Zukunft Energie  

17. Oktober 2011

Wie sieht unsere Welt nach der Energiewende aus? Ein Blick ins Jahr 2050

Mit Elan um die Kurve, dann immer steil bergauf: Energiewende wir kommen? | Bild: photocase / Alina Kimmer

Mit Elan um die Kurve, dann immer steil bergauf: Energiewende wir kommen? | Bild: photocase / Alina Kimmer

Herr Müller ist heute Morgen spät dran. Zum Glück braucht er für den Weg in die Innenstadt nur wenige Minuten, da der Straßenverkehr nur für Elektroautobesitzer wie ihn freigegeben ist. Deshalb erreicht Herr Müller gerade noch pünktlich seinen Arbeitsplatz. Wie rund sieben Millionen EU-Bürger arbeitet er in der boomenden Branche der Erneuerbaren Energien. Sein Büro befindet sich in einem Passivhochhaus-Komplex, dessen gefaltete Fassade als Solargenerator die im Gebäude benötigte Energie selbst erzeugt. Hier beginnt sein Arbeitstag im Jahr 2050.

Neun Milliarden Menschen mit Ökostrom versorgen? Kein Problem, glaubt man dem Energy Report

Herr Müller könnte in einer Welt leben, deren Energiebedarf vollständig durch Erneuerbare Energien gedeckt wird. Davon ist zumindest die WWF überzeugt. In ihrem Energy Report skizziert sie ein optimistisches, aber nicht völlig unrealistisches Zukunftsszenario: Obwohl die Weltbevölkerung in 40 Jahren auf neun Milliarden Menschen angewachsen sein könnte, soll es keinerlei Versorgungsengpässe geben. Wie das funktionieren kann? Man muss einfach alles, was momentan schief läuft, richtig machen. Also lautet der Masterplan: “It’s about finding ways to do more with less.”

Dieses Motto setzt man in der ehemals verschlafenen 3.800-Seelen-Gemeinde Güssing in Österreich längst um. Deshalb pilgern Wissenschaftler und Politiker scharenweise aus der ganzen Welt in das Ökodorf, das als Modell für die Energieversorgung der Zukunft gilt.Denn hier ist das Jahr 2050 bereits Gegenwart: Als einzige Gemeinde der EU kann Güssing bereits heute seinen gesamten Energiebedarf aus Erneuerbaren Energien decken.

Gleichzeitig schaffte es das Dorf im Burgenland, seinen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß um 93 Prozent reduzieren. Und mit den Erneuerbaren Energien kam auch der Wohlstand nach Güssing: 1.000 neue Jobs und einen jährlichen Gewinn von 14 Millionen Euro brachte die eigene kleine Energiewende der Gemeinde, die ehemals zu den ärmsten in ganz Österreich zählte, ein. Kein Wunder also, dass „The Güssing Model“ weit über die Grenzen der EU hinaus als absolutes Vorbild in Sachen Energiewende gilt.

Urlaub auf Energy Island: Die schwimmenden „grünen“ Alleskönner

„Malle“ ist out, Energy Islands sind in: Deswegen verbringen auch die Müllers ihre Sommerferien im Jahre 2050 auf einer dieser Alleskönner-Inseln, die überall von den Stränden des Mittelmeers und des Pazifiks aus zu sehen sind. Ökotouristen können hier hautnah die Gewinnung Erneuerbarer Energien erleben: Denn auf der Oberfläche der Inseln sind Windkrafträder und riesige Solar-Module installiert, während die Meeresströmung unter Wasser große Turbinen antreibt, die wie Wellenkraftwerke funktionieren.

Sechskantige Alleskönner: Die Energy Islands sind Wind-, Solar-, und Wellenkraftwerk in einem. | Bild: Energy Island

Sechskantige Alleskönner: Die Energy Islands sind Wind-, Solar-, und Wellenkraftwerk in einem. | Bild: Energy Island

Eine einzelne der sechskantigen Insel kann den Energiebedarf von 250.000 Haushalten decken und ganz nebenbei 600 Millionen Liter an Trinkwasser produzieren. Bis zum 22. Jahrhundert könnten sich die schwimmenden Alleskönner gar zu autarken „Micronations“ ausgedehnt haben.

Energie sparen wird Pflicht, aber muss eine CO2-Steuer wirklich sein?

Für die Energiewende reicht der Ausbau Erneuerbarer Energien alleine nicht aus. Da sind sich alle Energie-Propheten einig. Das US-amerikanische Energie-Forschungsinstitut Ecofys beschreibt in seinem Szenario für das Jahr 2050 genau, wie das Ziel erreicht werden kann: Der weltweite Energiebedarf müsste trotz des immensen wirtschaftlichen Wachstums von Indien und China um mindestens 15 Prozent sinken. Nur wenn strenge Effizienzstandards eingehalten werden, lässt sich also der vollständige Umstieg auf Erneuerbare Energien realisieren.

Das heißt im Klartext: Regierungen und staatliche Organisationen müssen zunehmend nach Wegen suchen, wie man Privatpersonen und vor allem Unternehmen zu umweltschonendem Verhalten erziehen kann. Aktuell wird in den USA sogar über die Einführung einer CO2-Steuer diskutiert. Für die amerikanische Durchschnittsfamilie würden dadurch Kosten von rund 1.500 US-Dollar entstehen. Doch vielleicht gibt es ja auch einen sanfteren Weg, damit die Müllers und neun Milliarden Menschen im Jahr 2050 ihre Energie vollkommen aus Erneuerbaren Ressourcen schöpfen können.

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Dieser Artikel wurde verfasst von 123energie