#Energiewender  

Glückliche Gesichter bei der Tour de Riva | Jürgen Pfliegensdörfer
Glückliche Gesichter bei der Tour de Riva | Jürgen Pfliegensdörfer
26. Juli 2017

Tour de Riva – eine einzigartige Erfahrung

Die Tour de Riva zu fahren heißt, 777 km in sieben Tagen auf dem Fahrrad zu bewältigen. Unser Kollege von 123energie, Wolfgang Disser, ist die komplette Tour von Bensheim bis nach Riva gefahren und teilt seine Erfahrungen mit uns. Alle, die wissen möchten wie es sich anfühlt, eine Woche nur in Turnhallen zu schlafen, steilste Berge mit dem Fahrrad bei über 30 C° zu erklimmen und welche Glücksgefühle man bei einem Sprung in den Gardasee bekommt, können hier die Tagebuch-Highlights von Herrn Disser lesen.

Tag 1: Bensheim – Ettlingen

Mit BVB-Spieler Sebastian Rode | 123energie

Mit BVB-Spieler Sebastian Rode | 123energie

Der erste Tag war gefüllt mit Vorfreude, Motivation, Spannung auf die anderen Mitfahrer, und die Tour insgesamt. Am Tag eins und zwei starteten auch die Gewinner vom 123energie-Gewinnspiel. Die erste Gewinnerin traf am ersten Tag pünktlich morgens um acht Uhr in
Bensheim ein um mit uns allen an den Start zu gehen. Die 100 Streckenkilometer und 500 Höhenmeter meisterte sie grandios – immerhin ist sie schon fast 70 Jahre alt. Dabei stellte sie mehrere persönliche Rekorde mit dem Rad auf und wurde mit zwei La-Ola-Wellen vom Fahrerfeld an der Zielankunft gebührend gefeiert. Auch unser Vorstand Herr Chassein kam und wünschte allen Teilnehmern nur das Beste.
Begeistert hat mich, dass der Fußballprofi Sebastian Rode vom BVB Dortmund am Prolog des Vortags auch mitgefahren ist um die Tour de Riva zu unterstützen und Spendengelder zu sammeln.

Mit 123energie gemeinsam zum Ziel | Jürgen Pfliegensdörfer

Mit 123energie gemeinsam zum Ziel | Jürgen Pfliegensdörfer

Tag 2: Ettlingen – Hechingen

Ehrlich gesagt waren für mich die ersten beiden Nächte in der Turnhalle eine Herausforderung zur Ruhe zu kommen. Einige schnarchten so laut, ich nannte das „Kanonschnarchen“, dass es von den Anderen mehrere nächtliche Umzüge mit dem Klappbett in vermeidlich ruhigere Gefilde kam, nur um dort festzustellen, dass nach einiger Zeit auch dort „Sägewerke“ zum Einsatz kamen. Die blauen Ohrenstöpsel aus Silikon habe ich während der Tour sehr zu schätzen gelernt und kann sie nur wärmstens empfehlen :). Morgens lief es generell so ab: Geweckt wurden wir um 6:00 Uhr, bis 6.45 Uhr mussten wir das Nachtlager räumen und anschließend gab es Frühstück. Um 8:30 Uhr ging es dann los, an diesem Tag nach Hechingen über Pforzheim, weiter zum autofreien Sonntag, sodass uns Fahrradfahrern in Teilbereichen die ganze Strecke gehörte. Nachmittags fuhren wir bei 27 °C der Hohenzollernburg entgegen und wurden mit einem grandiosen Empfang der Stadt Hechingen begrüßt. Jazzmusiker und Tanzgruppen sorgten für ein stimmungsvolles Entree. Die Spendensumme lag inzwischen bei 187.000 Euro! Auch unser zweiter gut-trainierter Gewinner vom 123energie-Gewinnspiel war ganz begeistert von dieser tollen Tagesstrecke und bedauerte, dass er nicht die restliche Tour auch noch mitfahren konnte!

Tag 3: Hechingen – Friedrichshafen

125 km und 1.200 Höhenmeter standen am Ende des Tages auf dem Tacho und das bei über 30 °C. Diese Tagesstrecke war schon etwas anstrengender, landschaftlich jedoch sehr schön und zum Abschluss mit Blick auf den Bodensee. Dennoch waren wir glücklich, als wir am Etappenziel ankamen. Auch hier gab es einen überschäumenden Empfang mit Fanfarenklängen vom dortigen Fanfarenzug. Zum „Feierabend“ ging`s an die Beach Bar am Bodensee, wo man die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren ließ und spekulierte, was einem jetzt noch in den Alpen bevorsteht.

Tag 4: Friedrichshafen – Schruns

Von Friedrichshafen ging es nach Schruns, dass wir bei guter Stimmung und knackigen Temperaturen nachmittags erreichten. Die Spendensumme lag zu dem Zeitpunkt bei 241.000 Euro. Der Empfang dort ging bis in die Nacht hinein, was dem Teamgeist der Tour de Riva nur zu Gute kam. :)

Tag 5: Schruns – Landeck

Die Königsetappe der Tour de Riva folgte am kommenden Tag: 82 Streckenkilometer auf 1.480 Höhenmetern. Das hieß für viele von uns: am Vorabend keinen Alkohol, früh ins Bett und am nächsten Tag alles geben. Jeder hatte das gleiche Ziel vor Augen: Die Strecke zu bewältigen. Am morgendlichen „Tunnelblick“ der meisten aus dem Peleton merkte man schon, dass heute ein besonderer Tourtag angebrochen war. Alle haben es geschafft – mehr oder weniger schnell, teilweise kaputt aber glücklich, den Pass genommen zu haben. Man fuhr mit sich selbst wie in Trance und das Glücksgefühl am Paßziel „Bieler Höhe“ angekommen zu sein überkam jeden von uns – es war einfach gigantisch. Genauso wie der Empfang in Landeck. Jeder Tour-Radfahrer musste den dort wartenden Kindern ein „give me five“ geben, worüber sich alle freuten und was die Stimmung steigerte.

Tag 6: Landeck – Schlanders

Regelmäßige Pausen müssen sein | Jürgen Pfliegensdörfer

Regelmäßige Pausen müssen sein | Jürgen Pfliegensdörfer

Besonders eindrucksvoll war der Weg durch die herrliche Landschaft zur Norbertshöhe und über den Reschenpass.  Den Berg hoch zur Norbertshöhe wurden einige Helldogs der Tour von der Leine gelassen, das hieß für mich, mein Puls ging teilweise auf 159 hoch. 15 Kehren waren bei 34 °C zu bewältigen. Es war – auf gutdeutsch –  saumäßig anstrengend und die Geschwindigkeit und Trittfrequenz bergauf forderte uns in einer 4er-Gruppe abwechselnd die Führungsarbeit zu übernehmen. Es ist schon wirklich sehr beeindruckend, mit dem Rad über den Reschenpass zu kommen, mit dem schneebedeckten Ortler im Hintergrund und den abwärts führenden Straßenschleifen im apfelbaumbestandenen Vinschgau. Ab und zu mussten wir hier vom vielen Bremsen die Hände lockern. Wiederum glücklich und erschöpft kamen wir abends im Etappenziel an.

Tag 7: Schlanders nach Kaltern

Der nächste Tag brachte direkt morgens eine feuchtfröhliche Überraschung: Die Tourleitung gab abends zuvor bekannt, dass wir alle eine Stunde länger schlafen konnten. Zunächst schien alles normal, keine Wetter-App meldete Regen. Doch früh am Morgen war alles ganz anders: um 5:35 Uhr spielten sich plötzlich panische Szenen ab. Die öffentliche Sprinkleranlage vor der Turnhalle weckte die schlafenden Radler im Außenbereich, die nachts noch vor der Wärme in der Halle ins Freie wechselten. Was zunächst als übler Scherz von anderen Mitradlern angesehen wurde, entpuppte sich als Sturzbachregen und alle Betroffenen waren ganz schnell aufgeweckt. Fassungslos standen die Beteiligten vor den sich ergießenden Wassermassen mehrerer sich überschneidenden Sprinkler. Klappbetten, Kissen und Schlafsäcke und die „Tagträumer“ selbst, waren binnen weniger Sekunden total durchnässt. Um 6:00 Uhr war der Spuk vorbei, viele klatschnass, die meisten hellwach und alle mit einem Lachen im Gesicht. Man muss bei der Tour auch raus aus seiner sonst üblichen Komfortzone und nimmt solche Geschehnisse locker in Kauf.

Nach dem frischen Start in den Tag ging es zur zweitletzten Etappe der Tour de Riva, nach Kaltern in Südtirol. 73 Kilometer durch den Obstgarten Südtirols, bei 32 Grad forderte uns auch ganz schön. Im Etappenziel angekommen gab es einen herzlichen Empfang am Marktplatz und der ein oder andere Teilnehmer nahm ein kühlendes Bad im Marktplatzbrunnen ­– was zur allgemeinen Erheiterung bei uns und in den umliegenden Gastronomiebetrieben beitrug.

Tag 8: Kaltern – Riva del Garda

Am letzten Tag der Tour de Riva sind alle Teilnehmer beim mit über 34 Grad wohl heißesten Tourtag wohlbehalten am Zielort, Riva del Garda, angekommen. Natürlich war das nach all den gestrampelten Kilometern und Höhenmetern ein sehr emotionaler Moment. Sich abklatschen oder drücken – und auch die ein oder andere Träne vergießen gehörte dazu. Und dann kam der Glückssprung in den Gardasee – wir strahlten alle vor Glück! Geschafft, und alle sind heil und ohne ernsthafte Blessuren oder Verletzungen angekommen. Das Abschlusshighlight war der abendliche Auftritt der eigens dafür angereisten „Big Band der Bundeswehr“. Diese heizten die mehreren tausend Konzertbesucher in Riva richtig ein. Muskelkater und Verspannungen waren passé. Dancing und mitsingen dafür angesagtJ.

Der Glückssprung nach dem Ende der Tour der Riva | Jürgen Pfliegensdörfer

Der Glückssprung nach dem Ende der Tour de Riva | Jürgen Pfliegensdörfer

Ich bin sehr glücklich und dankbar, an dieser Tour teilgenommen zu haben. Auch, dass mein Arbeitgeber 123energie ein Teilsponsor war. Einige Mitfahrer denken jetzt sogar darüber nach, deshalb dahin zu wechseln.

Letzte Worte zur Tour de Riva

Wer so was noch nicht gemacht hat und körperlich einigermaßen fit ist, sollte es meiner Meinung nach tun, weil man sich direkt einbringen kann, lernt Kompromisse einzugehen, raus aus seiner persönlichen „Komfortzone“ muss, ein gemeinsames Ziel mit Gleichgesinnten hat, viele tolle Leute kennenlernt, interessante Gespräche führt und letztlich etwas Gutes für Andere tut, denen es nicht so gut geht. Kurzum, weil man „geerdet“ wird und dankbar ist, gesund zu sein.

Insgesamt hat die Tour de Riva 447.000 € erradelt – was uns alle sehr stolz macht. Es war einfach eine einmalige, gigantische Erfahrung!

Stichwörter: , , , , , , ,

Kategorisiert in:

Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie