Globales Denken  

30. November 2011

Warnung des UN-Klimarates IPCC: 50 Grad im Schatten und andere Extremwetter

Schmoren wir bald alle während sengendheißer Hitzeperioden wie Brathähnchen? Werden wir in Jahrhundertfluten davon geschwemmt oder müssen gegen heimtückische Seuchen ankämpfen?

Es könnte durchaus ungemütlich werden. Der UN-Klimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz: IPCC) untersuchte nämlich die Auswirkungen der globalen Erderwärmung auf Naturkatastrophen und extreme Wetterverhältnisse. In einer neuen 700-Seiten-Studie „Managing the Risks of Extreme Events and Disasters to Advance Climate Change Adaptation (SREX)“ prognostizieren die Klima-Experten für Europa und die Welt Zukunftsszenarien, die alle bisher geltenden Naturgesetze aus den Angeln zu heben scheinen.

Bis zum Jahr 2100 soll sich die Erde um 1,1 bis 5,4 Grad Celsius erwärmt haben. Seit der Beginn der Industrialisierung in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts ist die Durchschnittstemperatur der Erde bis heute bereits um circa 0,7 Prozent gestiegen. Wie hoch das Thermometer genau klettert, hängt vom Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum und folglich den CO2-Emissionen ab, aber klettern wird es – und zwar schneller als je zuvor.

Ist bald alles im Eimer? | Bild: photocase / Mr. Nico

Ist bald alles im Eimer? | Bild: photocase / Mr. Nico

Durch den weiteren Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur schreitet die Gletscherschmelze verstärkt voran, woraufhin der Meeresspiegel steigt. Die Folgen sind extrem heiße Trockenperioden, starke Niederschläge, Überschwemmungen und Flutwellen mit darauffolgenden Seuchen und Hungersnöten. All das wird im aktuellen IPCC-Report als „wahrscheinlich“ bis „sehr wahrscheinlich“ eingestuft. Nicht ganz einig sind sich die Forscher über die Zunahme von Dürren, tropischen Wirbelstürmen und Waldbränden, die nur als „möglicherweise wahrscheinlich“ bezeichnet werden.

36 Grad und es wird noch heisser

Was bedeutet das konkret für Deutschland? Wer sich noch an unseren „Jahrhundertsommer“ im Jahr 2003 erinnert, der kann sich vorstellen, wie sich Tageshöchsttemperaturen von 40 Grad anfühlen. Bis 2100 können es im Osten und Süden Deutschlands bis zu 10 Grad heißer sein! 50 Grad im Sommer sind dann durchaus möglich. Das sagt der Kieler Klimaforscher Professor Mojib Latif in einem Interview im Deutschlandradio, das er im November zum veröffentlichten IPCC-Report gab.

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Vor allem ältere und kranke Menschen werden ernste gesundheitliche Probleme bekommen. Die weltweit höchste Temperatur wurde übrigens in der Lut-Wüste im Iran gemessen. Sie betrug 70,7 Grad Celsius. Die Umwelt ist dort so lebensfeindlich, dass nicht einmal Bakterien überlegen können.

Weitere Folgen der Erderwärmung für Deutschland: Fehlt das Wasser in den Flüssen, kommt die Kühlung der Kraftwerke zu kurz, was unsere Energieversorgung in der Zukunft beeinträchtigen kann. Auf der anderen Seite könnten unsere Nachkommen mit immer häufigeren sintflutartigen Regenfällen zu kämpfen haben, die Überschwemmungen hervorrufen.

Gibt es noch eine Chance, die globale Erderwärmung zu begrenzen?

Es bleibt nur noch wenig Zeit. Da der CO2-Ausstoß so schnell in die Höhe schießt, wie man es vor 20 Jahren nie hätte erwarten können, müsste der Umbruch sehr schnell kommen. Vor allem, wenn das Ziel des Welt-Klimagipfels in Kopenhagen im Jahr 2009, die „2-Grad-Marke“ der Erderwärmung nicht zu überschreiten, weiterhin gelten soll.

Dafür müssten die Klimaschutz-Zusagen der Industrieländer ambitionierter werden. Außerdem fordern die IPCC-Forscher Pläne zur Sicherung der Wasserversorgung, zu Frühwarnsystemen, zum Bau von Dämmen an Flüssen und Küsten sowie zur Aufrüstung von Gebäuden und der Infrastruktur.

Bis zum 9. Dezember findet gerade wieder eine UN-Klimakonferenz in Durban, Südafrika statt. Wie groß der nächste Schritt in die richtige Richtung sein wird? Was glaubt Ihr? Werden die aktuellen Debatten zum Klimawandel irgendetwas bringen? Sind die Zukunftsszenarien nur Panikmache? Oder seid Ihr ernsthaft beunruhigt? Wir werden die Verhandlungen in Durban genau verfolgen.

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