Zukunft Energie  

6. Februar 2014

Nachhaltig Urlaub geniessen – im ersten Plus-Energie-Hotel der Alpen

Das erste Plus-Energie-Hotel der Alpen nutzt seine Seilbahn als Solaranlage | Bild: Engadin St. Moritz Mountains AG – Fotograf

Das erste Plus-Energie-Hotel der Alpen nutzt seine Seilbahn als Solaranlage | Bild: Engadin St. Moritz Mountains AG – Fotograf

Laut Wetterbericht ist der Winter doch nicht an uns vorübergezogen, sondern soll jetzt erst richtig kommen. Für Schneebegeisterte heißt das: Warme Kleider zusammensuchen, Koffer packen, Skier und Familie ins Auto setzen und los geht’s in den lang ersehnten Winterurlaub. Wer dabei seinen ökologischen Fußabdruck verbessern und einen nachhaltigen Urlaub genießen möchte, der ist im ersten Plus-Energie-Hotel „Muottas Muragl“ der Alpen genau richtig.


Das Prinzip eines Plus-Energie-Hauses ist simpel. Auch in diesem Fall produziert das Hotel seine eigene Energie – und zwar mehr, als für den Eigenbedarf benötigt wird. Es ist sozusagen ein kleines Ökostromkraftwerk, das aus zwei Komponenten besteht: der Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen und der Energiespeicherung.

Ökostrom aus Eigenproduktion

Das über hundert Jahre alte Gebäude wurde 2010 komplett saniert und in ein nachhaltiges Plus-Energie-Hotel umgewandelt. Der Standort auf 2.456 Metern über dem Meeresspiegel und eisige Temperaturen stellten die Betreiber des Hotels bei der Planung erst einmal vor ökologische Herausforderungen, denn viel Energie zum Heizen für die Warmwasserversorgung war nötig. Doch dank der enormen Sonneneinstrahlung in diesen Höhen konnte das Projekt in den Alpen realisiert werden. Die Nutzung regenerativer Energiequellen wie Abwärme, Erdwärme, und Solarenergie ermöglichen heute eine autarke Versorgung des Hotels. Lediglich aus Sicherheitsgründen und um überschüssigen Strom einzuspeisen, ist das Hotel an das lokale Elektrizitätswerk angeschlossen. So wird die Stromversorgung auch im Notfall aufrechterhalten.

Der zweitsonnigste Ort der Schweiz auf 2.456 Metern Höhe – perfekte Verhältnisse für Ökostrom aus Solarenergie | Bild: Engadin St. Moritz Mountains AG – Fotograf

Der zweitsonnigste Ort der Schweiz auf 2.456 Metern Höhe – perfekte Verhältnisse für Ökostrom aus Solarenergie | Bild: Engadin St. Moritz Mountains AG – Fotograf

Der wichtigste Energielieferant in diesem Energiekonzept ist die Sonne. Fotovoltaikanlagen mit einer Fläche von 455 Quadratmetern, die sich entlang der dazugehörigen Seilbahn befinden, versorgen das ganze Hotel mit etwa 100.000 Kilowattstunden elektrischem Strom im Jahr. Auch sonst bleibt in diesem Hotel kein Winkel ungenutzt: Röhrenkollektoren an den Fenstern sowie Flachkollektoren auf dem Dach speichern die Solarwärme und liefern so weitere 70.000 Kilowattstunden Energie für die Warmwasserversorgung und die Heizung.

Effektive Energiespeicher tief unter der Erde

Schwierig wird es jedoch, wenn die Sonne einmal nicht scheint: Denn je nach Witterungsverhältnis und Sonnenstundenanzahl schwankt die Energieproduktion – besonders im Winter sind die Erträge deutlich geringer. Das zweite unverzichtbare Element des Plus-Energie-Hotels ist deshalb die Energiespeicherung. 16 Erdsonden und eine Wärmepumpe versorgen das Hotel nicht nur mit Erdwärme, sondern halten auch überschüssige Solarenergie im Gestein fest. Diese kann dann jederzeit zur Wärmegewinnung abgerufen werden. So kann das Gebäude zeitversetzt auch an düsteren Tagen mit erneuerbarer Energie versorgt werden.

Durch sein ausgeklügeltes Energiekonzept erzielt das Muottas Muragl jährlich einen Energieüberschuss von 45.000 Kilowattstunden und eine Eigenenergieversorgung von 105 Prozent. Damit vermeiden die Betreiber jährlich 144 Tonnen CO2-Emissionen. Aber nicht nur in den Alpen ist Plus-Energie ein Thema, mittlerweile werden auch viele Familienhäuser in kleine Kraftwerke umgewandelt.

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie