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20. Juni 2014

Ruhig schlafen dank Strom

Strom als Ausweg aus den Alpträumen | Bild: Photocase / cydonna

Strom als Ausweg aus den Alpträumen | Bild: Photocase / cydonna

Schlaf ist wichtig, um sich vom Alltag zu erholen und neue Kraft zu schöpfen. Nun gibt es jedoch auch Menschen, die unter chronischen Alpträumen leiden, beispielsweise im Zusammenhang mit einer posttraumatischen Belastungsstörung, Schizophrenie oder Zwangsneurosen. Für sie ist der Schlaf oft alles andere als erholsam. Forscher versuchen deshalb eine Methode zu entwickeln, mit der es gelingt, die Alpträume zu beeinflussen. Wie dies möglich sein könnte, zeigt ein Blick auf die unterschiedlichen Schlafphasen.

Von REM bis Klartraum

Die meisten Träume finden während des REM-Schlafs (REM = Rapid Eye Movement) statt, welcher etwa ein Viertel der Schlafzeit umfasst. Kennzeichen dieser Phase sind schnelle Augenbewegungen sowie ein Ansteigen von Blutdruck und Puls. Zudem ruhen in dieser Zeit die Hirnregionen für Urteilskraft und Handlungsfähigkeit: Wir erleben alles unkontrolliert und können unsere Träume weder bewerten noch in diese eingreifen. Zwischen dem REM-Schlaf und dem vollen Bewusstsein liegt das Stadium der luziden Träume, auch Klarträume genannt. Hier träumen wir zwar, erleben dies jedoch im Gegensatz zur REM-Phase bewusst. Wir nehmen uns quasi selbst in der dritten Person wahr und können so den Alpträumen ein Ende setzen.

Wissenschaftler wollen Strom nun dazu nutzen, um Klarträume zu erzeugen und so den von Alpträumen geplagten Menschen zu helfen. Studien zeigen, dass in dieser Schlafphase die Hirnströme im Bereich des Stirnhirns aktiver sind als in der REM-Phase. Davon ausgehend wurde erforscht, ob sich durch den Einfluss von Wechselstrom auf das Stirnhirn Klarträume künstlich erzeugen lassen.

Studie mit Wechselstrom

Dazu untersuchten deutsche Wissenschaftler in einer aktuellen Studie das Schlafverhalten von 15 Frauen und 12 Männern. Während des Schlafens wurde die Gehirnaktivität per EEG (Elektroenzephalografie) fortwährend gemessen. Zudem bekamen alle Teilnehmer Elektroden angelegt, mit denen es möglich ist, schwachen elektrischen Strom – ohne Gefahr für den Patienten – durch die Schädelknochen hindurch in das Gehirn zu senden. Diese Methode ist auch bekannt unter dem Namen transkranielle Wechselstrom-Stimulation. Mit dem Verfahren reizten die Wissenschaftler etwa zwei Minuten nach Beginn des REM-Schlafs den vorderen Bereich des Gehirns. Die Reizung erfolgte in verschiedenen Frequenzen zwischen 2 und 100 Hertz. Einige Sekunden nach Ende der Behandlung wurden die Probanden geweckt und nach ihren Träumen gefragt.

Optimale Stromfrequenz: 25 bis 40 Hertz

Das Ergebnis war positiv: Die Träume ließen sich durch die Stimulation tatsächlich beeinflussen! Dies war nicht bloß subjektiv erlebt, sondern auch anhand der Gehirnströme messbar. Die besten Auswirkungen zeigten sich bei 25 bis 40 Hertz. Durch diese Methode könnten die Betroffenen folglich lernen, ihre Alpträume zu kontrollieren oder zumindest als Traum zu entlarven und den Horrorszenen so einen Teil ihres Schreckens zu nehmen. Noch wird das Verfahren nur zu Forschungszwecken angewendet, doch die Forscher sind optimistisch, eines Tages allen Patienten helfen zu können.

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