Globales Denken  

10. August 2011

Schöne, smarte Welt: Die City der Zukunft

Heute schon so smart, wie seine Stadt morgen sein wird | Bild: photocase / Mr. Nico

Heute schon so smart, wie seine Stadt morgen sein wird | Bild: photocase / Mr. Nico

 

Wandern zwischen Wildblumen und Sträuchern mitten in Downtown New York, mit dem schicken Elektroflitzer kostenlos und emissionsfrei durch Amsterdam düsen oder in einer autarken Ökostadt wohnen – so könnte das urbane Leben in Zukunft aussehen. Denn Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Umweltbewusstsein und nicht zuletzt Lebensqualität sind die Themen, die von Städteplanern, Architekten und Designern auf Konferenzen über die Zukunft der Städte heiß diskutiert werden.

Konzepte für die Stadt von morgen gibt es mittlerweile unzählige. In diesem Zusammenhang fällt immer häufiger ein Begriff: Smart City, die intelligente Stadt. Was verbirgt sich hinter diesem Modewort? Und wie unterscheidet sich eine schlaue von einer doofen Stadt?

Was ist smart, City? Ein Erklärungsversuch

Klar möchte sich jede Stadt gerne Smart oder Öko City nennen. Genau deswegen gibt es momentan auch so viele: Weltweit sind es weit mehr als 200 selbsternannte Schlauberger-Städte, deren „Smartness“ jedoch ganz unterschiedliche Gründe hat.

Amsterdam begründet seinen Smart City Status beispielsweise mit einem aufwendigen Elektromobilitäts-Konzept. Bis 2040 wollen die Niederländer sämtliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren aus der Stadt verbannt haben. Bis zum nächsten Jahr soll es bereits mehr als 1.000 öffentliche Ladestationen geben, an denen die Amsterdamer kostenlos Ökostrom zapfen können.

Die Smart City Ambitionen einer spanischen Stadt könnten bei den Bewohnern sogar leichten Verfolgungswahn erzeugen. Schließlich überwachen in Santander 20.000 Sensoren das städtische Leben in all seinen Facetten: Sie erfassen Wetterdaten, Schadstoffbelastungen, Staus oder die Parkhausbelastung. Das „Big Brother“-Projekt der Universität von Kantabrien hat zum Ziel, die Stadt umweltfreundlicher und effizienter zu machen. Über die Auswertung der gesammelten Daten soll beispielsweise bei der Straßenbeleuchtung Energie eingespart werden können.

„Aus einer Stadt eine SmartCity“ zu machen, bedeutet vor allem, mit den Mitteln der Informationstechnologie das Leben in der Stadt so zu verändern, dass alle etwas davon haben: Die Menschen, die in der Stadt leben, arbeiten oder Urlaub machen, werden eine Vielzahl neuer Dienste nutzen können, die das Leben angenehmer und hoffentlich auch einfacher gestalten.“

Professor Dr. Stefan Fischer, Leiter des Instituts für Telematik an der Universität Lübeck und Projektpartner der Umrüstung Santanders zur „Smart City“.

Klein, aber oho: Luxemburg ist Spitzenreiter in Sachen Smartness

Eines jedoch haben alle Smart Cities – so unterschiedlich sie auch sein mögen – gemeinsam: Sie setzen auf Nachhaltigkeit und alternative Energiekonzepte. Die meisten dieser Städte wandeln einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens Schritt für Schritt um. Darunter sind aber auch gigantische Öko City Projekte, die von Städteplanern momentan am Reißbrett entworfen werden, wie Masdar City in Abu Dhabi.

Da „Smart City“ natürlich kein geschützter Begriff und sich jede Stadt mit „smarten“ Lorbeeren schmücken könnte, haben Forscher der TU Wien nun eigens ein wissenschaftliches Bewertungsinstrument entwickelt. Was eine Stadt als Lebensraum und Wirtschaftsstandort „smart“ macht, soll mit den Kategorien Economy, People, Governance, Mobility, Environment und Living erfasst werden.

Knapp 100 europäische Mittelstädte haben die Forscher mit ihrem Instrument unter die Lupe genommen und kamen zu einem eindeutigen Ergebnis: Luxemburg ist die smarteste Stadt Europas! Auf den Plätzen 2 und 3 folgen schließlich Aarhus in Dänemark und das finnische Turku. Die smarteste deutsche Stadt landet nur auf Platz 24: Regensburg, das im deutschlandinternen Vergleich vor Trier und Erfurt rangiert.

„Den Städten und suburbanen Regionen kommt in der Realisierung des Ziels des kontrollierten Ausstiegs aus dem fossilen Zeitalter ein zentraler Stellenwert zu. In ihnen konzentriert sich nicht nur der Großteil der Weltbevölkerung, sondern werden laut EU-Berechungen 75 Prozent der weltweit eingesetzten Energie verbraucht. Der europäische SET-Plan (Strategischer Energie-Technologie-Plan für Europa) wird bis 2020 unter hohem Mitteleinsatz der EU-Kommission die Einführung neuer Energietechnologien vorantreiben.“

Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds der Österreichischen Bundesregierung.

Hello, Smart City! Goodbye, sweet Altstadt-Romantik!

Mittlerweile sind auch viele multinationale Konzerne auf den Smart City Zug aufgesprungen und nutzen die Idee von der schlauen, grünen Stadt geschickt, um die Zukunftsfähigkeit ihrer Produkte vorzuführen. Vor diesem Hintergrund sind unter anderem die Projekte „Siemens Liveable Cities“ oder IBM Smart Cities for a Smarter Planet“ entstanden.

„Die intelligente, vernetzte Stadt der Zukunft versorgt ihre Einwohner mit dezentraler, weitestgehend regenerativer Energie. Sie nutzt – so weit möglich – zur Energieversorgung ihre Facilities und Infrastruktur. Die Smart City besitzt bereits das notwendige Know-how, dass neu zusammengeführt werden muss.“

Dieter Lindauer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Smart City e.V. und ehemaliger Leiter der Modellregion E-Mobilität Rhein-Main.

Eine Stadt aus einem Guss – versorgt, ausgestattet und gegründet von einem gigantischen Konzern. Hört sich fast etwas gruselig an, diese Zukunftsvision. Aber derartige Mustersiedlungen setzen auch neue Maßstäbe in Sachen Energieeffizienz: In „Fujisawa Sustainable Smart Town“ – so der Name der Smart City von Panasonic – werden alle Elektrogeräte wie Kühlschränke und Klimaanlangen von multiplen Sensoren gesteuert. Somit soll der Energiebedarf möglichst gering gehalten werden.

Da Panasonic zu den wichtigsten Solarzellenherstellern der Welt gehört, ist auch „sonnenklar“, wie die knapp 3.000 Bewohner mit Energie versorgt werden. Vom Elektroauto bis hin zum sich selbstreinigenden Roboterklo hat der Konzern an alles gedacht. Nur auf gemütliche Spaziergänge durch eine pittoreske Altstadt müssen die Bewohner der Siedlung auf dem ehemaligen Fabrikgelände wohl verzichten.

 

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie