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31. Juli 2014

Solar Roadways – Wenn Strassen Ökostrom erzeugen

Solarenergie to go: So könnten die Autobahnen der Zukunft aussehen | Bild: Solar Roadways, Graphik Design Sam Cornett

Solarenergie to go: So könnten die Autobahnen der Zukunft aussehen | Bild: Solar Roadways, Graphik Design Sam Cornett

Was wäre, wenn das gesamte Straßennetz in den USA – Autobahnen, Bundesstraßen, Rad- und Gehwege – mit kleinen Solaranlagen gepflastert wäre? Die Amerikaner könnten dreimal so viel Strom erzeugen wie sie aktuell verbrauchen. Das meint zumindest das Tüftler-Ehepaar Scott und Julie Brusaw aus Idaho im Nordwesten der USA. Scott ist Elektroingenieur und gründete 2006 mit seiner Frau das Start-up „Solar Roadways“.

Beide haben ein großes Ziel: Straßen, die das Sonnenlicht einfangen, speichern und in Energie umwandeln, die direkt genutzt wird. Eine clevere Idee, denn gerade der großflächige Straßenasphalt ist der Sonne oftmals ohne Schutz durch Bäume oder Gebäude ausgesetzt. An heißen Sommertagen heizt er sich so sehr auf, dass oft der Eindruck entsteht, die Luft über der Straßenoberfläche flimmere. Das große Potenzial der Energiegewinnung an dieser Stelle bleibt bislang jedoch völlig ungenutzt.

Licht statt Farbe auf den Solarstraßen: Verkehrsmarkierungen mal anders | Bild: Solar Roadways, Graphik Design Sam Cornett

Licht statt Farbe auf den Solarstraßen: Verkehrsmarkierungen mal anders | Bild: Solar Roadways, Graphik Design Sam Cornett

Panzerglas schützt die Solarmodule auf der Strasse

Doch das kleine Unternehmen arbeitet mit Hochdruck daran, dies zu ändern. Sie entwickelten einen neuartigen Straßenbelag, der aus sechseckigen Kacheln besteht. Die Kacheln bestehen wiederum aus mehreren Schichten, die Stützstrukturen, Kabel, Steuerungstechnik, Solarzellen, LED-Lichter und Heizelemente beinhalten. Abgedeckt wird das Ganze mit robustem Panzerglas – zum Schutze der Technik. Denn der Belag soll schließlich den hohen Gewichtsbelastungen der darüberfahrenden Fahrzeuge standhalten. Die Glasoberfläche ist außerdem stark aufgeraut. Laut Entwickler bietet sie so genug Halt, auch auf nasser Fahrbahn – mehr noch sogar als herkömmlicher Asphalt.

Ist der Weg erst einmal mit den Solarmodulen gepflastert, muss nur noch die Sonne ihren Beitrag leisten. Mit dem gewonnenen Ökostrom werden dann zum Beispiel die im Straßenbelag integrierten LED-Lichter zum Leuchten gebracht, um Mittelstreifen auf Autobahnen, Fahrspuren für Radfahrer, Parkplätze oder Zebrastreifen aufzuzeigen. Farbe kann auf dem Panzerglas nämlich nicht angebracht werden. Die bunten Lichtmarkierungen sind aber nicht nur bei Nacht, auch tagsüber unübersehbar und sollen der Verkehrssicherheit dienen. Vor allem in Gefahrensituationen sind die LED-Lichter eine gute Alternative zur Farbe: Überquert ein größeres Tier plötzlich die Fahrbahn, werden die Autofahrer durch ein leuchtendes Signal gewarnt. Sensoren im Belag lösen entsprechende Lichtreaktionen („Achtung Wild“) aus.

Solarenergie bringt Eis und Schnee zum Schmelzen

Ein weiterer Pluspunkt der Solar Roadways: Dank der eingebauten Heizmodule sind Autobahnen, Straßen oder Fahrradwege im Winter immer schnee- und eisfrei! Auch das Aufladen von Elektroautos ist mit dem gewonnenen Sonnenstrom denkbar.

Die sechseckigen Solarkacheln sind mir rutschfestem Panzerglas beschichtet, das auch Schwergewichten trotzt | Bild: Solar Roadways

Die sechseckigen Solarkacheln sind mir rutschfestem Panzerglas beschichtet, das auch Schwergewichten trotzt | Bild: Solar Roadways

So viel zur Theorie. Jetzt zur Praxis: Ein Prototyp des neuen Straßenbelages wird bereits auf einem Parkplatz in Idaho erfolgreich getestet. Es handelt sich um eine rund 4 mal 11 Meter große Fläche, die 1.109 Tonnen Gewicht tragen kann. Finanziert wurde die Test-Bepflasterung übrigens durch das US-Verkehrsministerium.

Bis zum 20. Juni 2014 spendeten außerdem 40.000 Befürworter und Unterstützer umgerechnet 1,5 Millionen Euro in einer Crowd-Funding-Kampagne, die das Unternehmen ins Leben rief. Mit dem Geld sollen die Solarkacheln in Serienproduktion gehen. Der große Anklang ist unter anderem auf den Schauspieler George Takei (er spielte den Sulu in Star Trek) zurückzuführen, der auf Twitter das Projekt bewarb.

Scott und Julie Brusaw auf Ihrer „Teststrecke“ in Idaho | Bild: Solar Roadways

Scott und Julie Brusaw auf Ihrer „Teststrecke“ in Idaho | Bild: Solar Roadways

Es gibt jedoch auch kritische Stimmen, die die enorm hohen Kosten für die Solarstraßen bemängeln und an der großflächigen Umsetzbarkeit stark zweifeln. Sie stellen vor allem den Ertrag des investierten Kapitals in Frage. Wie realistisch haltet Ihr die Umsetzung dieser Idee?

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie