Globales Denken  

25. März 2011

Und wie Sie sehen, sehen Sie nichts – Earth Hour für Energiewende und Ökostrom?

 

Für 60 Minuten im Dunkeln | Bild: shutterstock / BelarusBSUIR

60 Minuten Dunkel | Bild: shutterstock / BelarusBSUIR

Am Samstag, den 26. März 2011, rollt die Finsternis einmal rund um den Globus, wenn alle Welt um 20:30 Uhr Ortszeit das Licht ausknipst. Millionen von Menschen aus über 4.600 Städten in 128 Ländern wollen dann eine Stunde lang im Dunkeln stehen – und ein Zeichen setzen für eine sichere Energie- und Klimazukunft. Mit dabei sind Versicherungen, Banken, Hotels, auch Bauwerke und Wahrzeichen wie Kirchen, Schlösser, Opern, deren Beleuchtung auf die Sekunde abgestellt wird. So werden auch das Empire State Building in New York, Big Ben in London und der Eiffelturm in Paris während der Earth Hour unbeleuchtet sein. Schon viermal hat der WWF die Earth Hour veranstaltet. Unter dem Motto „Abschalten! Umschalten!“ sollen dieses Jahr die 60 Minuten Dunkelheit auch Anlass geben, über den Wechsel zum Ökostrom nachzudenken.

Kritische Stimmen im Netz

Dieser Aktionismus für den Klimaschutz ist großartig – ein wahres Highlight! Sich daran zu beteiligen ist wichtig, sagen die einen. Oder nur bequem und zum eigenen Vorteil, die anderen. Vielleicht ist es wieder nur „die Suche nach einem guten Gefühl, aber ohne sich dabei die Hände schmutzig zu machen“, wie es die amerikanische Autorin Barbara Mikkelson beschreibt. Die Teilnahme einiger Unternehmen sei nur dem nutzbaren PR-Effekt geschuldet. Auch eine gewisse Widersprüchlichkeit wird kritisiert: Zahlreiche Städte tauchen sich bei dieser Aktion 60 Minuten lang in tiefes Dunkel und brüsten sich mit Strom-Sparen. Bei Events wie einer Luminale strahlen dieselben Städte allerdings hell erleuchtet um die Wette – und zwar mehrere Nächte lang.

Ebenso im Netz viel diskutiert ist auch der Aspekt der Kraftwerke: Das Pro-Energie-und-Klima-Event senke weder Energieverbrauch noch CO2-Ausstoß – im Gegenteil: 60 Minuten seien viel zu kurz, um effektiv Energie sparen zu können. Denn die Kraftwerke produzieren weiterhin die gleiche Menge an Strom bei der gleichen Menge CO2-Ausstoß. Da allerdings die Nachfrage während der Earth Hour geringer ist, entstehe ein Überschuss an Energie, die nutzlos verloren gehe, behaupten Blogger. Selbst wenn es zu einer Abschaltung der Kraftwerke kommen würde, weil die Netzfrequenz ansteigt, würde sehr viel Energie benötigt werden, diese nach Ablauf der 60 Minuten wieder hochzufahren, melden sich andere zu Wort.

Earth Hour mit Symbolcharakter verstehen

Tatsächlich aber ist der Umgang mit Schwankungen im Netz Tagesgeschäft für die Netzbetreiber. Eine ähnliche Situation besteht beispielsweise täglich ab ca. 20 Uhr zu Spitzenzeiten des Stromverbrauchs, wenn an Millionen Fernsehern die Tagesschau flimmert. Unser Stromnetz wird durch eine so kurze Aktion kaum beeinflusst. Außerdem macht Licht allein am Gesamtstromverbrauch nur unter 10 Prozent aus.

Die Earth Hour kann sicherlich das Bewusstsein für den nachhaltigen Umgang mit Energie stärken. Sie als Aktion, die Strom spart, zu verstehen, wäre falsch. Weit sinnvoller ist es, wenn tatsächlich jeder von uns im Alltag sein Verhalten reflektiert und in kleinen Schritten umweltbewusst handelt, beispielsweise mit einer vernünftigen Gebäudedämmung, einer energiesparenden Haushaltsführung oder der Entscheidung für Ökostrom.

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