Zukunft Energie  

28. August 2012

Trimm dich frei mit selbstgemachtem Ökostrom

Brasilianische Häftlinge strampeln für die Freiheit | Bild: YouTube / dapdvideo

Brasilianische Häftlinge strampeln für die Freiheit | Bild: YouTube / dapdvideo

 

José Henrique Mallmann hatte eine besondere Idee. Der Richter aus Brasilien entschloss sich zusammen mit dem Gefängnisdirektor Gilson Rafael Silva ein unvergleichliches Projekt zu starten. In einem kleinen Gefängnis in Santa Rita do Sapucaí stehen jetzt vier rote Fahrräder. Auf ihnen dürfen nun acht Insassen täglich bis zu acht Stunden radeln. Wozu all das?

Ökostrom auf Trimmrädern

Das Hinterrad des Heimtrainers läuft über die Spule einer Lichtmaschine und erzeugt so durch die Bewegung Strom, der dann in einer Autobatterie gespeichert wird. Diese Elektrizität wird in einen Akku geleitet, der jeden Abend an die Strandpromenade gebracht wird. Dort werden schon jetzt 10 der 34 Lampen beleuchtet und geben den Einwohnern ein Gefühl von Sicherheit. Die Straße, die vor allem nachts gemieden wurde, ist nun wieder belebter. Begeisterte Bürger der Stadt steuerten die Autobatterien und das Know-how bei, die umgebauten Räder kommen aus dem Fundbüro.

Drei mal acht Stunden Stromgewinnung = ein Tag Freiheit

Nebenbei können die Häftlinge dabei ganz einfach ihre Strafhöhe senken. Drei Tage je acht Stunden strampeln bedeuten einen Tag weniger Haft. Früher verbrachten die Häftlinge die ganze Zeit eingeschlossen in ihren Zellen und sahen die Sonne nur ein, zwei Stunden am Tag. Jetzt sind sie draußen an der frischen Luft, produzieren Elektrizität für die Stadt und gewinnen so sogar noch Zeit für ihre Freiheit.

Gemeinschaft und Selbstwertgefühl

Das Pilotprogramm hat mehrere positive Aspekte sowohl für die Häftlinge als auch für die Gefängnisse, wie sich herausgestellt hat. Menschen, die sonst am Rand der Gesellschaft stehen, können etwas für die Gemeinschaft leisten und kommen so nicht nur früher frei, sondern gewinnen auch ihr Selbstwertgefühl zurück. Ebenso fördert das „Training“ die Gesundheit der Insassen und gibt ihnen wieder das Gefühl, etwas Sinnvolles tun zu können. Die spätere Resozialisierung soll ebenfalls einfacher verlaufen. Die Idee des „Straferlasses durch Stromerzeugung“ trifft vor allem in den viel zu vollen Gefängnissen Brasiliens auf große Begeisterung, da es auf Dauer die Zahl der Insassen verkleinert.

Strom-Pilotprogramm mit Zukunft?

Wie sich das Projekt in der nächsten Zeit entwickeln wird und ob es sich auch in weiteren Gefängnissen als Maßnahme festigt, ist noch schwer zu sagen. Kritiker bemängeln, dass man es den Insassen zu einfach mache und dass Schwerverbrecher genauso behandelt würden wie Kleinkriminelle. Eine spannende und wegweisende Idee bleibt das Abstrampeln für die Freiheit in Hinblick auf den Umgang mit Gefangenen und die Stromgewinnung aber bestimmt.

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