Zukunft Energie  

25. November 2011

Wahnsinnige oder Superhelden? Warum die USA eine halbe Mrd. in schräge Forschungsprojekte steckt

Guten Rutsch: Wo die rasante Fahrt bei vielen Energieprojekten hinführt, ist allerdings ungewiss | Bild: photocase / froodmat

Guten Rutsch: Wo die rasante Fahrt bei vielen Energieprojekten hinführt, ist allerdings ungewiss | Bild: photocase / froodmat

„High risk, high reward“ – so könnte das Credo der ARPA-E lauten. Denn bei den Projekten, die von der noch jungen Agentur gefördert werden, geht es nicht darum, bestehende Technologien ein paar Quäntchen effizienter zu machen. Man fahndet nach echten Wissenschaftsknallern, die einen technologischen Durchbruch bringen.

Um zu verhindern, dass geniale Ideen im Energiesektor in Papierkörben landen, hat das US-Energieministerium die Agentur „Advanced Research Projects Agency – Energy“, kurz ARPA-E, ins Leben gerufen. Mit einem Budget von 400 Millionen Dollar fördert die Behörde gezielt solche vermeintlichen „Spinner“-Konzepte, die Banken oder Forschungseinrichtungen zu schräg sind und als wenig erfolgsversprechend gelten.

Angesichts des rasanten Wachstums der Schwellenländer, des stetig wachsenden Energiebedarfs und der immer knapper werdenden fossilen Rohstoffe erscheint es auch notwendig, auf wirkliche Innovationsschübe zu setzen. Warum ein bis zwei Schritte nach vorne kommen, wenn man auch zehn auf einmal schaffen kann?

Sprit aus frisierten Bakterien, kalte Getränke dank Schallwellen: Genial-schräges aus den Laboren

Selbst wenn nur ein paar der aktuell rund 117 Forschungsprojekte zünden und sich die restlichen als Riesen-Flops entpuppen, wird sich das Förderprogramm am Ende auszahlen.

Was die Forscher mit ihren Fördergeldern in den Laboren treiben, ist nicht selten mehr als schräg: Aktuell arbeiten gleich mehrere Forschungsteams daran, verschiedenste Mikroben gentechnisch so zu verändern, dass sich aus ihnen billig und klimafreundlich Treibstoff herstellen lässt. Theoretisch könnte dieser durch künstliche Fotosynthese produzierte Sprit zehnmal effektiver sein als der heutige Rapsdiesel oder Bioethanol.

Ebenfalls genial, aber weit weg vom Forschungsmainstream sind Projekte, die Kühlschränke oder Klimaanlagen entwickeln, die über Schallwellen oder Stabmagneten funktionieren sollen und vollkommen ohne klimaschädliche Kühlmittel auskommen. Außerdem arbeiten Forscher der Georgia Tech Research Corporation derzeit an einem Verfahren, das klobige Netzteile für Laptops oder Handys auf die Größe eines Chips zusammenschrumpft und somit Wärmeverluste fast vollständig vermeidet. Das ambitionierte Ziel der Forschungsgruppe: Den Stromverbrauch um satte 30 Prozent zu reduzieren.

Das 21. Jahrhundert gehört den Wissenschaftspunks!

Grund zur Freude bei allen „Wissenschaftspunks“: Die ARPA-E steht für ein Umdenken in der Forschung. Die Wissenschaftler setzen verstärkt auf radikale Ideen. So auch aktuell in Deutschland, wo man im Bundesforschungsministerium über die Einführung einer sogenannten „Zukunftswerkstatt“ für die gezielte Förderung von Hochrisiko-Projekte diskutiert. Möglicherweise bekommt damit der nächste Einstein eine Chance zur Veränderung der Welt.

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