#Energiewender  

Testbetrieb für die Energiewende: E-Busse mit Induktivaufladung im Dauereinsatz | Bild: rnv
Testbetrieb für die Energiewende: E-Busse mit Induktivaufladung im Dauereinsatz | Bild: rnv
29. Oktober 2015

Nächster Halt: Induktion

Die Energiewende. Alle wollen sie. Alle warten auf sie. Aber wer macht sie? In unserer Rubrik #Energiewender stellen wir Menschen vor, die das Heft in die Hand nehmen und ihr Puzzleteil zur Energiewende beitragen. Sie sind alltagstaugliche Helden nachhaltiger Nutzung von Energie und klimafreundlichen Lebens – mit großen und mit kleinen Taten.

In unserem Blog berichten wir über einige von ihnen. Heute mit Martin in der Beek, Technischer Geschäftsführer der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH, der mitverantwortlich ist, dass klimafreundliche E-Busse durch Mannheim fahren.

Martin in der Beek, Technischer Geschäftsführer der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH | Bild: rnv

Martin in der Beek, Technischer Geschäftsführer der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH | Bild: rnv

E-Busse in Mannheim: Pünktlich und nachhaltig

Das Forschungsprojekt rnv primove soll zeigen, ob E-Busse es mit ihren dieselbetriebenen Bus-Kollegen langfristig aufnehmen können. Dabei werden die Ausfallzeiten ebenso unter die Lupe genommen wie die Klimafreundlichkeit der Gesamtenergiebilanz oder eventuelle elektrische Auswirkungen auf die Fahrgäste. Ähnliche Testläufe gibt es beispielsweise in Berlin, Brüssel oder Braunschweig.

Die PRIMOVE-Systematik auf einen Blick | Bild: © Bombardier

Die PRIMOVE-Systematik auf einen Blick | Bild: © Bombardier

123energie: Herr in der Beek, in Mannheim fahren seit 2014 zwei E-Busse auf einer der frequentiertesten Linien der Stadt und sparen dabei jährlich 180 Tonnen CO2 ein. Können Sie sich vorstellen, die gesamte Busflotte umzustellen?

Martin in der Beek: Ja, Ziel wäre es, bis 2025 komplett auf E-Betrieb umzustellen. Dafür müssten nur noch die Preise etwas sinken; von der technischen Leistung sind wir schon überzeugt. Ein sehr geringer Wartungsaufwand und ein höherer Fahrkomfort sprechen, neben den positiven Effekten für die Umwelt, absolut dafür.

123energie: Wie werden die Akkus aufgeladen? Immerhin sind die Busse den ganzen Tag im Dauereinsatz.

Martin in der Beek: Wir haben sechs Haltestellen auf der Strecke ausgewählt, an denen erfahrungsgemäß die meisten Menschen umsteigen und wo ohnehin 20 bis 30 Sekunden Haltezeiten entstehen. Die E-Busse laden sich während der Wartezeit durch induktive Stromübertragung auf. Das funktioniert, indem sich eine im Unterboden der Busse eingebaute Magnetspule und eine Ladespule unter dem Straßenbelag verbinden, ganz ohne Kabel. An den Endhaltestellen laden die Busse noch einmal 5 Minuten auf. Das genügt dem Antriebssystem von Bombardier, um Strom für eine Strecke von 40 Minuten zu tanken. Die Lithium-Ionen-Batterie im Bus hat übrigens eine Gesamtkapazität von 60 Kilowattstunden bei einer Reichweite von bis zu 30 Kilometern. Die gedrosselte Höchstgeschwindigkeit von 65 Stundenkilometern stellt dabei im Stadtverkehr keine Beeinträchtigung dar.

Die Buslinie 63: In 40 Minuten vom Mannheimer Hauptbahnhof bis zum Pfalzplatz und zurück. Und das vollelektrisch | Bild: rnv

Die Buslinie 63: In 40 Minuten vom Mannheimer Hauptbahnhof bis zum Pfalzplatz und zurück. Und das vollelektrisch | Bild: rnv

123energie: Die E-Busse laufen mit Ökostrom. Wie wichtig ist das?

Martin in der Beek: Ohne Ökostrom hätte die E-Mobilität kaum Vorteile. Denn auch herkömmliche Dieselbusse sind inzwischen technisch so weit, dass sie relativ geringe Emissionen verursachen. Darum muss für eine echte Nachhaltigkeit der gesamte Prozess stimmen: Welche Rohstoffe kommen zur Verwendung oder können später mal wiederverwertet werden? Welchen Energieaufwand beanspruchen Herstellungsprozess und Recycling? Wenn die Energieversorgung nicht den Anspruch hätte, klimaneutral zu sein, also durch Ökostrom abgedeckt zu werden, dann wäre der Umstieg auf die E-Busse sicher wenig sinnvoll.

123energie: Bitte vervollständigen Sie den Satz: Die Energiewende ist…

Martin in der Beek: …notwendig, um unseren Lebensstandard zu erhalten!

 123energie: Was hindert Unternehmen noch daran, sich aktiv für die Energiewende einzusetzen?

Martin in der Beek: Die wirtschaftlichen Anreize sind häufig noch zu gering und hilfreiche Förderprogramme brauchen zu viel Zeit, bis sie in die Umsetzung kommen. Beides würde es Unternehmen erleichtern, die Tragfähigkeit einer Idee zu testen.

123energie: Mit wem würden Sie sich gern mal über die Energiewende unterhalten?

Martin in der Beek: Mit der Bundesministerin für Bildung und Forschung Johanna Wanka. Denn sie ist für die Förderungspolitik in Deutschland mitverantwortlich.

123energie: Hand aufs Herz: Was ist privat Ihre größte Klimasünde?

Martin in der Beek: Der Kühlschrank.

123energie: Läuft der wenigstens mit Ökostrom?

Martin in der Beek: Natürlich! Auch privat nutze ich Ökostrom. Es tut ja nicht weh. Weder der Haushaltskasse noch dem Kühlschrank.

123energie: Wir bedanken uns für den Einblick in Ihre Arbeit und Ihre Gedanken zur Energiewende!

Martin in der Beek: Sehr gern!

Wer mehr Daten und Fakten zu den Mannheimer E-Bussen und den beteiligten Projektpartnern wissen möchte, findet diese hier.

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie