Globales Denken  

9. Dezember 2011

UN-Klimagipfel 2011 in Durban: Die Luft wird dünner für den Klimawandel

10-tägiges Rumgeschacher: Klare Niederlage für das Weltklima | Bild: photocase / kallejipp

10-tägiges Rumgeschacher: Klare Niederlage für das Weltklima | Bild: photocase / kallejipp

Jetzt aber! Alle Mann antreten zum Welt-Retten! Für eine Mannschaft aus 20.000 Delegierten, Experten und Gästen aus 191 Ländern, die in Durban zum mit Spannung erwarteten 17. UN-Klimagipfel zusammenkamen, sollte das doch eigentlich kein Problem sein.

Doch schon bald herrschte statt Euphorie globale Ernüchterung: Die Kanzlerin wollte nicht mehr an den großen Durchbruch glauben, die Industriestaaten kritisierten Entwicklungsländer für ihre Umweltpolitik und China will nun doch die Umwelt retten – allerdings nur ein bisschen. Ein weltweiter Konsens für ein Klima-Abkommen? Davon blieben die Vertreter der Teilnehmer-Staaten in Südafrika weit entfernt.

Moralische Appelle und wirtschaftliche Argumente knallen aufeinander

Europa könne das Klima nicht alleine retten, so die Kritik von Angela Merkel in ihrer Video-Botschaft. Schwellenländer wie Indien setzten bei den Verhandlungen nämlich auf eine Fortsetzung des Kyoto-Protokolls, das eigentlich 2012 enden sollte. Der Vertrag legte fest, dass nur Industriestaaten dazu verpflichtet seien, ihren Treibhaus-Ausstoß zu reduzieren, während sich alle anderen Nationen auf freiwilliger Basis am Klimaschutz beteiligen könnten. Oder eben nicht. Denn für die Mehrheit der Schwellenländer ist es zunächst wichtiger, ihre Wirtschaft anzukurbeln.

Moralische Klima-Appelle gegen wirtschaftliche Interessen: Das war einer der Hauptgegensätze, der in Durban auf diplomatischem Weg nicht aufgelöst werden konnte. Immerhin zeigte sich Chinas Verhandlungsführer überraschend gesprächsbereit. Doch bevor sein Land rechtlich bindende Verpflichtungen zum Klimaschutz eingehen wolle, müsse ein ganzer Katalog an Forderungen erfüllt werden: Vor allem sollten sich große Industrienationen wie die USA stärker an bereits bestehende Klimavorgaben halten.

Nach uns die Sintflut: Keine Lösung für drohende Klimakatastrophen

CO2 –Emissionen? Klimawandel? Dafür wollte in Durban niemand verantwortlich sein. Dabei legte die auf Risikoanalyse spezialisierte Firma Maplecroft eindeutige Fakten vor: Fünf Länder, allen voran China, gefolgt von den USA, Indien, Russland und Japan, verursachen die Hälfte der weltweiten CO2 –Emissionen. Ohne das Mitwirken dieser Nationen ist es also unmöglich, das internationale Klimaziel zu erreichen: den globalen Anstieg der Temperatur auf maximal 2 Grad bis 2100 zu beschränken. Dabei sind die Schreckensszenarien des Klimawandels hinlänglich bekannt.

Dass es technisch wie wirtschaftlich problemlos machbar ist, das Klimaziel zu erreichen, besagt ein Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP), der ebenfalls im Rahmen der Klimakonferenz veröffentlicht wurde. Nur am Einsatz der Staaten mangele es, was diese leider auch in Durban wieder unter Beweis stellten.

Noch erschreckender als das Ergebnis ist eigentlich nur die Tendenz dieses UN-Klimagipfels: Denn die Zahl der „Klima-Aussteiger“ hat seit der Kyoto-Konferenz 1997 stark zugenommen. Falls sich in Sachen Klimaschutz tatsächlich noch etwas bewegt, dann bestenfalls mit ökologischer Kleinstaaterei. Auf internationaler Ebene sind die Fronten jedenfalls verhärtet.

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