Zukunft Energie  

31. März 2011

Ökostrom – die Welle nach Japan

Wenn man dem Wind nur Beine machen könnte ... | Bild: photocase | suze

Wenn man dem Wind nur Beine machen könnte ... | Bild: photocase | suze

 

Nach den Störungen an den Atomkraftwerken in Fukushima sind immer mehr Menschen des Wartens auf die Politik müde – mitunter auch panisch. Der Kauf von Geigerzählern oder Jod-Hamsterkäufen ist sicherlich eine der hysterischen Reaktionen auf die Ereignisse in Japan. Det Mueller rät davon aus einleuchtenden Gründen in seinem Blog ab.

Viele nehmen das Unglück in Japan aber auch zum Anlass, den ganz privaten Atomausstieg anzugehen – und wechseln zu Strom aus regenerativen Quellen. Anbieter berichten von bis zu zehnmal mehr Neukunden. Im Fall von 123energie hieß das: In den letzten drei Wochen bezogen sich 40 Prozent der Vertragsabschlüsse auf Ökoprodukte. Wie man sicher geht, dass wirklich Ökostrom drin ist, wo selbiges draufsteht, haben wir hier vor einiger Zeit zusammengetragen. Der Öko-Boom wird sich demnächst gewiss auch auf die Verschärfung der Zertifizierungen auswirken und neue Öko-Produkte hervorbringen.

Was ändert sich durch den grünen Strom aus der Steckdose?

Rein physikalisch gesehen kommt der gleiche Strom aus der Steckdose wie vorher. Durch den Bezug von Ökostrom wird lediglich mehr umweltschonend erzeugter Strom ins Stromnetz gespeist. Momentan liegt der Anteil erneuerbarer Energien bei 17 Prozent. Den Strommix kann man sich vorstellen wie ein großer Gemüseeintopf. Wirft der Koch einen höheren Anteil an ökologisch wertvoll erzeugtem Gemüse hinein, ist die Suppe zwar noch die gleiche – aber die Qualität des Eintopfs ist gestiegen. Außerdem kann der Bio-Bauer weiter in eine nachhaltige Beschaffung investieren. Langfristig kann durch den Konsum von Ökostrom also auch die Kapazität an erneuerbaren Energien erhöht werden.

Wird Ökostrom jetzt knapp?

Die Anbieter sagen: Wir wachsen mit. Und es ist noch Luft nach oben – so rechnet die FR vor: 2010 wurden 105 Milliarden Kilowattstunden Ökostrom produziert. Und zwei Milliarden Menschen bezogen bereits Ökostrom. Rechnet man einen durchschnittlichen Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden, sind das jährlich sieben Milliarden Kilowattstunden. Es wurde also ohnehin mehr als zehnmal so viel Strom aus regenerativen Energien produziert als verbraucht wurden.

Wenn morgen alle auf Ökostrom umsteigen – bricht die deutsche Wirtschaft dann zusammen?

Die Förderung von Sonne, Wind und Co. ist aus volkswirtschaftlicher Sicht absolut sinnvoll. Mittlerweile arbeiten mehr als 300.000 Menschen in der Branche, deutsche Firmen gehören in diesem Segment zur Weltspitze . Dennoch hat die Sache einen wirtschaftlichen Haken: Die Industrie braucht verlässlich Strom – auch zu Spitzenlastzeiten. Der Energiebedarf in Deutschland ist werktags zur Mittagszeit am höchsten. Die Spitzenlast steigt dann oft auf 80 Gigawatt. Im Jahr 2008 wurde an einem Mittwoch gegen 11 Uhr einmal eine Spitzenlast von 82,2 Gigawatt erreicht. Und das müssen die Kraftwerke ins Netz speisen können – auch wenn gerade kein Wind weht und die Sonne nicht scheint. Je nach Wetterlage hält dann der Strom aus Kohle- oder Atomstromkraftwerken die Stromleistung konstant. Und auch die privaten Haushalte wollen unabhängig sein von den Leistungsschwankungen der erneuerbaren Energien. Wer will schon Licht, nur wenn die Sonne scheint?!

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie