Globales Denken  

5. Juni 2014

Solarbetriebene Drohnen für ultraschnelles Internet

Mit Sonnenstrom betriebene Drohnen sollen schnellen Internetzugang für die ganze Welt ermöglichen | Bild: Google

Mit Sonnenstrom betriebene Drohnen sollen schnellen Internetzugang für die ganze Welt ermöglichen | Bild: Google

Ob Shopping, Kontakt mit Freunden, Informationssuche, Bildung oder Unterhaltung: vieles findet mittlerweile online statt. Während es für uns zum alltäglichen Leben gehört, „always on“ zu sein, sind große Teile der Welt vom Internet abgeschnitten. Um dies zu ändern, macht Google jetzt den Weltraum unsicher: mit fliegenden Solar-Drohnen, die die Internetversorgung auch in den entlegendsten Winkeln der Erde möglich machen sollen.

Wie ein riesiges Segelflugzeug – ohne Pilot, dafür mit Sonnenenergie

Die leistungsfähigen Drohnen mit dem klangvollen Namen „Solara“ wurden von dem Start-up Titan Aerospace konzipiert, das Google kürzlich übernahm. Die Flügel der riesigen Fluggeräte haben eine Spannweite von 50 Metern und sind mit 3.000 Solarpanels bedeckt, die die Stromversorgung sicherstellen. Dabei fliegen die Drohnen circa 19 Kilometer hoch und umkreisen den Globus – unbemannt: Die Steuerung erfolgt von der Erde aus. Eine Lithium-Ionen-Batterie speichert den durch die Solarzellen gewonnen Sonnenstrom für die Nacht. So gewinnen die Drohnen genügend Energie, um fünf Jahre lang ohne Pause in der Luft schweben zu können.

Mit diesen Flugwundern will Google seine Vision umsetzen: Die Drohnen sollen wie ein fliegender WLAN-Router funktionieren, nur dass die Datengeschwindigkeit mit einem Gigabit pro Sekunde noch schneller ist als bei einem DSL-Anschluss. Eine Drohne soll dabei mehr als 16.000 Quadratkilomenter abdecken können, am Boden bräuchte man hierzu mindestens 100 Funkmasten.

Um die Welt in 22 Tagen – High-Speed-Internet per Google-Ballons

Auch wenn die Drohnen noch nicht bereit sind, testet Google die außergewöhnliche Idee bereits in einem ersten Pilotversuch – und zwar mit Ballons. Das Projekt „Loon for all“ läuft derzeit in Neuseeland mit dem Ziel, eine Art Netzwerk der Lüfte zu errichten. Wie auch die Drohnen, sind die Ballons mit Solarmodulen ausgestattet, die für den Strom sorgen. Sie schweben in der Stratosphäre 20 Kilometer über der Erde und damit auch über Wolken und normalen Flugzeugen. Kollisionen mit dem Flugverkehr sind also ausgeschlossen. Erst kürzlich hat ein Google-Ballon Schlagzeilen gemacht, indem er die Welt in nur 22 Tagen umrundete.

Kampf um den Luftraum: Google vs. Facebook

Google ist jedoch nicht der einzige Internet-Pionier, der versucht, die Lufthoheit mit fliegenden Routern zu gewinnen. Auch Konkurrent Facebook verfolgt ähnliche Pläne und war eine zeitlang für die Übernahme von Titan Aerospace im Gespräch. Letztlich hat sich das Imperium um Mark Zuckerberg jedoch für den britischen Hersteller Ascenta entschieden, der ebenfalls solarbetriebene Drohnen entwickelt. Der Grund für die Offensive in diesem Bereich ist einfach: Gibt es kein Internet, können die Leute weder Google noch Facebook nutzen. Deshalb wollen beide Konzerne ihre eigenen „Versionen des Internets“ verbreiten, um Nutzer auf ihre Plattformen zu locken. Die Eroberung des Luftraums ist daher nur ein konsequenter Schritt im Marketing-Plan der Online-Giganten.

Die Technik der Google-Drohnen soll schon im nächsten Jahr startklar sein. Doch auch die ersten schwebenden Router von Facebook werden mit Sicherheit nicht lange auf sich warten lassen. Damit hat das Rennen um das erste solare Internetnetzwerk der Lüfte begonnen und wir fiebern fleißig mit.

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