Globales Denken  

2. September 2011

Strom aus der Wüste: Wie das grösste Solarkraftwerk der Welt die Energie der Sonne nutzt

Als würde es Öl regnen: Solaranlagen in der Wüste | Bild: Stock photo / ischlueter

Als würde es Öl regnen: Solaranlagen in der Wüste | Bild: Stock photo / ischlueter

Ein richtiges Energiebündel ist sie, unsere Sonne! Zwar ist sie 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, doch beträgt ihre Energieeinstrahlung beispielsweise in Deutschland etwa 1.000 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Das reicht aus, um knapp 10 Flachbildfernseher jeweils 720 Stunden lang laufen zu lassen. In der Nähe des Äquators ist die Energieeinstrahlung sogar dreimal so hoch.

Und weil die Sonne so viel Energie hat, gibt sie uns auch gerne etwas davon ab. Die Idee, Solarenergie einzufangen und zur Energieversorgung zu nutzen, geht bereits auf das Jahr 1912 zurück. Shumann und Boys waren die ersten, die bei ihren Modellversuchen in Ägypten Sonnenstrahlen mit Hilfe von Parabolrinnen zur Dampferzeugung verwendeten und damit eine 45-kW-Dampfmotorpumpe in Gang setzten.

Umfangreichstes Solarprojekt der Welt mitten in der kalifornischen Wüste

Sand, Ödnis, Hitze: Es gibt zweifelsohne freundlichere Flecken auf der Welt als kilometerlange Wüstenlandschaften. Doch richtig genutzt schlummert gerade hier ein enormes Potential in Sachen Energiegewinnung. Das haben auch die Ingenieure der Erlangener Projektgesellschaft „Solar Millennium erkannt: In der kalifornischen Wüste rund 340 Kilometer südlich von Las Vegas bauen sie derzeit das größte Solarkraftwerk der Welt.

Das Mammutprojekt soll nach seiner geplanten Fertigstellung im Frühjahr 2014 rund 320.000 US-Bürger mit Strom versorgen. Die vier solarthermischen Anlagen des Solarkraftwerks werden zusammen eine Leistung von knapp 1.000 Megawatt erzielen. Damit ersetzt die gigantische Ökostrom-Anlage nicht nur ein gesamtes Atomkraftwerk, sondern sie kann auch jährlich circa zwei Millionen Tonnen Kohlendioxidemissionen einsparen.

Solarstrom in der Nacht? Thermische Speicher machen es möglich

Parabolrinnenkollektoren fangen das Sonnenlicht ein, dadurch entsteht Hitze, diese erzeugt Dampf, der wiederum eine Turbine antreibt und siehe da: Es wird Licht!

Parabolrinnenkollektoren fangen das Sonnenlicht ein, dadurch entsteht Hitze, diese erzeugt Dampf, der wiederum eine Turbine antreibt und siehe da: Es wird Licht!

Und so funktioniert die weltgrößte Solaranlage der Welt in Kalifornien: Sie nutzt wie ein Großteil der modernen Solarkraftwerke sogenannte Parabolrinnenkollektoren, die aus einer Vielzahl gewölbter Spiegel bestehen. Diese bündeln das Sonnenlicht auf ein Absorberrohr. Durch die Absorption wird eine Wärmeträgerflüssigkeit erhitzt, die anschließend im Kraftwerk Dampf erzeugt.

Der Rest läuft wie in einem herkömmlichen Kraftwerk ab: Über eine Turbine wird der Dampf zur Stromerzeugung genutzt. Auch nach Sonnenuntergang geht nicht einfach das Licht aus. Denn thermische Speicher sorgen dafür, dass der Strom jederzeit bereit gestellt werden kann.

Genug Strom für 5 Billionen Menschen!

Doch Kalifornien ist erst der Anfang: Denn rechnet man alle Wüsten der Welt zusammen, so erhält man eine Fläche von knapp 30 Millionen Quadratkilometer. Das entspricht rund 20 Prozent der Landfläche der Erde. Würde man nun sämtliche Wüsten der Welt mit Solarkraftwerken ausstatten, ließen sich fünf Billionen Menschen mit Energie versogen!

Um diese gigantische Energiemenge nutzbar zu machen, haben die „Trecs“ – so nennen sich die Mitglieder der „Trans Mediterranean Renewable Energy Cooperation“ – das Desertec-Projekt ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist eine große, multinationale Energie-Partnerschaft zwischen Afrika, dem Nahen Osten und Europa. Der umweltfreundliche Solarstrom, der in riesigen Kraftwerken mitten in der afrikanischen und arabischen Wüste gewonnen wird, soll anschließend nach Europa weiterverkauft werden. Noch ist das Projekt nicht viel mehr als eine Zukunftsvision. Aber eine großartige allemal!

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie