Zukunft Energie  

16. Juli 2015

Osmosekraft. Der ungenutzte Ökostrom der Gegensätze

Süß oder salzig? Das ist hier die Frage. Am besten, es kommt beides zusammen. Dann kriegt man feinsten Ökostrom | Bild: Photostock / en.joy.it

Süß oder salzig? Das ist hier die Frage. Am besten, es kommt beides zusammen. Dann kriegt man feinsten Ökostrom | Bild: Photocase / en.joy.it

Ökostrom aus Wasserkraft – wie auch 123energie ihn im Programm hat – ist eine regenerative, CO2-freie Technologie. Kommt dazu ein Effekt, den mancher vielleicht noch aus dem Physikunterricht kennt, reden wir von einem Meilenstein für die Energiewende: Sauberer Ökostrom durch Osmose. Ein Osmosekraftwerk erzeugt Ökostrom aus dem Unterschied von Süß- und Salzwasser. Ohne jeden Ausstoß von Schadstoffen und nahezu lautlos. Und trotzdem ist diese Quelle der erneuerbaren Energie bisher noch beinahe ungenutzt.

Der Prototyp des perfekten, regenerativen Kraftwerks

Das erste Osmosekraftwerk der Welt wurde 2009 in Betrieb genommen; am südwestlichen Ausgang des Oslofjordes. Durch eine halbdurchlässige Membran ist das Süß- vom Salzwasser getrennt. Beide Flüssigkeiten sind bestrebt, ihre Salzkonzentration auszugleichen. Sie strömen zueinander; nur das Salz wird von der Membran nicht durchgelassen. Dadurch erhöht sich auf einer Seite der Druck. Dieser treibt eine Turbine an und erzeugt so elektrische Energie. Der norwegische Prototyp im Testbetrieb sollte zeigen, wie effektiv ein Osmosekraftwerk arbeiten kann. Doch trotz erfolgreicher Testphase legte der Betreiber Statkraft das Kraftwerk 2013 wieder still. Es war wohl doch nicht hinreichend konkurrenzfähig.

Zweite Chance für die süss-salzige Idee

Die Niederländer geben noch nicht auf: Mit einem Osmosekraftwerk im Deich, der das Ijsselmeer von der Nordsee trennt. Es gibt in diesem Kraftwerk zwei Arten von Membranen, durch die Ionen wandern können, getrieben vom unterschiedlichen Salzgehalt von Salz- und Süßwasser. So entsteht zwischen den Membranen, ähnlich wie zwischen den Polen einer Batterie, eine elektrische Spannung. Die Zukunft wird zeigen, wie gut diese Technik funktioniert.

Wo wären Osmosekraftwerke noch denkbar?

Wissenschaftler der Stanford University berechneten, dass 13 Prozent des Weltenergieverbrauchs abgedeckt werden könnten, wenn man auf der Welt alle geeigneten Flussmündungen mit diesem System ausrüsten würde. Aber was heißt „geeignet“? Nur wenn die Salzkonzentration vom zufließenden Wasser hoch genug ist, kann ein Osmosekraftwerk effektiv arbeiten. Mittelmeer oder Nildelta wären ideal; ebenso wie die Mündung des Jordans ins Tote Meer, da dieses einen sehr hohen Salzgehalt aufweist. (Toter Mann geht deshalb am besten im Toten Meer). Oder man macht es ganz anders und nutzt die Abwässer von Entsalzungsanlagen. Sie bieten eine noch höhere Salzkonzentration als das reine Meerwasser. Vielleicht würde das die Effektivität der Osmosetechnik endlich entscheidend verbessern.

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie

  • Clemens Pelz

    Ich finde die Entwicklung in der Herstellung von Ökostrom durch Osmosekraft sehr spannend. Ich hoffe, dass die Technik auch in Zukunft häufiger genutzt wird, als bisher. :) Auf diese Weise lässt sich ein bunter Mix an Ökostrom im Strom-Mix herstellen. Da hat jeder was davon. :)

    Schaut euch auch mal den Ratgeber zum Thema Ökostrom an: http://energieinitiative.org/stromanbieter-wechseln/

    Ich finde, dass jeder Wechselwillige sich über Ökostrom zumindest informieren sollte.

    LG

    Clemens

    • 123energie

      Das teilen wir. Danke für den Beitrag!