#Energiewender  

Solarauto als Rennwagen: Das ist die Zukunft, sagt #Energiewender Markus. | Quelle: Sonnenwagen Aachen e. V.
Solarauto als Rennwagen: Das ist die Zukunft, sagt #Energiewender Markus. | Quelle: Sonnenwagen Aachen e. V.
23. November 2018

Solarauto auf heißer Rennstrecke – 3.022 km durch Australien ohne einen Tropfen Benzin

Mit dem selbstgebauten Solarauto tausende Kilometer mitten durchs Nichts düsen, immer im Wettkampf mit den besten Solarauto-Rennteams der Welt. Das ist die World Solar Challenge quer durchs australische Outback, das härteste Solarauto-Rennen der Welt. Die Challenge gewinnen will Markus Eckstein mit seinem Team von Sonnenwagen Aachen e. V. Als echte #Energiewender beweisen die Studenten, wie viel Power in erneuerbaren Energien wie der Solarenergie steckt.

Markus, wie läuft die Challenge genau ab, wenn jedes Team beweisen will, dass es das beste Solarauto auf die Rennstrecke bringt?

Das Rennen geht eine Woche lang von Darwin bis Adelaide, einmal quer durch den australischen Kontinent. Auf der Strecke gibt es verschiedene Kontrollstopps, die man in einer bestimmten Zeit erreichen muss. Man fährt täglich von 8 Uhr morgens bis 17 Uhr abends, dann sucht man sich einen Platz zum Übernachten in der Wildnis. Das ist für uns mit 40 Leuten im Team immer ein zusätzliches Abenteuer, wie man im Video vom letzten Jahr sieht:

Team Sonnenwagen bei der World Solar Challenge 2017

Team Sonnenwagen bei der World Solar Challenge 2017

Wie schafft Ihr so eine gewaltige Strecke mit Eurem Solarauto ganz ohne Treibstoff?

Um die 3.022 Kilometer mit dem Rennauto klimaneutral zu schaffen, kommt es im Wesentlichen auf drei Dinge an. Erstens die 260 Solarzellen, die dafür sorgen, dass die Energie ins Fahrzeug kommt. Zweitens eine Lithium-Ionen-Batterie, die über die Solarzellen aufgeladen wird. Die Batterie dient als Puffer, z. B., wenn es mal bewölkt ist oder so stark bergauf geht, dass wir ein bisschen Extraschub gebrauchen können, um eine gute Durchschnittsgeschwindigkeit zu halten. Morgens vor dem Start, bei den Kontrollstopps zwischendurch und abends nach dem Renntag können wir die Batterie mit unseren Solarpanels nachladen. Sie lädt aber auch während der Fahrt, immer wenn der Verbrauch unter den Energieeingang durch die Solarzellen geht. Die dritte Komponente ist natürlich der Motor. Der muss höchst effizient sein, damit wir die Energie, die über die Solarzellen reinkommt, mit möglichst wenig Verlust auf die Straße bringen können.

Auf was muss man noch achten, wenn man anstatt eines ganz normalen Autos mit Verbrennungsmotor ein Solarauto für ein Rennen baut?

Das Gewicht ist ganz entscheidend. Das Auto muss so leicht wie möglich sein, damit wir mit wenig Energie möglichst schnell und weit fahren können. Trotzdem muss das Auto auch stabil sein, gerade für das Rennen in Australien. Da werden sogenannte Road Trains an uns vorbeidonnern, das sind 70 Meter lange und 150 Tonnen schwere Lastwagen. Die üben einen enormen Luftdruck auf uns aus und wenn der uns wegpusten würde, wäre das natürlich blöd. ;-) Wir brauchen also die perfekte Mischung aus Fahrstabilität und Effizienz. Beim Thema Effizienz muss man einfach an alles denken: An die Reifen, die Lager, die Fahrwerkskinematik usw. Alles muss so durchdacht und gebaut werden, dass wir so wenig Energie wie möglich verschwenden.

Ein Stück Zukunft auf der Straße: Das Solarauto von Team Sonnenwagen saust durch Australien. | Quelle: Sonnenwagen Aachen e. V.

Ein Stück Zukunft auf der Straße: Das Solarauto von Team Sonnenwagen saust durch Australien. | Quelle: Sonnenwagen Aachen e. V.

Wie ist das Fahrgefühl in Eurem Solarauto, gerade im Vergleich zu einem „normalen“ Auto?

Auf den Komfort kommt es bei uns eher nicht an. Während wir im letzten Fahrzeug für die World Solar Challenge 2017 noch einigermaßen Platz hatten, werden wir beim Solarauto für die Challenge 2019 deutlich enger um unseren Fahrer herum bauen. Es gibt auch keinen bequemen Sitz, da gilt es Gewicht zu sparen, wo es nur geht. Aber wir achten auf ein sehr ruhiges Fahrwerk, sodass der Fahrer immerhin beim Geradeausfahren nicht zu viel Mühe hat.

Wie schnell wird Euer Solarauto durch die australische Wüste flitzen?

Mit Unterstützung durch die Batterie sind wir schon 130 km/h gefahren. Wenn wir nur mit der Leistung fahren, die wir durch die Solarpanels reinbekommen, können wir ca. 65–70 km/h fahren. Das Spannende ist: Wir kriegen nur 1.000 Watt rein, das entspricht ca. der Leistung eines Föns. Und damit könnten wir das härteste Solarauto-Rennen der Welt gewinnen!

Warum ist die World Solar Challenge so wichtig für Euch?

Mit dem Rennen wollen wir zeigen, dass das, was wir monate- und jahrelang austüfteln, perfekt funktioniert. Aber der Hauptgedanke ist eigentlich, dass wir die Idee der grünen, nachhaltigen Mobilität pushen wollen. Wir möchten möglichst vielen Leuten zeigen, was mit erneuerbarer Energie schon heute alles möglich ist, aber auch wieviel Spaß und Zukunft in unserem nachhaltigen Projekt steckt.

Mit den klappbaren Solarzellen werden die letzten Sonnenstrahlen eingefangen, bevor sich der Himmel verdunkelt. | Quelle: Sonnenwagen Aachen e. V.

Mit den klappbaren Solarzellen werden die letzten Sonnenstrahlen eingefangen, bevor sich der Himmel verdunkelt. | Quelle: Sonnenwagen Aachen e. V.

Wie viele Teams aus Deutschland gehen in Australien mit ihren Solarautos an den Start?

In unserer Klasse sind wir das einzige deutsche Team. In einer anderen Klasse fährt noch ein Team der FH Bochum mit. Es gibt aber generell auch nur diese beiden Solarauto-Rennteams in Deutschland.

Wie kamst Du überhaupt dazu, an einem Solarauto für den Rennsport mitzubauen?

Ich studiere Automatisierungstechnik und Wirtschaftswissenschaften an der Uni Aachen und hatte total Lust beim Projekt Sonnenwagen mitzumachen, weil es etwas komplett Neues ist. Reine Solarautos gibt es kaum auf der Welt. Die Technik ist sehr spannend, es geht ja um ein neues Mobilitätskonzept. Wir haben wahnsinnig viel Freiraum, weil wir alles selbst entwickeln – vom Design der Karosserie bis zum Motor und der Batterie. Da kann man so ein bisschen Daniel Düsentrieb spielen.

Wieviel Zeit steckst Du in das Projekt?

Ungefähr 30 Stunden pro Woche neben meinem Masterstudium. Wir sitzen als Team abends oder am Wochenende oft zusammen und dann dauert‘s auch mal länger, wenn wir total vertieft sind. Sowas kann man in dem Umfang ehrenamtlich aber auch nur machen, wenn man sich richtig dafür interessiert und Spaß daran hat. Sonst wäre das viel zu viel.

Wie finanziert Ihr Euer renntaugliches Solarauto?

Da wir ein eingetragener Verein sind, müssen wir uns selbst darum kümmern, wie wir das Projekt Sonnenwagen finanzieren, brauchen also Sponsoren und Partner. Einerseits läuft das über die klassische Unterstützung mit Geld, von dem jeder Cent ins Auto fließt. Andererseits werden wir mit bestimmten Komponenten unterstützt, die wir im Auto verbauen. Wir freuen uns über jeden, der unser Projekt unterstützen möchte. Auf www.sonnenwagen.org kann man dazu gern Kontakt mit uns aufnehmen.

Pit Stop: Um Ausfallzeiten gering zu halten, muss das Team perfekt zusammenarbeiten. | Quelle: Sonnenwagen Aachen e. V

Pit Stop: Um Ausfallzeiten gering zu halten, muss das Team perfekt zusammenarbeiten. | Quelle: Sonnenwagen Aachen e. V

Was würdest Du noch gerne mit Solarzellen bestücken, außer einem Rennauto?

Flugzeuge. Die haben nämlich kein Problem, wenn es mal bewölkt ist, weil sie ja über den Wolken unterwegs sind. Ich könnte mir zum Beispiel sehr gut vorstellen, dass man das Infotainment-System im Flugzeug oder die Beleuchtung mit Solarenergie betreibt. So würde man den Kerosinverbrauch reduzieren. Das ist auch so ein Trend, den es gerade gibt. Dass man Fahrzeuge, z. B. auch Züge, mit Solarpanels bestückt und so zumindest einen Teil der klassischen, klimaschädlichen Energiegewinnung auf erneuerbare Energieumstellen kann.

Du hörst Dich nach einem echten Klimaretter an. Hand aufs Herz, hast Du auch einen Klimakiller in Deinem Alltag?

Ich beziehe noch keinen Ökostrom und auch kein Ökogas. Ein anderer Klimakiller ist mein WG-Mitbewohner. Der hat schon viel zu früh im Sommer wieder angefangen zu heizen, weil es ihm immer zu kalt ist. Von wärmerer Kleidung konnte ich ihn da noch nicht überzeugen. ;-)

Könntest Du zum Schluss folgenden Satz vervollständigen: „Die Energiewende ist …“

… ein wichtiger Schritt in die Zukunft, damit wir weiter nachhaltig auf unserem Planeten leben können.

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie