Andreas Memmer von den Pfalzwerken sorgt dafür, dass die Energiewende auch auf den Straßen ins Rollen kommt. Quelle: Privat und suze / photocase.com
Andreas Memmer von den Pfalzwerken sorgt dafür, dass die Energiewende auch auf den Straßen ins Rollen kommt. Quelle: Privat und suze / photocase.com
16. Februar 2018

„Wer einmal in einem Elektroauto saß, will kein anderes mehr fahren“

Nicht einmal ein Prozent der in Deutschland zugelassenen Pkw sind Elektroautos oder fahren mit Hybridantrieb. Das zeigt, wieviel Luft nach oben in diesem Bereich der Energiewende noch ist. Deshalb brauchen wir Menschen, die vorausgehen und aktiv die Energiewende umsetzen. Wir nennen sie #Energiewender und stellen sie Dir näher vor – heute Andreas Memmer. Er ist bei den Pfalzwerken* im Bereich Elektromobilität und Energiedienstleistungen tätig und sorgt dafür, dass immer mehr Ladestationen für Elektroautos, E-Bikes und Co. aufgestellt werden.

Herr Memmer, fahren Sie selbst ein Elektroauto oder ein anderes Elektrofahrzeug?
Ich fahre seit zehn Jahren gar kein eigenes Auto. Ich bin Carsharing-Nutzer, vor allem auch E-Carsharing.

In anderen Ländern gibt es schon viel mehr E-Fahrzeuge auf den Straßen. Warum tun wir uns mit der E-Mobilität im Vergleich zu China, Norwegen, USA oder Japan noch schwer?
Das liegt meiner Meinung nach an mehreren Faktoren: Deutsche kaufen gerne von deutschen Herstellern – also VW, Mercedes oder BMW. Von denen gibt es schon vereinzelt Elektroautos, die auch konkurrenzfähig sind, zum Beispiel den E-Golf oder den stark nachgefragten E-Smart. Aber in ein, zwei Jahren kommen da noch deutlich bessere E-Autos von deutschen Herstellern, die dann auch die Deutschen noch besser ansprechen. Bei den Schlagwörtern Reichweite, Ladeinfrastruktur und Preis ist es eigentlich nur noch der Preis, der hemmen könnte. Denn die Ladeinfrastruktur wird kräftig ausgebaut – und damit fällt vielleicht auch die Angst um die Reichweite weg, die bei den Deutschen noch in den Köpfen verankert ist. Obwohl man eigentlich jetzt schon 200 km weit kommt, ohne Strom tanken zu müssen.

Was könnte denn momentan noch mehr Schwung in die E-Mobilität in Deutschland bringen?
Ein positiver Treiber für’s Elektroauto ist auf jeden Fall, wenn man mal selbst gefahren ist. Dann will man gar kein anderes Auto mehr fahren. Ich empfehle auf jeden Fall, mal eines auszuleihen, zum Beispiel übers E-Carsharing. Es ist ein ganz anderes Fahrgefühl – viel rasanter die ersten 100 km/h – und gleichzeitig vor allem innerorts leiser. Gerade diese Leistung, die ganz am Anfang schon bereitsteht, kombiniert mit einem intelligenten System, das macht schon ziemlich Spaß. Verglichen mit einem gewöhnlichen Auto ist es wie der Unterschied zwischen einem Smartphone und einem alten Handy.

Welche Vor- und Nachteile haben Dorf- oder Stadtbewohner, wenn in ihrer Umgebung immer mehr Autos, Roller, Lkw oder Busse mit Elektroantrieb fahren?
Die Vorteile sind ganz klar weniger Verkehrslärm und dass weniger Schadstoffe vor Ort in die Luft gelangen. Das Thema Emissionen betrifft aber auch die Erzeugung des Stroms, den die Fahrzeuge laden und die Herstellung der E-Fahrzeuge selbst. Wenn für beides Ökostrom genutzt wird, ist das ebenfalls umweltfreundlicher und besser für unsere Gesundheit. Die Nachteile der E-Mobilität: Die Verkehrsteilnehmer müssen noch aufmerksamer sein als jetzt, wo sich viele auf ihr Gehör verlassen und eben nicht in alle Richtungen schauen. Aber es gibt natürlich inzwischen auch intelligente Fahrassistenten, die in Elektroautos verbaut sind, und die die Unfallgefahr wiederum verringern.

Die Pfalzwerke kümmern sich darum, dass in Südwestdeutschland immer mehr Ladesäulen für Elektroautos, -roller und -fahrräder aufgestellt werden. Wie viele Ladestationen sind momentan in Betrieb und wie viele sollen es in 10 Jahren sein?
Wir sind momentan Eigentümer und Betreiber von 10 Ladesäulen, wobei quasi täglich neue hinzukommen. Und wir betreiben zusätzlich acht Ladesäulen, die andere Eigentümer haben. Jede Ladesäule hat übrigens mehrere Ladepunkte, meist zwei. Unser Ziel ist, 350 Ladepunkte bis zum Jahr 2020 zur Verfügung zu stellen, also ca. 175 weitere Ladesäulen zu betreiben.

Wo kann man Ladestationen überhaupt aufstellen?
Zuerst braucht man natürlich einen Netzanschluss. Deshalb scheitert das Aufstellen von Ladesäulen an manchen Stellen in der grünen Wiese noch, weil dort nicht genügend Leistung zur Verfügung steht, um die Säule betreiben zu können. Wir brauchen eine Anschlussleistung von mindestens 50 kW, das entspricht ungefähr zwei Hausanschlüssen. Ist die Leistung gegeben, kann man Ladestationen überall da aufstellen, wo folgende weitere Kriterien erfüllt sind: Man braucht einen Stellplatz pro Ladepunkt. Dieser Platz muss dauerhaft für Elektrofahrzeuge reserviert sein, damit er nicht von anderen Autos zugeparkt wird. Dann sollten die Ladepunkte und -säulen an zentralen Stellen aufgestellt werden, wie zum Beispiel an Einkaufszentren, sodass man während des Ladens etwas erledigen kann. Außerdem wichtig: die Sichtbarkeit der Ladesäulen, gerade auch für die Leute, die wir von E-Mobilität noch überzeugen wollen. Und der Zugang ist natürlich zentral, damit man auch 24/7 ungehindert tanken kann. Bei einem Supermarkt haben wir zum Beispiel manchmal das Problem, dass dort die Schranken nach Ladenschluss runtergehen.

Woher weiß ich als Nutzer, wo ich überall Strom tanken kann?
Zunächst einmal: Jeder kann sein Elektroauto an einer normalen Haushaltsteckdose laden. Natürlich relativ langsam, mit zwei kW. Zudem sollte vorher, am besten durch eine Fachkraft, geprüft werden, ob diese Steckdose ausreichend elektrotechnisch abgesichert ist. Die Ladeleistung sowie die Sicherheit kann man dann mit einer Heimladestation erhöhen, bis auf 22 kW. Für die öffentlichen Ladestationen gibt es viele Ladefinder-Apps von Anbietern wie den Pfalzwerken. Das umfangreichste Verzeichnis gibt’s vom Going-Electric-Forum, in dem Privatleute stark engagiert sind. Da werden Ladesäulen schon innerhalb von ein bis zwei Tagen nach Inbetriebnahme gelistet. In diesem Forum gibt es zum Beispiel auch einen optimierten Routenplaner, bei dem man die Strecke und Reichweite seines Autos eingibt und dann wird genau angezeigt, wann und wo man nachladen muss um eine optimale Zeit und Geschwindigkeit zu erreichen. Das ist gerade für Autofahrten optimal, die länger gehen als die durchschnittliche Reichweite, also vielleicht 300–400 Kilometer.

 Wieviel kostet eine 100-Kilometer-Fahrt mit einem Elektroauto im Vergleich zu einem Benziner?
Mit einem Benziner bei sechs Litern Verbrauch pro 100 Kilometer und 1,30 Euro pro Liter kostet mich die Fahrt acht Euro. Mit einem E-Auto bei 16 kWh-Verbrauch pro 100 km und einem Strompreis von 25 Cent die kWh bin ich bei vier Euro.

Haben Sie noch einen Tipp für unsere Leser, wie sie in ihrem mobilen Alltag zur Energiewende beitragen können?
Ich laufe gerne und fahre viel Fahrrad und das ist auch der Tipp, der am einfachsten umzusetzen ist: Kurze Strecken zum Bäcker, zum Einkaufen, vielleicht sogar zur Arbeit, einfach zu Fuß gehen und die frische Luft genießen J. Und klar, Carsharing ausprobieren – schauen, wie es sich anfühlt, kein eigenes Auto zu haben. Einfach mal ein Elektroauto ausleihen, reinsetzen, Spaß haben.

Hand aufs Herz – was gehört privat zu Ihren größten Klimakillern?
Die fleischfressende Katze in meinem Haushalt.

Mit wem würden Sie sich gern einmal über die Energiewende unterhalten?
Wir haben schon genug über die Energiewende geredet. Wir sollten es endlich anpacken.

Vervollständigen Sie bitte den Satz: Die Energiewende ist …
… alternativlos.

 

*Die Pfalzwerke sind der größte Energieversorger in der Pfalz und im Saarpfalz-Kreis, zu dem auch die Onlinemarke 123energie gehört.

 

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie