Globales Denken  

11. Juli 2013

Nachhaltiges Ökostrom-Projekt im Kampf gegen Plastikmüll im Meer

Sonnen- und Wellenenergie machen die Rochen-Station zum Müllschlucker | Bild: fabrique / Erwin Zwart

Sonnen- und Wellenenergie machen die Rochen-Station zum Müllschlucker | Bild: fabrique / Erwin Zwart

Mehr als 6,4 Millionen Tonnen Plastikmüll landen im Meer – jährlich. Mittlerweile schwimmen so viele Kunststoffabfälle in unseren Ozeanen, dass diese regelrechte Inseln bilden. Die UNESCO
ernannte den größten dieser Plastikmüllflecken kürzlich zu einem neuen „Staat“ mit dem Namen „Garbage Patch“. Dessen „Einwohnerzahl“ beläuft sich auf rund 37.000 Tonnen Plastik. Zwar wird der Kunststoffmüll durch Wellenbewegungen und UV-Licht stetig verkleinert, er verschwindet aber nicht. Im Gegenteil, die zersetzten Partikel haben noch fatalere Auswirkungen: Tiere halten sie für Nahrung und sterben am Verzehr des Plastiks. Dieses vergiftet die Nahrungskette, wodurch die darin enthaltenen, schädlichen Substanzen ihren Weg zurück auf unseren Teller finden.

Tausende Tonnen Plastik „besiedeln“ ganze Strände und Meeresflächen | Bild: photocase / nanunski

Tausende Tonnen Plastik „besiedeln“ ganze Strände und Meeresflächen | Bild: photocase / nanunski

Doch was tun gegen die Plastikberge? Der 19-jährige Niederländer Boyan Slat, Student der Luft- und Raumfahrttechnik an der Delft University of Technology, ist auf eine sehr simple Lösung gekommen: Aufräumen! Mit seinem Projekt „Ocean Cleanup Array“ hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die Weltmeere vom Kunststoff zu befreien – in nur fünf Jahren.

Sonne und Wellen schaukeln das Umwelt-Projekt

Die Lösung ist eine Reinigungsanlage, die auf dem Wasser liegt und den Plastikmüll einsammelt. Frei nach der Devise: Warum Reinigungsboote durch das Meer bewegen, wenn das Meer sich selbst bewegt? Die „Ocean Cleanup Array“-Anlage ist statisch angelegt und nutzt die Wellenbewegung aus. Die Form des Schwimmkörpers ist der Silhouette eines Rochens nachempfunden, wodurch die Vorrichtung stabil wird und extrem rauen Wellen Stand hält. Dadurch, dass sie nicht bewegt werden muss, verschwendet die Anlage keine unnötige Energie und produziert demnach auch keine Emissionen. Beim Betrieb setzt Boyan Slat auf erneuerbare Energien: Solarkraft und Wellenenergie werden für die Beförderung der Plastikteilchen in die Sammelstelle genutzt.

Eine weitere Innovation des Projekts betrifft den Tierschutz: Bisher werden Boote eingesetzt, die Kunststoffabfälle mit Fischernetzen herausfiltern. Das Hauptproblem dabei ist, dass sich in diesen Netzen nicht nur Plastik, sondern auch Meerestiere verfangen. Um dies zu vermeiden, arbeitet die neue Konstruktion mit großen Trichtern als Auffangbecken. Das hat den Vorteil, dass aus Versehen in das Gehäuse geratene Tiere einfach wieder herausschwimmen können.

Upcycle me!

Derzeit ist der kleine Super-Ökologe auf der Suche nach Investoren und appelliert nicht nur an das Umweltbewusstsein, sondern glaubt auch fest an die Wirtschaftlichkeit seines Projekts. Der Plan: Der gesammelte Plastikmüll soll anschließend weiterverarbeitet werden. So wird sich das Konzept selbst refinanzieren, sagt Boyan Slat. Unterstützung für eine Machbarkeitsstudie, die belegen soll, dass das Vorhaben realistisch ist, hat er bereits. 80.000 US-Dollar hat er dafür über eine Crowdfunding-Plattform gesammelt. Wir sind gespannt auf Studienergebnisse und werden über alle Neuentwicklungen bezüglich dieses Projekts berichten.

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