Globales Denken  

9. Februar 2012

Überstunden für Wetterfrösche: Wie Ökostrom und Wetterbericht zusammen- hängen

„Was kann ich denn dafür?“ Bitte etwas mehr Verantwortungsbewusstsein, Herr Wetterfrosch!

„Was kann ich denn dafür?“ Bitte etwas mehr Verantwortungsbewusstsein, Herr Wetterfrosch! | Bild: Photocase /  MauMyHaTa

Mit den Wettervorhersagen ist es ja bekanntlich so eine Sache: Wer hat es noch nicht erlebt, dass falsche Prognosen den geplanten Grillabend oder Wochenendausflug im wahrsten Sinne des Wortes verhagelt haben? Doch dass bei wolkenverhangenem Himmel oder Windflaute zu Hause die Lichter ausgehen, ist neu. Allerdings nicht ganz unlogisch: Denn je rasanter es mit der Energiewende vorangeht, desto abhängiger wird unsere Energieversorgung von Wetterphänomenen. Schließlich wird Ökostrom, vor allem aus Wasserkraft, Wind oder Sonne gewonnen.

Wissen, wann dem Wind die Puste ausgeht: So funktionieren moderne Windstromprognosen

Doch leider sind Wind und Sonne nicht unbedingt immer dann verfügbar, wenn wir unsere Wäsche waschen oder unsere Lieblings-TV-Serie schauen wollen. Damit eine unvorhergesehene Windflaute nicht eine fatale Kettenreaktion auslöst und letztlich sogar unser gesamtes Stromnetz zusammenbrechen lässt, arbeiten Experten bereits seit Jahren akribisch an Computerprogrammen, die präzisere Wind- und Solarstromprognosen liefern können.

Diese Programme funktionieren so: Der Computer klaut sich aus den aktuellen Wetterberichten die vorhergesagten Windgeschwindigkeiten und berechnet anschließend abhängig vom Anlagentyp und der Anordnung der Rotoren die Leistung, die ein Windpark am nächsten Tag erbringen kann. Das Hauptproblem bei dieser Form der Windstromprognose bleibt allerdings die Tagesform der Wetterfrösche oder anders ausgedrückt: die Qualität der Wetterberichte. Aktuell liegt nämlich die Fehlerrate dieser Prognosen bei rund fünf Prozent. Das hört sich zwar nicht dramatisch an, kann aber in der Praxis bedeuten, dass ein gesamtes Großkraftwerk einspringen muss, um diese unerwartete Schwankung auszugleichen.

Sag mir, wie grün mein Strom morgen wird: Die Anforderungen an Wetterdienste steigen

Somit spielen die Wetterdienste für den geplanten Anstieg des Anteils von regenerativen Energien am Strommix eine nicht zu unterschätzende Rolle, da sie der Energiebranche mit zuverlässigeren Prognosen mehr Planungssicherheit geben können. Mit allzu spektakulären Fortschritten ist allerdings nicht zu rechnen. Denn Verbesserungen der Prognosen um vier bis zehn Prozent gelten in der Welt der Wetterberichte bereits als echte Quantensprünge.

Vielversprechend klingt daher das Verfahren, das die MeteoGroup jetzt für ihre Kunden aus dem Energiesektor entwickelt hat: Mit dem Multi-Model-MOS lassen sich nämlich die Vorhersagen um bis zu zehn Prozent verbessern, da sich über die verstärkte Berücksichtigung von lokalen Wetterdaten auch punktgenaue, kurzfristige Vorhersagen treffen lassen. Alle Wind- und Solarparkbetreiber dürfte das sicherlich freuen, dass sich die Überstunden der Wetterfrösche scheinbar ausgezahlt haben.

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