsfähig ist. Rao selbst sagte in einem Interview, dass man bei mikro-elektronischen, mechanischen Systemen öfter das Problem habe, dass das Material zu spröde sei und sie sich deshalb für ein besonders widerstandsfähiges Material entschieden habe. Dass die Konstruktion erfolgreich ist, zeigten erste Labortests im Herbst 2013: Die Mikro-Windräder wurden starken künstlich erzeugten Winden ausgesetzt, die ihnen rein gar nichts anhaben konnten. Maßgeblich für den Erfolg der Testläufe ist auch das elegante, aerodynamisch gestaltete Design.

Sponsor für Mini-Windräder gefunden – jetzt wird’s windig!

Mit dem taiwanesischen Unternehmen WinMEMS hat die Universität Arlington nun nicht nur einen Interessenten, sondern auch einen Sponsor gefunden. Während die Universität Patent auf ihre Erfindung angemeldet hat, hat sich WinMEMS bereits die kommerziellen Nutzungsrechte gesichert und prüft derzeit, welche kommerzielle Anwendung der Mini-Windräder möglich ist.

Auch der Nutzungsvielfalt der Mikro-Windräder ist keine Grenze gesetzt, vielmehr spielen die Erfinder mit dem Gedanken, diese nicht nur auf Handy-Hüllen einzusetzen, sondern ganze Außenwände von Häusern oder deren Dächer mit diesen Mikro-Windrädern zu überziehen, um so Energie für Beleuchtung, Sicherheitsanlagen, Sensoren oder drahtlose Computernetzwerke zu liefern. Ein Kostenproblem sehen die Entwickler dabei nicht, da sich die Windräder in Millimetergröße optimal für die Massenproduktion eignen – die Produktion von 100 Mini-Windrädern ist nicht teurer als die eines einzigen.

Wie alltagstauglich sind die Ökostromerzeuger?

Trotz der positiven Testläufe und der Euphorie über die Funktionsfähigkeit der Mikro-Windräder ist die Idee eben erst in der Anfangsphase. Es bleiben noch einige Fragen offen. Nämlich: Wie alltagstauglich ist die Erfindung eigentlich? Inwiefern werden die Mikrowindräder den Tiefen einer weiblichen Handtasche standhalten können, ohne durch Beauty-Case oder Lieblingszeitschrift zerdrückt zu werden? Oder wie oft am Tag muss man seinen Handy-Akku „aufwedeln“? Wir sind auf jeden Fall gespannt und werden Euch darüber informieren, was uns der Wind in den nächsten Monaten über diese innovative Erfindung zuträgt.

Stichwörter: , , , , , , , , , , , ,

Kategorisiert in:

Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie