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13. November 2012

Stundenhotel für Smartphones: The Electric Hotel lädt Akkus mit Ökostrom

Retro-Schick für Digital Natives: Der Airstreamtrailer aus dem Jahr 1960 ist das Herzstück von The Electric Hotel | Bild: The Electric Hotel

Retro-Schick für Digital Natives: Der Airstreamtrailer aus dem Jahr 1960 ist das Herzstück von The Electric Hotel | Bild: The Electric Hotel

 

Tanzen im Schlamm, drei Tage ohne Dusche, keine Steckdose weit und breit. Ein Festival-Besuch bedeutet für die meisten einen kurzen Abschied von den Errungenschaften der Zivilisation. Bei wem die Liebe zum Ursprünglichen jedoch nicht so weit geht, dass man auf das geliebte Smartphone verzichten möchte, dem naht Rettung in Form eines elektrischen Hotels.

Stromerzeugung erlebbar machen

Das Projekt des Teams rund um den Kasseler Künstler Sebastian Fleiter tourt seit 2011 auf Festivals, Industriemessen und Volksfesten, um müde Handy-Akkus wieder munter zu machen – mit 100 Prozent erneuerbarem Strom. Ob Wacken, Melt! Festival oder Musikmesse: mit der Mischung aus Unterhaltung und Kunst wird ökologisches Bewusstsein erzeugt und Stromerzeugung durch den Einsatz eigener Muskelkraft physisch erlebbar.

Retro-Schick für müde Akkus

Herzstück des Projekts ist ein silberner Airstream-Wohnwagen Baujahr 1960, auf dessen Dach der aus den Lettern alter Neonwerbungen recycelte Schriftzug „ The Electric Hotel“ leuchtet. Daneben thront eine 560 Watt starke Solaranalage und Windräder mit der Power von 800 Watt. Diese Anlage hält das Electric Hotel am Laufen. Und selbst bei schlechtem Wetter ist das Gefährt einsatzfähig, denn es besitzt zusätzlich einen Energiespeicher, der mit einer stationären Windkraftanalage der Städtischen Werke Kassel aufgeladen wird. So kann das Hotel zwei Tage völlig autark arbeiten.

Nach dem Ausfüllen des Check-In-Formulars an der Rezeption heißt es für müde Handy-Akkus „Ab ins Schließfach“ | Bild: The Electric Hotel

Nach dem Ausfüllen des Check-In-Formulars an der Rezeption heißt es für müde Handy-Akkus „Ab ins Schließfach“ | Bild: The Electric Hotel

 

Das Einchecken für Hotelgäste funktioniert folgendermaßen: An der Hotelrezeption im Look der 1920er Jahre füllt man ein Check-In-Formular aus und gibt sein Handy, Smartphone oder Tablet-PC in die Obhut einer freundlichen Rezeptionistin. Diese wiederum legt das gute Stück in eines der über 300 Bankschließfächer, die nachträglich mit unterschiedlichsten Anschlüssen zum Aufladen ausgestattet wurden. Sicher verschlossen findet das Handy dort für ein bis zwei Stunden Ruhe und kann nach dem Energietanken wieder vom Besitzer abgeholt werden. Bei Kosten von nur zwei Euro pro Stunde auf steckdosenarmen Festivalwiesen eine lohnenswerte Investition.

Elektrisches Lagerfeuer, Gruppengaudi und Strompumpe

Wer körperlich fit und dazu noch sparsam ist, der kann sein Gerät aber auch umsonst aufladen. Auf dem Energy Bike von The Electric Hotel wird der Handy-Besitzer zum Selbstversorger und lädt den Akku seines Schützlings mit seiner Muskelkraft auf. Das Abstrampeln wird schnell zur Gruppengaudi, denn der Radler lädt auch andere angeschlossene Telefone auf und wird daher von energiehungrigen Handy-Besitzern angefeuert.

Kontakte knüpfen auch ohne Lagerfeuer: Treffpunkt Electric Campfire. | Bild: The Electric Hotel

Kontakte knüpfen auch ohne Lagerfeuer: Treffpunkt Electric Campfire. | Bild: The Electric Hotel

 

Wem das zu laut ist, der genießt Lagerfeueratmosphäre am Electric Campfire, einem Stehtisch, an dem man sich mit Unbekannten Steckdosen teilen und so neue Festival-Bekanntschaften knüpfen kann. Weniger kontaktfreudige Zeitgenossen können sich auch von Animationsfilmen oder Dokumentationen zur Ökostromerzeugung unterhalten und informieren lassen.

Die Stationsangebote des Electric Hotel werden kontinuierlich erweitert, 2012 ist etwa mit Hydrocharge XXL ein mobiles Pumpspeicherkraftwerk hinzugekommen, das aus aufeinandergestapelten Wassertanks und ausrangierten Feuerwehrpumpen besteht. Festivalbesucher können per Hand das Wasser in die oberen Tanks pumpen, bevor es beim Zurückfließen über eine Turbine Energie erzeugt und Akkus neues Leben einhaucht.

Das über Sponsoren und Mieteinnahmen finanzierte Projekt ist mittlerweile ein so großer Erfolg, dass sich immer mehr Unternehmen und Festivalbetreiber auf ihren Veranstaltungen sich mit dem Electric Hotel schmücken wollen. Vielleicht touren ja in naher Zukunft verschiedene Ableger über Festivalwiesen in ganz Europa. Das Team um Sebastian Fleiter hat jedenfalls alle Hände voll zu tun und beweist so, dass Ökostrom auch rocken kann.

Mehr Infos und aktuelle Tour-Termine auf der Electric Hotel Website.

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie