#Energiewender  

Zwei Stromanbieter mit zwei unabhängigen Netzen sichern an der internationalen Luftverkehrsdrehscheibe FRA die Stromversorgung. Fällt doch mal ein Anbieter aus, übernimmt sofort der zweite | Bild: Flickr / Andreas Wecker
Zwei Stromanbieter mit zwei unabhängigen Netzen sichern an der internationalen Luftverkehrsdrehscheibe FRA die Stromversorgung. Fällt doch mal ein Anbieter aus, übernimmt sofort der zweite | Bild: Flickr / Andreas Wecker
9. März 2016

Sauberer Boden: E-Mobilität am Flughafen

Die Energiewende. Alle wollen sie. Alle warten auf sie. Aber wer macht sie? Wir stellen Menschen, Visionen und Projekte vor, die die Energiewende auf ihre Weise voranbringen – wie das Programm E-PORT AN.

Es hat zum Ziel, den Bodenverkehr am Flughafen auf alternative Antriebe umzustellen, um Energie, CO2, Feinstaub und Lärm zu reduzieren. Partner der Initiative sind die Lufthansa Group, die Fraport AG, das Land Hessen und die Modellregion Elektromobilität Rhein-Main.

„Auf einem Flughafen wird viel mehr gefahren als geflogen“

Klingt komisch, ist aber so. Auch am Frankfurter Flughafen, dem größten deutschen Verkehrsflughafen. Schließlich gehört zum Fliegen mehr als nur die Flugzeuge. Vor und nach jedem Flug sind zahlreiche Fahrzeuge im Einsatz, die die Flugzeuge be- und entladen, tanken, warten oder Passagiere transportieren. Und für gewöhnlich verbrennen der Abfertigungsverkehr und die Flugzeugtriebwerke fossile Brennstoffe. Kerosin und Diesel – und beides verursacht bekanntlich eine Menge CO2-Emissionen. Hingegen: „Der Einsatz von Elektrofahrzeugen (…) im Roll- und Schleppverkehr kann Lärm und Abgase (…) deutlich verringern“, erläutert Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministeriums für Verkehr, das im Rahmen der Modellregion Elektromobilität Rhein-Main das Projekt fördert. Neben der Einsparung von CO2 erhofft man sich durch die Umstellung auf Hybrid- und Elektrofahrzeuge aber auch positive Effekte für die Mitarbeiter durch eine geringere Feinstaubbelastung und weniger Lärm.

Leuchtturmprojekt rund um den Tower

Im Testbetrieb laufen Fahrzeuge deshalb am Frankfurter Flughafen inzwischen emissionsarm mit Hybrid- oder Elektroantrieb. Dafür wurden Prozesse neu definiert und Fahrzeuge neu entwickelt. Inzwischen sind eine Solartreppe, neun Palettenhubwagen, ein Container- bzw. Palettentransporter, diverse Personenwagen, 140 Kleinschlepper für Gepäck, 93 Förderbandwagen und ein Hybridschlepper täglich im Einsatz.

Bislang ist so viel E-Mobilität im Bodenverkehr noch einzigartig in Europa. So wurde E-PORT AN 2013 mit dem Prädikat „Leuchtturm“ der Bundesregierung ausgezeichnet und 2014 gewann das Projekt den GreenTec Award in der Kategorie „Luftfahrt“. Wir haben darüber berichtet. Auch Tarek Al-Wazir, Hessischer Wirtschaftsminister, lobte E-PORT AN kürzlich als „richtungsweisendes (…) Konzept nachhaltiger Mobilität“ in einer Ansprache.

Platzhirsch der neuen Flotte: der TaxiBot. Mit 800 PS schiebt der Hybridschlepper die Flugzeuge zur Startbahn, ohne dass die Triebwerke der „weißen Vögel“ angeworfen werden müssen | Bild: E-PORT AN

Emissionsfreies Bodenpersonal: die vollelektrische Flughafen-Flotte

Künftig soll kein Flugzeug mehr sein Triebwerk anwerfen müssen, um zur Startbahn, der Parkposition oder zum Hangar zu kommen. Mit einem hybridgetriebenen Schlepper – dem sogenannten „TaxiBot“ – manövrieren die Piloten ihre Boeing 737 mit der Kraft von acht Elektromotoren zur Startbahn. Und der „eSchlepper“ kann Langstreckenflugzeuge bis zur Größe eines Airbus A380 ziehen.

Auch der Prozess des Beladens vollzieht sich in naher Zukunft ganz ohne Emissionen: Ein vollelektrifizierter eCatering-Hubwagen, der „eLift“, hievt bis zu zehn Tonnen Material auf Höhe der Flugzeugtüren und bewegt sich dazu nahezu geräuschlos übers Rollfeld. Ähnliche Schwerstarbeit leistet der „ePaletten-Hubwagen“. Er belädt die Flugzeuge mit Gepäck, Essen und Co. mit Elektroantrieb und stemmt dabei bis zu sieben Tonnen Gewicht auf einen Streich. Der „eContainer-Transporter“, ebenfalls mit Strom betrieben, arbeitet ihm dabei zu und ist eines der Puzzleteile beim Beladen.

Für den Flugpassagier gilt: Er merkt nur, dass er nichts merkt

Denn auch eine Passagiertreppe rangiert mit Solarenergie und spart sich den Ausstoß von Dieselruß. Solarpanels auf dem Dach der Treppen versorgen die Solartreppe mit der nötigen Energie, so dass die Passagiere CO2-frei in ihre Boeing 737 oder den Airbus A320 ein- oder aussteigen können. Die bisher eingesetzten Dieselmotoren liefen zumeist im ungünstigen Kaltstart-Modus wegen der kurzen Strecken. Auch deshalb sind Fahrzeuge mit Elektroantrieb „generell prädestiniert für den Einsatz am Flughafen“ mit viel Kurzstreckenverkehr, erläutert Dr. Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG. Nach Angaben von Fraport-Chef Schulte bringt die Umrüstung eine Energieersparnis von 60 bis 70 Prozent – auch weil sich die Elektromotoren ausschalten, wenn das Fahrzeug steht. Bei den Dieselantrieben läuft der Motor hingegen oft pausenlos.

Know-how für die Energiewende

Zukunftsweisend macht das Projekt die begleitende Forschung: an der Technischen Universität Darmstadt werden die Auswirkungen der elektromobilen Abfertigungsvorgänge auf CO2- und Lärmemissionen untersucht. Und der Alltagsbetrieb gibt den Blick frei auf Verbesserungspotentiale der Fahrzeugbatterien.

Zwischenstopp Frankfurt? Ab zum Green Gate!

Seit dem 12. Oktober 2015 kann sich jeder Fluggast am Flughafen Frankfurt über die „grüne Abfertigung“ am Flughafen ausführlich informieren. Und zwar am sogenannten „Green Gate“, am Lufthansa Gate A15.

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie