Zukunft Energie  

10. Januar 2014

Quer durch Deutschland: Schlanke Strommasten für schnelleren Netzausbau?

Vom Norden bis in den Süden: Neue Stromtrassen braucht das Land | Bild: photocase/pepipepper

Vom Norden bis in den Süden: Neue Stromtrassen braucht das Land | Bild: photocase/pepipepper

Erst im November 2013 stellte die neue Koalition aus CDU und SPD ihren Koalitionsvertrag vor. Wichtige Themen sind nach wie vor der Ausbau der erneuerbaren Energien und der damit zusammenhängende Netzausbau. Bisher ist das Vorhaben nur langsam vorangekommen: Von 1.855 Kilometern neuer Stromleitungen wurden gerade einmal 14,5 Prozent gebaut. Gründe hierfür sind vorwiegend Konflikte mit der Natur und den Anwohnern, die sich von der Installation der Masten in unmittelbarer Umgebung in ihrer Lebensqualität eingeschränkt fühlen. Große Teile des überschüssigen Ökostroms blieben bisher ungenutzt.

Die neuen Strommasten: niedriger, kompakter und schlanker

Die vier großen Stromnetzbetreiber (Amprion, TenneT, 50Hertz und TransnetBW) planen nun neue Projekte zur Erprobung von Kompaktmasten, die den Ansprüchen an Natur und Mensch gerechter werden sollen. Diese haben unter anderem enger angeordnete Leitungen und tiefer liegende Querbalken. Das Design ermöglicht es, die Trassen zum Beispiel durch dichte Waldgebiete oder in der Nähe von Flughäfen verlaufen zu lassen. Denn die Masten benötigen eine geringere Schutzstreifenbreite oder sind kleiner und schlanker. Dadurch verringern sie die Eingriffe in Waldbiotope oder machen neue Standorte möglich. Außerdem würden Kosten für Ausgleichsflächen für die Natur um ein Drittel gesenkt. Statt der herkömmlichen Stahlgittermasten könnten dann bald überwiegend folgende Masttypen in Deutschlands Landschaft zu finden sein:

Masttyp Donau

Wird schon jetzt von Netzbetreiber TenneT am häufigsten eingesetzt. Mit zwei kürzeren und zwei längeren Querbalken im oberen Drittel hat er das typische Aussehen eines Strommasts.

Masttyp Einebene

Ist weniger hoch und kann zum Beispiel in Umgebungen mit Höhenbegrenzungen wie Flughäfen eingesetzt werden. Die Arme, auch hier zwei kurze und zwei lange, befinden sich an der Spitze des Masts und sind in Richtung Himmel geöffnet.

Masttyp Donau-Einebene

Ist, wie die Bezeichnung schon sagt, eine Kombination der Eigenschaften aus den Typen „Donau“ und „Einebene“ und kann für verschiedene Übertragungssysteme eingesetzt werden. Optisch ähnelt dieser Mast dem Typ „Donau“, nur dass „Donau-Einebene“ drei unterschiedlich große Querbalken hat.

Masttyp Tonne

Hat, anders als es der Name vermuten lässt, eine geringere Breite als die bisher beschriebenen Masttypen. Dadurch kann er vor allem in Waldgebieten installiert werden.

Masttyp Wintrack

Ist der neueste seiner Art und besonders schlank im Design. Getestet wird er zum ersten Mal an der Westküstenleitung in Deutschland.

Elektrisierendes Thema: Kompaktmasten kommen nicht bei allen an

Vor allem die unmittelbar betroffenen Anwohner bleiben weiterhin skeptisch, denn Strommasten seien Stromtrassen und die neuen Modelle teurer als die herkömmlichen. Auch die Netzagentur meint: Der Einsatz von Kompaktmasten würde aufgrund technischer und genehmigungsrechtlicher Schwierigkeiten den Ausbau voraussichtlich zusätzlich verlangsamen. Ebenso ist es kritisch zu sehen, dass eine Wartung der Anlagen das Abschalten der Masttechnik verlangt. Es bleibt also abzuwarten, ob sich die neuen Masten durchsetzen können.

Oder sind die von vielen Bewohnern gewünschten Erdkabel vielleicht eine bessere Alternative?

 

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