Zukunft Energie  

18. September 2014

Robuste Senioren: Alte Windkraftanlagen weiter betreiben lohnt sich

Wartungsarbeiten auf der Gondel einer Windenergieanlage | Quelle: Bundesverband WindEnergie © REpower Systems AG

Wartungsarbeiten auf der Gondel einer Windenergieanlage | Quelle: Bundesverband WindEnergie © REpower Systems AG

Die Windenergie stellt heute mit rund 40 Prozent den größten Anteil an in Deutschland gewonnenem Ökostrom dar. Dabei geht es ständig um die Entwicklung neuer Windkraftanlagen, sei es auf dem Meer oder an Land.

Doch was ist eigentlich mit den alten Windrädern, die schon vor Jahrzehnten errichtet wurden? Die ersten dieser Art entstanden übrigens um 1990 herum.

Die älteren Windkraftanlagen stehen noch an Standorten, für die sie heute keine Zulassung mehr bekommen würden. Also außerhalb der derzeit festgelegten Vorrangflächen.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sie werden entsorgt. Ein Ersetzen durch neue Windkraftanlagen ist nämlich nicht erlaubt. Oder sie werden weiterhin genutzt. Solch ein Weiterbetrieb ist tatsächlich legitim – auch über die Entwurfslebensdauer, die in der Regel 20 Jahre beträgt, hinaus.


Denn warum abreißen, wenn die Anlage doch nach wie vor einen Beitrag zur klimafreundlichen Energiegewinnung leistet und zudem noch Erträge einbringt, die an diesem Standort sonst gar nicht möglich wären? Hier lohnt sich der Weiterbetrieb in jedem Fall und wird für immer mehr Anlagenbetreiber attraktiv.

Alt und anhaltend gut: Die Windkraftanlage „AN Bonus“

Eines der ersten Modelle ist beispielsweise die „AN Bonus“ zwischen Bremen und Vechta. Die 150 Kilowatt starke Anlage ist nun 24,5 Jahre alt und steht trotz ihrer Nähe zur Wohnbebauung unter Bestandsschutz. Zudem läuft sie nach wie vor sehr gut. Der Betreiber entschied sich für eine sogenannte BWP – eine Prüfung für den Weiterbetrieb einer Windkraftanlage. Diese besteht aus zwei Teilen:

Die BWP – eine Art TÜV für Windkraftanlagen

Im theoretischen Teil werden zunächst die Randbedingungen untersucht, unter denen die Maschine einst zertifiziert wurde. Die Frage ist, erfüllt die Anlage diese Bedingungen noch heute? Daneben wird ein speziell auf diese Anlage zugeschnittenes Turbulenzgutachten erstellt. Ein Blick ins Logbuch gibt einen abschließenden Überblick über den Betrieb der Anlage, denn hier wurden alle Mängel und Reparaturen der vergangenen Jahre dokumentiert.

Im praktischen Teil vor Ort widmen sich die Gutachter der Überprüfung vom Fundament bis zur Gondel. Hier könnten sich beispielsweise Risse zeigen, die vom Anlagenbetreiber behoben werden müssten. Die andere Hälfte dient der Überprüfung der Rotorblätter.

Trotz dieser umfangreichen Begutachtung sind die Kosten für den Check noch recht bescheiden. Bedenkt man, dass Anlagen unter 1.500 Megawatt Leistung kontinuierlich gewartet werden müssen, so betragen die Kosten der BWP lediglich das anderthalb- bis zweifache der regulären Wartungskosten – dies entspricht rund 2.000 bis 5.000 Euro. Die wiederkehrende Prüfung ist darin schon enthalten. Unter der Voraussetzung, dass die Anlage gut gepflegt wurde, ist jedoch ein Weiterbetrieb von vier bis acht Jahren denkbar – mit Jahreserträgen von 25.000 bis 60.000 Euro (Erneuerbare Energien – Das Magazin, Ausgabe 7, Juli 2014).

Windrad-Pioniere gelten als ausserordentlich robust

Ein Vorteil der bestehenden Anlagen ist zudem ihre robuste Bauweise. Da die Ingenieure damals noch nicht genau wussten, welche Belastungen auf die Anlage einwirken würden, setzten sie hohe Qualitätsansprüche. Diese äußerten sich u. a. durch den sehr widerstandsfähigen Materialeinsatz sowie Verstärkungsbleche. Nun kommt die Bauart dem Weiterbetrieb zugute, da die tragenden Strukturen die Sicherheitsanforderungen womöglich nicht bloß erfüllen, sondern sogar übertreffen.

Vor dem Hinblick, dass in den nächsten zehn Jahren bis zu 13.000 Anlagen 20 Jahre alt werden, erwarten die Prüfungsgesellschaften einen regelrechten Trend zur Überprüfung alter Anlagen. Immer mehr rüsten sich daher für das neue Geschäftsfeld. Da letztlich jeder Beitrag zur nachhaltigen und umweltverträglichen Energiegewinnung zählt, bleibt zu hoffen, dass sich viele diesem Trend anschließen.

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie