Globales Denken  

Plastikmüll ist ein globales Umweltproblem. Allein in Deutschland landet pro Minute eine ganze Tonne im Meer. | Bildquelle: photocase.de, eskemar
Plastikmüll ist ein globales Umweltproblem. Allein in Deutschland landet pro Minute eine ganze Tonne im Meer. | Bildquelle: photocase.de, eskemar
9. Mai 2018

Zufallsfund: Super-Enzym frisst Plastikmüll

Polyethylenterephthalat. Hinter diesem Zungenbrecher verbirgt sich eines der größten Umweltprobleme unseres Planeten. Du weißt nicht, was das ist? Unter dem Namen PET ist Dir der Polyester-Stoff bestimmt ein Begriff. PET ist der meistbenutzte Kunststoff bei der Herstellung von Plastikflaschen.
Pro Minute werden weltweit eine Million davon verkauft.

Acht Millionen Tonnen Müll pro Jahr

Entgegen eines allgemeinen Irrglaubens werden gerade einmal 14 Prozent davon komplett recycled.

Das macht PET-Flaschen zu einem Problem. Für die Umwelt. Und besonders für die Weltmeere. Dort landen Jahr für Jahr über acht Millionen Tonnen Plastik. Dieser Müllberg macht 75 Prozent des gesamten Unrats, der in den Ozeanen landet, aus. Allen bisherigen Recycling-Bemühungen zum Trotz dauert es gut 450 Jahre, bis sich eine Plastikflasche vollständig zersetzt hat. Das macht den Müll zu einer der größten Herausforderungen im Kampf gegen die globale Umweltverschmutzung.

Folgenreicher Zufallsfund

Der Lösung dieses Problems könnten uns Wissenschaftler der britischen University of Portsmouth nun einen entscheidenden Schritt nähergebracht haben. Wie die Forscher in einer Studie in der Fachzeitschrift „Proceedings of the American Academy of Sciences“ berichten, gelang ihnen bei der genaueren Untersuchung eines Bakteriums ein folgenreicher Zufallsfund.

PETase-Enzym wurde in Japan entdeckt

Doch von Anfang an: Vor zwei Jahren entdeckten japanische Wissenschaftler in einem Abfallverwertungszentrum ein natürliches Bakterium, das sich langsam durch den Plastikberg fraß. Ein Team der Forscher aus Portsmouth und aus dem Labor für erneuerbare Energien des US-Energieministeriums wollte sich das genauer ansehen und untersuchen, wie das PETase-Enzym des Bakteriums funktioniert.

Enzym versehentlich verstärkt

Sie extrahierten das Enzym und setzten es einer zehn Milliarden Mal helleren Röntgenstrahlung als der Sonne aus, um die einzelnen Atome zu sehen. Bei der Untersuchung mit dieser Synchronstrahlungsquelle, der Diamond Light Source in Oxfordshire, kreierten sie versehentlich ein deutlich stärkeres Enzym. Die künstliche Verstärkung von natürlichen Enzymen ist dabei nicht ganz neu: Du kennst das wahrscheinlich von Waschpulver. Das nun unbeabsichtigt entstandene Enzym kann PET-Flaschen binnen einiger Tage statt in einigen Jahrhunderten zersetzen.

Künstliche Verstärkung ist nicht ganz neu

Und das funktioniert so: Das Enzym bricht PET auf und zerlegt es in seine Ursprungsbestandteile. Damit liefert es den Beweis, dass ein Stoff aus der Natur ein von Menschenhand entwickeltes Material verdauen kann. Netter Nebeneffekt: Das bei der Zerlegung zurückgewonnene Rohöl kann nochmal für die Produktion von PET-Flaschen verwendet werden. Neues Rohöl wird nicht benötigt.

Enzym soll weiter perfektioniert werden

Kann das neue Super-Enzym nun also die Vermüllung der Weltmeere beenden? Ganz so weit sind wir noch nicht. Die Forscher um Professor John McGeehan versuchen gerade, ihr Zufallsprodukt durch weitere Mutationen so zu perfektionieren, dass das Enzym eines Tages effizient genug ist, um für die industrielle Vernichtung von Plastik eingesetzt zu werden. Dann würde ein wirklicher Recycling-Kreislauf entstehen. Bis dahin haben wir ein paar Tipps für Dich, wie sich Müll vermeiden lässt.

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